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Das jüdische Echo · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 494

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 494 (sequence 6)
Language
German
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494 Nr. 25 Das Jüdische Echo polnisch-jüdischen Problems sei sehr kompliziert : und man müsse deswegen eine Zuspitzung der Silu- . ation vermeiden. Im weiteren Verlaufe des Gesprächs zerpflückte er die Meldung der ,,T r i b u n a : P o 1 s k a“, wonach er sich geäußert haben soll, daß die Juden in Polen, besonders die Nationalisten, übertriebene Forderungen an die Regierung stellen, die in keinem Lande gewährt würden. Immerhin steht er auf dem Standpunkt, daß es augenblicklich nicht die Hauptsache ist, um die die Juden betreffenden Verordnungen seitens der Regierung zu streiten, sondern es ist in erster Linie das Wichtigste, eine Verständigung zwischen- Polen und Juden herbeizuführen. Das andere würde sich dann ergeben. Allerdings müsse die polnische Regierung ihren guten Willen zeigen; er zweifle jedoch nicht an diesem guten Willen der. Regierung zu einer Verständigung. Von dem jüdischen Seminar „Tachkemon i“ in Warschau nehme er . den denkbar besten Eindruck mit. Die Intelligenz, Fähigkeit und Klugheit der jüdischen Jugend habe ihn entzückt und er glaube, daß dies das beste Material für die Regierung sei. Es wäre schade, wenn die Regierung dies nicht ausnutzen würde. * Warschau. (J.T.A.) In einer Konferenz mit Vertretern der jüdischen Presse erklärte der Präsident des jüdischen Klubs, Dr. Leon Reich, der Forderung nach Öffentlichkeit der Verhandlungen mit der Regierung könne noch nicht entsprochen werden, da die Regierung auf Vertraulichkeit besteht; auch sind die Verhandlungen noch nicht so weit, daß man ihr Programm konkretisiereii könnte. Die jüdische Öffentlichkeit könne beruhigt sein, der :Klub werde über die jüdischen Interessen wachen. Niemand könne sagen, ob ein günstiges Resultat erbracht werden wird, die Regierung scheine noch immer nicht zu begreifen, wie wichtig eine Lösung des Judenproblems für die Republik sei. Dr. Reich wies kategorisch den Vorwurf der Presse der anderen nationalen Minderheiten, wonach die Juden als Werkzeug gegen die anderen Minderheiten gebraucht werden sollten, zurück. Er erklärte feierlich, nie würden sich jüdische Vertreter gegen die anderen nationalen Minderheiten in Polen gebrauchen lassen. * W arscha u. (J.T.A.) Der polnische Sejm nahm in seiner Sitzung vom 5. Juni in erster Lesung das I n dustriegesetz an, welches sich als sehr schädigend für die jüdische Kleinindustrie auswirken wird. Gegen das Gesetz sprachen die jüdischen Deputierten Hartglas, Prilutzki und der jüdische Sozialist Reger! Die Redner wiesen auf die Mittelalterlichkeit des Gesetzprojektes hin und hoben hervor, daß dessen Durchführung für die : jüdische Bevölkerung nicht weniger nachteilig sein wird, als das angenommene Konzessionsgesetz. Naumann gegen C.-V. J| Berlin (J.T.A.). Vor dem Amtsgericht Charvilottenburg (Amtsgerichtsrat Dr. Neumann) fand am?;9. Juni die Verhandlung über die Ehrenbeleidigungsklage des Vorsitzenden des Verbandes Nationaldeut-; scher Juden Dr. Max Naumann gegen das Mitglied des Hauptvorstandes des Central-Vereins Deuti scher Staatsbürger jüdischen Glaubens und Mitglied des Breslauer C.-V.-Vorstandes, Dr. Förder statt, i Gegenstand der Klage war eine Zuschrift des Herrn „Dr. Förder an die in Breslau erscheinende „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland“, in welcher sich Dr. Förder dagegen wehrt, daß ihm Dr. Naumann in dem Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden unterstellt hat, er hätte zur Zeit des Wahlkampfes vor den Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in dem der zionistischen Bewegung dienenden Organ einen Artikel veröffentlicht, in welchem er Angriffe gegen den Vorsitzenden des Central-Vereins, Justizrat B r o d n i t z , gerichtet hat. In der Zuschrift stellte Dr. Förder fest, daß er dem übrigens mit dem Signum des Redakteurs der jiid. Zeitung für Ostdeutschland, Dr. Prinz, versehenen Artikel ganz ferngestanden und erst nach der Drucklegung von ihm Kenntnis erhalten habe. Durch einige Stellen in dieser Zuschrift fühlte , sich Dr. Naumann beleidigt und strengte die Klage an. Dr. Förder erhob Widerklage, weil die Behauptung, er hätte unter fremder Marke gegen seinen Vorsitzenden gekämpft, für ihn beleidigend sei. Nachdem ein Vergleichsvorschlag des Richters nicht zustandegekommen war, ging man in die Verhandlung ein. Während der Verhandlungen vor dem Richter platzten die Gegensätze sehr scharf aneinander und die Stimmung war zum Teil sehr erregt. Herr Dr. Förder führte aus, daß Herr Dr. Naumann, dessen Anhang im Central-Verein die national-deutsche Richtung vertrete, gegen ihn, Dr. Förder, der ein Repräsentant jener Richtung im C.-V. ist, die die antizionistische Wahlparole bekämpft habe und für praktische Mitarbeit am Palästina-Aufbau eintritt, fortwährend vorgegangen sei und sogar seinen Ausschluß betrieben habe. Dies stieß jedoch auf den Widerstand fast aller Vorstandsmitglieder. Herr Dr. Förder setzte sich mit der Richtung des Verbandes nationaldeutscher Juden auseinander und führte aus, Dr. Naumann leiste durch seinen Kampf und seine Methoden gegen anders gesinnte jüdische Gruppen dem Antisemitismus Vorschub und schädige so die Arbeit des C.-V., die auf die Bekämpfung des Antisemitismus eingestellt ist. Der Beklagte zitierte mehrere antisemitische Zeitungen und Bücher, die Aussprüche Dr. Naumanns in ihrem Kampfe gegen das Judentum benützen, ja ihn als Kronzeugen gegen das Judentum anführen. Der Kläger, Herr Dr. Naumann, legte seinerseits in ausführlicher Weise das Programm und die Weltanschauung der nationaldeutschen Juden dar, die für Deutschtum und Judentum eintreten und nichts dafür können, wenn die Antisemiten sie mißbrauchen. Der Verband setze ungeachtet dessen seinen Kampf gegen die nach seiner Überzeugung schädlichen Richtungen fort und die Richtung Dr. Förder sei schädlich. Nach Schluß der Verhandlung verkündete der Richter das Urteil, wonach der Beklagte, Herr Dr. Förder, zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt und Herr Dr. Naumann freigesprochen wurde. In seiner Verteidigungsrede brachte Dr. Förder einen an ihn gerichteten Brief des verstorbenen Geheimrats Dr. Eugen Fuchs zur Verlesung, um darzutun, wie die Wirksamkeit Naumanns, dieses „jüdischen Dorten“ von der überwältigenden Mehrheit der deutschen Juden eingeschätzt wird. Der Brief, in dem Eugen Fuchs unter Betonung seines bekannten Standpunktes in der Frage Deutschtum—Judentum Herrn Naumann charakterisiert* lautet:

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