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Das jüdische Echo · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 493

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 493 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 493 jorität die Gelegenheit eines autonomen jüdischen Territoriums so unbekümmert zurückgewiesen hatte, waren mehrere der besten Juden der Welt in unseren Reihen tätig, keiner erhielt je eine pekuniäre oder persönliche Entschädigung. Die Opposition gegen den Versuch einer großzügigen Behandlung der jüdischen Frage hat aber unsere Arbeit gebrochen. Dennoch wirkten wir auf den politischen Zionismus, wie auf die Entstehung des russischen Kolonisationsplans. Wir studierten die Möglichkeiten jedes entwickelten Landes, verhandelten mit einer Anzahl Regierungen und lieferten der Wissenschaft wertvolle Berichte über Cyren a i c a und Angola. Unsere Existenz war keineswegs vergeblich. Allen Herren des Rates gebührt Dank, insbesondere Herrn Dr. J o c h e 1 - min, der von Rußland aus die Galveston-Expedition geleitet hatte, dem Schatzmeister Dr. Myer Nathan und Herrn M. A. Spiel mann. An der nachfolgenden Debatte beteiligten sich N. M. Kisch, Herwald, M. A. Spielman, Dr. M. D. Eder. Zangwill schlug vor, von der vorhandenen Summe 100 £ für die geplante Marmorek- Garten-Stadt in Palästina und den Rest einem Ehrenkomitee zu widmen, welches die ITO- Arbeit in einem ihrer Zweige fortsetzen soll. Der Vorschlag wurde angenommen, ebenso der Vorschlag Dr. E d e r s, daß das Archiv und die Publikationen der ITO der Bibliothek der Jerusalemer Universität übergeben werden sollen. Zangwill schloß die Diskussion mit der Zitierung des folgenden Verses von Browning ab: „Nicht das Fehlen des Zieles, aber die Kleinheit des Zieles ist zu tadeln.“ Lucien Wolf in Polen (J.T.A.) In Warschau weilt gegenwärtig der bekannte englisch-jüdische Politiker Lucien Wolf, Generalsekretär des Auswärtigen Komitees der Anglo Jewish Association. Herr Wolf folgte einer Einladung des Außenministers Grafen Skrzynski, um sich über die Lage der Juden in Polen zu informieren. Da gegenwärtig Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung, den Mehrheitsparteien und den Juden im Gange sind, wird der Anwesenheit Lucien Wolfs eine erweiterte Bedeutung beigemessen. Der Warschauer J.T.A.-Vertreter befragte Herrn Wolf über seine Mission und seine Eindrücke in Polen. Herr Wolf führte ungefähr aus: Meine Meinung ist, daß die Judenfrage in Polen eine gewisse internationale Bedeutung habe. Die von allen erstrebte Pazifizierung Europas wird gehindert, wenn in Polen 12—14 Prozent der Bevölkerung durch die 60 Prozent ausmachende Mehrheitsbevölkerung bekämpft wird. Die jetzige soziale Lage der Juden in Polen — die politische Lage wollen wirvorläufig außer acht lassen — ist eine unerträgliche, Der wirtschaftliche Zustand der Juden in Polen ist heute weit schlimmer als vor 21 Jahren, da ich zum erstenmal in Warschau geweilt habe. Ich bin trotzdem optimistisch gestimmt und erwarte, daß die polnischjüdischen Verhandlungen gute Resultate bringen werden. Die Lösung des Problems ist nicht leicht und erfordert Geduld und Takt auf beiden Seiten. Ich bin vom guten Willen der polnischen Regierung wie der jüdisch-parlamentarischen Repräsentanz überzeugt, man kann aber jetzt nur von einem guten Anfang sprechen, das Resultat ist im Verlauf der kommenden Jahre zu erwarten. Wichtig ist die gute psychologische Einstellung. Es ist leider eine Tatsache, daß der Antisemitismus in Polen schon eine Psychose ist. Andererseits leben die Juden in Polen in kompakten Massen. So kann es nicht weiter gehen. Polen, setzte Herr Wolf fort, hat als Staat große Fortschritte gemacht. Die politische und wirtschaftliche Konsolidation schreitet vorwärts, einzig die Lage der jüdischen Bevölkerung verschlechtert sich immer mehr. Viele Großmächte sind an einem starken Polen interessiert. Ein Land kann aber nicht stark sein, wenn in ihm ein, wenn nicht offener, so doch faktischer Bürgerkrieg besteht. Es liegt also nicht allein im Interesse der jüdischen Bevölkerung, sondern auch Polens selbst, sowie ganz Europas, wenn die Judenfrage günstig gelöst wird. Herr Wolf schloß: Ich weile in Polen als Beobachter und beabsichtige nicht, mich in die inneren polnischen Angelegenheiten einzumischen. Sollte aber meine Anwesenheit hier mithelfen, daß für die Bevölkerung Polens, insbesondere für die jüdische, bessere Zeiten anfangen, so wird das für mich Glück und Ehre bedeuten. * Am 5. Juni fand die erste Zusammenkunft zwischen dem Ministerpräsidenten G r a b s k i, Außenminister Skrzynski und Lucien Wolf statt. * Die in Le m berg erscheinenden ukrainischen Zeitungen und das Bromberger Organ der Deutschen Polens warnen die jüdischen Vertreter davor, Verhandlungen mit der polnischen Regierung ohne gleichzeitige Teilnahme der Vertreter der anderen Minderheiten zu führen. Das ukrainische Organ versteigt sich sogar dazu, den Juden die Rache der Ukrainer und der Deutschen anzudrohen. * Der Vertreter des Joint Foreign Committee (Auswärtiges Komitee) der englischen Juden, Lucien Wolf, der auf Einladung des Außenministers Skrzynski nach Warschau gekommen war, um — wie angenommen wurde — eine Vermittlertätigkeit zwischen der Regierung und den Juden auszuüben, hat nach achttägiger Anwesenheit Warschau wieder verlassen. In einer Unterredung mit Pressevertretern unmittelbar vor seiner Abreise sagt er, er hoffe, daß seine Mission von Erfolg gekrönt sein wird. Es war im voraus nicht zu erwarten, daß sofort greifbare Resultate erzielt werden, allein die Bahn sei geebnet für weitere Verhandlungen. Demnächst werde Minister Skrzynski nach Amerika reisen; es handelt sich um polnische Staatsinteressen. Die Judenheit Polens wird loyalerweise dem Minister die Ausführung seiner Aufgabe erleichtern. Bis jetzt ist gelungen, gewisse Mißverständnisse zu beseitigen. — Die jüdische Presse nimmt diese Darlegungen Wolfs mit einer gewissen Skepsis auf. * Lucien Wolf, der am Montag abend (8. 6.) Warschau verließ, erklärte einem Mitarbeiter des „Najen Haynt“, daß man ihn allseitig in den ersten Tagen voller Mißtrauen angesehen hätte. Jetzt aber, nach einem achttägigen Aufenthalt in Warschau, glaube er, daß man ihm nicht nachsagen könne, er hätte den jüdischen Interessen in Polen geschadet. Er glaube sogar, daß seine Reise erfolgreich war; denn er kenne jetzt die Lage in Polen. Die Lösung des

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