Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 25 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 25 19. Juni 12. Jahrgang Teilnahme der deutschen Judenheit an der Jewish Ägency Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat auf seiner Sitzung vom 21. Mai folgendes ihm vom Landesvorstand vorgelegte Expose des Vorsitzenden der Z.V.f.I)., Kurl B 1 u m e n f e 1 d , über die Teilnahme der deutschen Judenheit an der Jewish Agency zustimmend zur Kenntnis genommen. Die Jewish Agency ist die gegenwärtige organisatorische Form der vor Jahren eingeleiteten Bündnis p o 1 i l i k. Diese Bündnispolitik fand vor allem aus folgenden Gründen die Billigung der Mehrheit der Zionisten: 1. Die Kolonisation Palästinas muß in schnellerem Tempo erfolgen. 2. Der Aufbau des Landes bedarf einer breiteren politischen und materiellen Basis. 3. Im Interesse der Leistungsfähigkeit der Zionistischen Organisation sind alle Versuche, durch Abschwächung des zionistischen Programms den überwiegenden Teil der Judenheit zu gewinnen, abzulehnen; es hat sich auch herausgestellt, daß derartige Versuche ergebnislos verlaufen. 4. Es gibt eine erhebliche, sehr zu vergrößernde Zahl von Juden, die für die Teilnahme am Aufbau Palästinas gewonnen werden können, ohne daß mit ihrem Anschluß an die Zionistische Organisation gerechnet werden darf. Diese Erwägungen haben uns vor allem bei der Gründung des Keren H a j e s s o d geleitet. Die Arbeit für den Keren Hajessod hat in uns die Meinung befestigt, daß es erforderlich ist, alle an Palästina interessierten Teile der Judenheit allmählich zur verantwortlichen Teilnahme am gesamten Paläslinawerk heranzuziehen. Zunächst wurde der Gedanke eines jüdischen Weltkongresses auf demokratischer Basis diskutiert. Man dachte daran, die gesamte Judenheit in einheitlicher Form für Palästina zu organisieren. Es zeigte sich, daß dieser Gedanke zur Zeit nicht ausführbar ist. Die Erfahrung belehrte uns, daß wir nur in sehr schwerer, allmählich fortschreitender Arbeit neue Kreise für die Teilnahme am Palästina-Aufbau gewinnen und daß es unmöglich ist, diese Arbeit durch formale organisatorische Einrichtungen zu ersetzen. Der Keren Hajessod befindet sich in einer von Jahr zu Jahr fortschreitenden aufsteigenden Entwicklung. Es ist gelungen, wertvolle und führende Persönlichkeiten außerhalb unserer Reihen unserer Arbeit zu verbinden. In vielen Ländern ist eine wirkliche Zusammenarbeit von Zionisten und anderen Palästina-Freunden zur Tatsache geworden. Die Konstituierung der erweiterten Jewish Agency als der obersten Verwallungsinslanz wird geeignet sein, das Vertrauen außenstehender Kreise zu stärken lind wird unsere Arbeit für den Keren Hajessod erleichtern. Die Jewish Agency, deren Repräsentant heule die Zionistische Organisation ist, soll durch den Hinzutritt von Palästina-Freunden erweitert werden, die sich aus irgendwelchen Gründen der Zionistischen Organisation nicht anschließen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Jewish Agency ist die Anerkenn u n g d e r B a 1 f o u r - Deklaration. Nur wer für die Schaffung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina einzutreten gewillt ist, kann in irgendeiner Form an den Beratungen über die Erweiterung der Jewish Agency oder späterhin an den zur Bildung der Jewish Agency geschaffenen Einrichtungen leilnehmen. Daraus ergibt sich, daß die Jewish Agency in erster Linie durch die schon seit Jahren für den nationalen Palästina-Aul bau interessierten Juden zu ergänzen ist. Die Zeichner des Keren Hajessod und die vom Keren Hajessod geschaffenen Instanzen sind geeignet, feslzustellen, wie weil außerhalb unserer Reihen ein Interesse an der Verwirklichung der Balfour- Deklaration vorhanden ist. Die Teilnahme der an Palästina interessierten Teile der deutschen Judenheit dürfte zweckmäßig in folgender Form herbeigeführt werden: Es sollte eine deutsche Verlrelerkörperschaft für die Jewish Agency unter dem Namen: „V o r läufiger Ausschuß für die Angelegenheiten der Jewish Agency“ geschaffen werden. Zu diesem Zweck findet zunächst eine Genera 1- Versammlung des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk E. V.) statt, die das Präsidium des KH beauftragt, die vorläufige Verfrefungskörperschaft für die Jewish Agency einzuberufen, und die eine bestimmte Anzahl von Vertretern in diesen vorläufigen Ausschuß entsendet. Diese Vertreter sind grundsätzlich nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation. Die vom Präsidium des Keren Hajessod einzuberufende Vorläufige Vertrelerkörperschafl besteht aus: a) den von der Generalversammlung des Keren Hajessod gewählten Mitgliedern, b) einer weiteren Zahl von Vertretern palästinafreundlicher Organisationen, c) aus Vertretern der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Dieser Vorläufige Ausschuß (etwa 36 Mitglieder) ist nach demselben Prinzip wie der Council der Jewish Agency zusammenzusetzen, d. h. die Zahl der Vertreter der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ist ebenso groß wie die Gesamtzahl aller übrigen Mitglieder. Der Vorläufige Ausschuß hat die Aufgabe: a) den gesamten mit dem Palästina-Aufbau zusammenhängenden Fragenkomplex zu beraten, b) die Vertreter der deutschen Judenheit für die Jewish Agency zu wählen. An der Wahl dieser Vertreter beteiligen sich alle Mitglieder. Es besteht jedoch ein stillschweigendes Übereinkommen, daß die zu wählenden Mitglieder der Jewish Agency der Zionistischen Organisation grundsätzlich nicht angehören. Der Palästina-Aufbau wird ständig neue, wertvolle Freunde gewinnen, denen die Möglichkeit