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Das jüdische Echo · 1925-06-12 · 24 (12.6.1925) · p. Seite 481

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
24 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
Seite 481 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 481 (und mit sonst nichts!) zu verfolgen“, wenn man der Auffassung ist, daß der Zionismus eine Gefahr bildet, durch die „die Judenschaft der ganzen Welt auf die Karte einer Idee gesetzt wird“, ohne diese Ideee als unrichtig oder unzweckmäßig nachzuweisen. Abgesehen davon, daß, wenn diese Gefahr bestünde (wer kann sich übrigens etwas faktisches darunter vorstellen, daß „die gesamte Judenschafl auf die Karte einer Idee gesetzt wird“?) man sich, da man nicht wirklich eine bessere Lösung der Judenfrage vorzuschlagen hat, als nur die pure Selbstverständlichkeit, daß jeder junge Mensch ein vernünftiger Mensch werden soll, an die Grenze des — Verzeihung! — Lächerlichen begibt. Weil das Vernünftigwerden sich ohne alle und manchmal auch trotz aller pädagogischen und sonstigen Einflüsse vollzieht; und weil Erziehung zum Mitläufer sowieso zu nichte wird an jedem zum Denken vorausbestimmten Menschen, weil überdies jeder vernünftige Mensch von selbst dazu kommt, rückwärts zu schauen und so sich der Vergangenheit bewußt wird, die ihn zur Zukunft hinüberleitet (dies betrifft das Studium der jüdischen Geschichte); und weil überhaupt alles übrige, was der junge Jude zu eigen haben soll, wie z. B. das „fein geschliffene Gefühl für alles Schöne“, etwas absolut Persönliches ist, etwas allen Menschen in vollkommen gleicher Weise erstrebenswertes, so erlangt der junge Jude, wenn er dieses erreicht, keine Waffen hierdurch, sondern lediglich Eigenschaften und einen Gesichtskreis, den eigentlich jeder Mensch haben müßte. Der Gedanke allein schon, den jungen jüdischen Menschen mit „Waffen“ ausrüsten zu müssen, offenbar zum Kampf mit der antisemitischen Umwelt (was hätten Waffen sonst für einen Sinn), ist widersinnig und zeigt am deutlichsten, wie weil entfernt diese Ideologie vom Verständnis dessen entfernt ist, was dem jungen Juden allein not tut und was die zionistische Jugend längst erkannt hat und als verantwortungsvolle Aufgabe erfüllt. Nichts anderes tut dem jungen Juden not, als daß er möglichst früh erkennt, daß er eine große und verantwortungsvolle Aufgabe auf sich zu nehmen hat, wenn er den Bestand des jüdischen Volkes und damit sich selbst in die Zukunft hinüberretten will. Ihm dies so klar wie möglich zu machen, ist die einzige Aufgabe, mit der eine „jüdische“ Jugendorganisation an den jungen jüdischen Menschen heran Ire teil sollte. Dr. J. R o s n e r. Die Bibliothek der hebräischen Universität in Jerusalem Wir brachten vor kurzem ein interessantes Feuilleton aus dem jüdischen Leben Palästinas, „Wassermangel in Jerusalem“ betitelt, aus der Feder einer Münch n e - rin, die jetzt in Jerusalem lebt. Wir sind in der angenehmen Lage, heute den folgenden Originalbericht der gleichen Verfasserin zu veröffentlichen, der ein anschauliches, aus unmittelbarer Nähe geschöpftes Bild über den heutigen Stand der hebräischen Universitätsbibliothek gibt. Es ist in letzter Zeit viel die Rede gewesen von der neu gegründeten Hebräischen Universität, diemit einem Schlage Palästina in den Mittelpunkt des Interesses der Juden aller Welt gerückt hat. Ich will nun heute ein wenig von dem Institut der Universität berichten,_ das am längsten be.steht und das noch am wenigsten zu Wort gekommen ist: von der Jüdische n Universitätsbibliothek. Die Bibliothek, die seit 1892 besteht, verdankt den größten Teil ihrer hebräischen Bücher dem russischen Arzt Dr. Joseph Chasanowitsch, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, daß in Jerusalem eine Jüdische Nationalbibliothek bestehe. Im Jahre 1920 hat die Zionistische Exekutive diese Bibliothek mit etwa 30000 Bänden übernommen, um sie unter Leitung von Dr. Hugo. Bergmann zur Jüdischen National- und Universitätsbibliothek auszubauen. Heute zählt die Bibliothek bereits über 90 000 Bände und ist die größte Bibliothek Palästinas. Die Zahl ihrer Leser beträgt monatlich gegen 3000., Was es bedeutet, daß zu den in 28 Jahren gesammelten 30 000 Bänden in 5 Jahren 60 000 hinzugefügt werden konnten, wird nur derjenige begreifen, der einen Begriff hat, unter welchen Schwierigkeiten die Bibliothek arbeitet. Man stelle sich vor: die Bibliothek besitzt keinen Pfennig zum Ankauf.von Büchern — der Keren Hajessod zahlt lediglich das Gehalt der Beamten — und hat dabei die große Aufgabe, systematisch die einzelnen Wissenzweige auszubauen, die den Grundstock zu der an der Universität zu leistenden Arbeit bilden sollen. Zwei Dinge sind es, die der Bibliothek im wesentlichen zu ihrem Aufschwung verholfen haben und mit. deren Hilfe sie in raschem Aufstieg begriffen ist: Ein Leiter, der mit aller Energie die vielen Schwierigkeiten zu überbrücken sucht und ein Netz von Freunden, das sich über die ganze Welt spannt. Zunächst ein Wort über Dr. Bergmann: Er ist unermüglich in seiner Arbeit für die Bibliothek,, die wohl wesentlich verschieden ist von der eines Bibliothekdirektors irgend wo anders auf der Welt. Neben all seinen Aufgaben als Leiter des Betriebes liegt auf ihm die rege Verbindung mit all den Freunden der Bibliothek in allen Ländern, die teils einzeln, teils zu Komitees zusammengeschlossen stets auf dem laufenden gehalten sein wollen, Er wird nimmer müde, die große Zahl der Besucher, die alljährlich der Touristenstrom mit sich bringt, durch die Bibliothek zu führen, ihnen die Aufgaben vor Augen zu führen, die die Errichtung eines geistigen Zentrums in Erez Israel jedem Juden stellt und optimistisch hört er all die vielen Versprechungen an, obwohl die Vergangenheit gelehrt hat, ein wie kleiner Prozentsatz sich wirklich nach Rückkehr ins Galuth noch der gegebenen Versprechungen erinnert. Er kennt keine Arbeitszeit, sein ganzer Tag gehört der Bibliothek und wohl auch ein großer Teil seiner Nächte; er rezensiert Bücher in Massen, damit die Bibliothek in den Besitz der neuerscheinenden Literatur kommt. All diese Arbeit und Kraft würde jedoch nichts nützen, hätte die Bibliothek nicht eine große Anzahl von ergebenen und treuen Freunden, die sie ständig mit Büchern und Mitteln versehen, ihren Aufgaben gerecht zu werden. An vielen Orten arbeiten Komitees, die in der Hauptsache die Büchersammlung und -anschaffung auf sich genommen haben. Das größte, das Warschauer Komitee, hat im letzten Jahr allein 600 Dollar für die Bibliothek ausgegeben, hauptsächlich für das Binden und den Transport der von Dr. Chasanowitsch hinterlassenen Bücher. In B e r 1 i n arbeitet ein Komitee unter Professor C i t r o n , das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bibliothek mit den wesentlichsten medizinischen

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