Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 25 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- Seite 492 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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492 Nr. 25 Das Jüdische Echo einer ihrer Bedeutung entsprechenden Eingliederung in die neue Organisation offen gehalten werden wird. Daher wird vorgeschlagen, daß alle der Jewish Agency dienenden Körperschaften einen vorläufigen Charakter tragen. Die vom Präsidium des KH einberuf ene Vertretungskörperschaft selbst wird naturgemäß nur den augenblicklich vorhandenen Palästina-Interessen entsprechen. Sie hat die Aufgabe, Maßnahmen zu treffen, durch welche die Angliederung neuer Gruppen erleichtert wird. Die Wahlperiode der für die erweiterte Jewish Agency gewählten Mitglieder soll zunächst nur ein Jahr betragen. Die gewählten Vertreter müssen sich verpflichten, nach Ablauf dieses Jahres ihre Ämter niederzulegen. Voraussetzung für die Teilnahme an einer mit der Jewish Agency im Zusammenhang stehenden Einrichtung ist neben der durch das Mandat geforderten Anerkennung der Balfour-Deklaration die Teilnahme an der Aufbring u n g d e r Mittel für den Aufbau Palästinas. Es muß die Garantie geschaffen werden, daß Rechte und Leistungen miteinander in Einklang stehen. Liquidation der Ito London (J.T.A.). Die im Jahre 1905 nach der Ablehnung des Uganda-Projektes durch den 7. Zionistenkongreß von Israel Z a n g w i 11 und anderen bis dahin führenden zionistischen Persönlichkeiten begründete Jewish Territorial Organisation (Ito) hat zu existieren aufgehört. Am 7. Juni fand im Hause von Mr. Meyer A. Spiel man eine Sitzung des Zentralrates der Organisation statt, in welcher eine Resolution angenommen wurde, wonach „der Generalstab der ITO beschlossen hat, seine Tätigkeit einzustellen.“ Der Vorsitzende, Mr. Israel Zangwill, hielt eine ausführliche Rede über die Lage der Judenheit und stellte zunächst fest, daß in der letzten Sitzung des Zentralrats Ende 1922 beschlossen wurde, daß der Zentralrat seine Tätigkeit fortzusetzen habe und den Präsidenten bevollmächtigt, sobald ein territorialer Vorschlag auftaucht, den Rat einzuberufen. Palästina, setzte Zangwill fort, wurde niemals aus dem Programm der ITO gestrichen, das beste, was sie zu tun hatte, war, sich dem Mandat anzugleichen. Unser Kollege Dr. Eder tat bereits Arbeit in und für Palästina und jetzt nimmt der Sohn unseres Kollegen Mr. H. M. Kisch den Posten in Palästina ein. Seitdem diese Resolution gefaßt wurde, hat die Zionistische Organisation beträchtliche praktische Fortschritte erzielt, aber ihre politische Situation hat sich verschlimmert. Mit dem Rücktritt von Sir Herbert Samuel und Mr. Norman B e n t - wich zählt die Palästina-Administration keinen einzigen höheren jüdischen Beamten mehr, die Ernennung des Feldmarschalls Lord P 1 u m e r zum Oberkommissar zeigt, daß das Land auf dem Wege ist, eine Kronskolonie zu werden, für deren Entwicklung aber die Juden zur großen Befriedigung der Ottomanischen Aktienbesitzer zu zahlen haben werden. Die Eröffnung der Hebräischen Universität erbrachte eine Umwertung der Werte, aber die Schaffung eines geistigen Zentrums, mag es noch so großartig sein, ist noch kein Zionismus. Der bestimmte Punkt ist der politische. Die ökonomische wie politische Lage der Juden in vielen Teilen Europas verschlechtert sich immer mehr, so daß die Frage eines jüdischen Territoriums auf autonomer Basis dringender ist, als je zuvor. Ich selbst habe eingesehen, daß die Balfour-Deklaration für den Territorialismus unserer Generation seinfatal ist, weil, obwohl sie in Palästina nicht zu erreichen war, dennoch jeden auswärtigen Versuch behindert. Die Zionisten stellten sich jedem Versuch des Territorialismus mit dem größten Fanatismus entgegen. Ich glaubte, daß der Druck der traglschen Mächte zu einer politischen Lösung der jüdischen Frage allmählich treiben wird. Als hierher das Gerücht drang, daß die russiche Regierung ein Territorium für die dortigen Juden zur Verfügung stellen will, habe ich mich mit einem Schreiben um eine Definition dieses Angebots an T s c h i t s c h e r i n gewandt, erhielt aber keine Antwort. Trotzdem war in dem Gerücht ein Stück Wahrheit enthalten. Mr. David A. Brown, der praktischeste jüdische Sozialarbeiter in Amerika, der unlängst eine Tour durch die jüdischen Kolonien in der Ukraine und in der Krim absolviert hat, gab einen sehr günstigen Bericht über die Aussichten der Kolonisation in Rußland. Er erklärte, daß bis Ende 1927 10 000 jüdische Familien angesiedelt sein werden; 4000 Familien sind bereits auf ihrem Boden. Die amerikanischen Juden werden sich in der Geschichte einzeichnen, wenn sie diese wunderbare Gelegenheit zu jüdischer Aufbauarbeit benutzen. In Rußland ist weder Mangel an Land noch an Siedlungswilligen. Mr. Brown, der zahlreiche Millionen für Hilfe an die Kriegsopfer in Osteuropa gesammelt hat, führt jetzt die neue Kompagne, um 15 Millionen Dollar für die Siedlungsarbeit aufzubringen. Obwohl Mr. Brown auch die zionistische Bewegung unterstützt, hat die Zeitschrift „New Palestine“ ein Geschrei erhoben. Ungeachtet dessen haben Zionisten mit weiten Seelen, wie Nathan Strauß und Stephan S. W i s e , die Notwendigkeit dieser Arbeit anerkannt. Herr Dr. Paul Nathan in Berlin, der altbekannte Arbeiter auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, hat ebenfalls betont, daß eine jüdische Kolonisation im Osten Rußlands auf breitester Grundlage das dringendste Erfordernis der Stunde ist. wenn er auch das Programm der Ito, ein geschlossenes Territorium auf autonomer Basis zu schaffen, in welchem diejenigen Juden ein Heim finden sollen, die in ihren bisherigen Wohnorten nicht leben wollen oder können, nicht ausdrücklich billigt. Das Oberhaupt der ukrainischen R e g i e ru n g , Tschubar, hat auf die Frage, ob die Errichtung einer jüdischen Republik geplant ist, mit Nein geantwortet. Er sagte aber, es sei wünschenswert, jüdische Distrikte mit Selbstverwaltungsrechten zu schaffen. Jedenfalls geht aus seinen Worten hervor, daß es möglich sei, in Rußland eine Landfläche für ein jüdisches Territorium zu erhalten. Mr. Brown und seine Mitarbeiter scheinen aber diese Notwendigkeit nicht verstanden zu haben. Die zionistische Forderung, daß die gesamte Energie auf die Gründung einer einzigen machtvollen Gemeinschaft m der Welt konzentriert werden soll, hat das Suchen nach einem ITO-Land gehemmt. Trotzdem wären Erfolge erzielt worden, wenn ein jüngerer Mensch die Bewegung geleitet hätte. Meine Ärzte drängten darauf, daß ich meine Tätigkeit auf ein Minimum reduziere. Zangwill schloß: Als wir eingesehen, daß unser Plan fehlschlug, dachten wir daran, den Überschuß anderen Körperschaften mit ähnlichen Zielen zu widmen. Seit 1905, da die zionistische Ma-