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Das jüdische Echo · 1925-06-12 · 24 (12.6.1925) · p. Seite 480

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
24 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
Seite 480 (sequence 16)
Language
German
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480 Das Jüdische Echo Nr. 42 Einordnung Eine Erwiderung. Die Judenfrage als internationale Frage ist ihrem Inhalte nach sozialer Nalur. Bestimmend für sie ist das wirtschaftliche, gesellschaftliche und .staatsbürgerliche Verhältnis der Juden zur Umwelt. Die Judenfrage ist keineswegs eine Frage nach der Herkunft der Juden und auch keine Bestimmungsfrage. Was die Juden auch sein mögen — die Judenfrage besteht. Sie blickt schon auf ein ganz ansehnliches Alter zurück. Ihr Geburtsdatum liegt um die Zeit der Vertreibung der Juden aus Palästina, um die Zeit der Loslösung des Judentums von seinem historischen Ausgangspunkt. Deshalb ist es falsch zu glauben, die Judenfrage bestehe erst, seil gewisse Juden sich durch die leider schon vorhanden gewesene und nun zeitweilig einmal akut gewordene Judenfrage veranlaßt gesehen haben, wieder „sich als Juden zu fühlen“. Auch ist an die Judenfrage nicht heranzutreten oder ihr dadurch beizukommen, daß man sich der höchst überflüssigen Arbeit unterzieht zu erklären, was die „sich als Juden Hüllenden Juden“ sind. Die Tatsache der Judenfrage und die aus ihrem' Bestehen entstandenen Wechselwirkungen auf das in der Zerstreuung lebende jüdische Volk ist die Ursache der Judennot, das heißt der materiellen und moralischen Verfassung in der die überwiegende Anzahl der Juden der ganzen Welt lebt und die ■auch die Bedingungen für die Entwicklung des jungen Juden in sich einschließt. Die Reaktion der östlichen, durch das Gemeinschaftsleben das Judentum erhaltenden Juden auf ihre Lebensnot, im Gegensatz zu den der Assimilation verfallenen westlichen Juden, ist in dem Kampf zu erblicken, der dem Fortbestand und der Weiterentwicklung des Judentums gilt und der geknüpft ist an die Rückkehr in die Heimat des Volkes. Dieser Kampf, der, um /u einem wirklichen Sieg zu führen, den Juden zu innerst erfaßt, ihn der Halbheit des Galullilebens entreißt und ihm die Auferstehung zu einem ganzen, in sich harmonisch geschlossenen leben bringt, ist jüdische Renaissance. Der Begriff „Renaissance“ ist vielfach-zur Bezeichnung der jüngsten Epoche des jüdischen Volkes verwandt worden. WfcSjSSSiKilllswsäiiiiaÄWli nadis Oft mußte er aber leider auch Verhältnisse und Zustände der jüdischen Gesellschaft decken, die nicht im mindesten mit Wiedergeburt zu tun haben, so stark auch die Träger gewisser Ideologien uns dies glauben machen wollen. Buber sagt einmal: „Jüdische Renaissance“ . . . Man hat darunter eine Rückkehr zu den alten, im Volkstum wurzelnden Gefühstraditionen und zu deren sprachlichem, sittlichem, gedanklichem Ausdruck verstanden. Man braucht diese Vorstellung nur an der Quattrocento-Renaissance zu messen, um ihre Kleinheit und Unzulänglichkeit einzusehen. Eine solche Rückkehr würde den edlen Namen Renaissance, diese Krone der Geschichtszeiten in keiner Weise verdienen. Wir müssen schon tiefer gehen, wenn wir die Zukunft unseres Volkes verstehen wollen.“ Im Gegensatz zu der großen inneren Befreiung, die für den größten Teil des Ostjudentums gegenüber der materiellen Lebensnot in der Chibbath, Zion, in der Zionsliebe besteht, wurde das westliche Judentum, das durch die Assimilation ein Judentum der Versprengtheit geworden war, der Träger einer großen moralischen Not. Der an soziale und politische Betätigung innerhalb des Wirtsvolkes durch die fortschreitende Assimilation gewohnte westliche Jude, gelangte zur Selbstbesinnung erst in dem Moment, in. welchem sich das geringe Verständnis des Wirtsvolkes für die Bedingungen seines Auslebens sich besonders stark offenbarten und die dadurch wieder stark in den Vordergrund geschobene Judenfrage starke Spannungen ergab. Ein Teil des westlichen Judentums, sowohl der, der eine ernsthafte Lösung der Judenfrage durch die Schaffung einer die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung eines erheblichen Teiles des jüdischen Volkes garantierenden Heimstätte versuchen wollte, wie auch diejenigen, die die Zerissenheit des Lebens im Galuth empfanden und zu einer Geschlossenheit strebten, vereinigten sich mit der vom Osten Europas nach Palästina gehenden Strömung, die der bewußten schöpferischen Gestaltung der spezifischen Eigenschaften im Dienste der internationalen Kulturbewegung gelten sollte. Der restliche Teil des westlichen Judentums zerfällt in zwei Teile. Bei dem ,einen hiervon ist die Assirnilation schon so weit vorgeschritten, daß er beginnt, sich völlig in das .Leben des Wirtsvolkes hineinzuverweben und sich bald nur noch der Herkunft nach von diesem wird unterscheiden. Der andere Teil aber, der blutsmäßig noch stärker reagiert, empfindet heute in der Zeit des Aufeinanderprallens nationaler Instinkte ■ die Tragik, mit zwei Schicksalsgemeinschaften (kulturell mit der des Wirtsvolkes, blutsmäßig mit der jüdischen) verbunden zu sein, ohne sich zu einer Entscheidung durchringen zu können. Wenn überhaupt ein Problem des jungen Juden besteht, so bestellt es nur für diesen letzten Teil des westlichen Judentums. Überall nimmt die Jugend die Imperative ihrer Gesellschaft auf und sofern diese mit ihrem Wunsch und Wollen übereinstimmen, wird sie der Bannerträger dieser Ideen. Es ist organisch, daß die Jugend empfangen wird mit einem bestimmten Ideenkomplex, dem sie, wenn sie in ihm eine würdige Aufgabe erblickt, zum Siege verhelfen wird. Aber unnatürlich u. den Keim des Zerfalls in sich bergend ist eine Jugend, die angesichts der größten Aufgabe, die es für sie geben kann, nämlich beizutragen an dem Werk, das alle guten Kräfte, die im jüdischen Volke frei werden wollen, lösen wird, die Hilfe versagt. Es ist für meine Begriffe unhaltbarer Standpunkt, die Entwicklung der Juden als Jude „mit Herzensinleresse 1

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