Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 24 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- Seite 474 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 24 4 74 übrigen Teilen der Well. Larin referierte ausführlich über die von der Regierungskommission für jüdische Landansiedlung (Komzet) bisher geleistete Arbeit, ebenso berichtete er ausführlich über die Tätigkeit der Ozet und anderer Gesellschaften für jüdische Kolonisation in Rußland und bemerkte, daß die amerikanisch-jüdische Landwirlschal tsgesellschaft Agro-Joint bis jetzt die größte Arbeit geleistet und die besten Resultate erzielt hat. Lr drückte die Hoffnung aus, daß die aus Amerika kommende Unterstützung noch weit größere Resultate in der Zukunft ermöglichen wird. Herr Larin wandte sich zum Schluß den politischen Bedingungen der jüdischen Kolonisation in Rußland zu und betonte, eine kompakte Ansiedlung von Juden auf dem Lande werde schließlich dazu führen, daß jüdische autonome Distrikte und Provinzen gebildet werden würden, die das Recht haben, eine ausgesprochene nationale jüdische Kultur zu pflegen. Die Ozet beschloß, einen Appell an die Welljudenheit zu richten und diese aufzufordern, die jüdische Landansiedlungsbewegung in der sowjetrussischen Union zu unterstützen. Der Meuchelmörder als Nationalheld In die Tricolore gehüllt. Bukarest (J.T.A.). Der Freispruch des Studenten C o d r e a n u , der den Jassyer Präfekten M a n c. i u meuchlings niedergeschossen hat, weil er die Juden vor Angriffen der antisemitischen Studentenschaft schützte, spielt sich unter folgenden Formen ab: Die Beratung der Geschworenen dauerte nur wenige Minuten. Als der Obmann unter den Worten: „Auf Ehre und Gewissen, im Angesichte Gottes und der Menschen“ das Verdikt verkündete, in welchem auf alle Fragen mit „Nein“ geantwortet wurde, brachen die Anwesenden in minutenlange Jubelrufe aus. Frauen und Mädchen überschütteten die Geschworenen und Richter mit einem Regen von Blumen. Der Vorsitzende erteilte den Auftrag, den Angeklagten herbeizuführen. Codreanu wurde von Studenten auf den Armen in den Saal gebracht. Fr war ganz in eine Tricolore eingehüllt. Bei seinem Erscheinen brach die Zuhörerschaft neuerdings in enthusiastischen Applaus aus. Der Staatsanwalt beantragte auf Grund des Geschworenenspruchs die 1 »risivechung Codreanus. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende das freisprechende Urteil. Codreanu wurde von Studenten emporgehoben und unter phrenetischen Rufen aus dem Saale getragen. Eine ungeheuere Menschenmenge zog vom Gerichtssaal in den Stadtpark, wo nationale Reden gehalten und Codreanu als Nationalheld gefeiert wurde. Sämtliche Verteidiger Codreanus ergingen sich in Schmähungen gegen die Judenheit und verlangten deren Entrechtung. Als letzter Verteidiger sprach Professor C u z a, der behauptete, daß die Juden an den höheren Schulen die absolute Majorität besitzen. Codreanu habe die nationale Tricolore TEIHACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärzti. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generatdepot: EDUARD KÜHLES # MÜNCHEN LEDERERSTRASSE 12 TELEPHON 20542 wieder zu Ehren gebracht, Codreanu sei ein zweiter Wilhelm Teil. Bevor sich die Geschworenen in Turn-Severin zur Beratung über die Schuldfragen zurückgezogen hatten, hielt der Obmann der Geschworenen im ersten Codreanu-Prozeß, der in Focsani stattfand, die folgende Ansprache: Von den früheren Geschworenen, welche über diesen Prozeß zu urteilen hatten, bin ich beauftragt worden, den Geschworenen von Turn-Severin einen christlichen Gruß zu überbringen. Ich teile Ihnen mit, daß heute in allen Kirchen des Putnaer Bezirkes Gebete für die Befreiung unseres nationalen Helden Corneliu Codi eanu abgehalten werden. In Focsani bittet die Bevölkerung den Allmächtigen auf den Knien, er möge die Richter Codreanus erleuchten, daß sie diesen Helden freisprechen. Wir zweifein nicht, daß die Geschwornen unserem Volke seinen Helden wiedergeben werden. Berlin (J.T.A.). Das „Berliner Tageblatt“ bringt die folgende, Bukarest ß. Juni datierte Depesche: Der Freispruch des Präfektenmörders Codreanu beginnt sich auszuwirken. Nationalistische Studenten begnügen sich nicht mehr mit Demonstrationen, sondern gehen zur Tat über. So wurden gestern aus einem fahrenden Zug zwei jüdische Mädchen geschleudert, von denen eine lebensgefährlich verletzt wurde. Einem alten Juden wurde nach fürchterlicher Mißhandlung der Bart ausgerissen, ein jüdischer Unteroffizier, der dem Bedrohten helfen wollte, wurde mißhandelt und ihm die Epauletten abgerissen. Der unerhörte Vorfall dürfte die Kammer beschäftigen. Hauptversammlung des Hllgemeinen Rabbinerverbandes In Deutschland Köln (J.T.A.). Am 2. und ß. Juni waren die deutschen Rabbiner in K ö 1 n versammelt, um wichtige Probleme der deutschen Judenheit, wissenschaftliche und Standesfragen zu besprechen. Die Stadt Köln, die im Zeichen der Jahrtausendfeier steht, beherbergt seit mehr als anderthalb Jahrtausenden eine blühende jüdische Gemeinde, die sich stets zu Deutschland bekannt hat. Dafür ist die Wahl Kölns als Tagungsort der religiösen Führer des deutschen Judentums ein neues Zeugnis. Die Tagung wurde vom Präsidenten des Rabbinerverbandes in Deutschland, Rabbiner Dr. Baeck- Berlin, geleitet. Er wies in seinen Eröffnungsworten aut die Rolle des Rheins in der deutschen und jüdischen Geschichte hin und begrüßte besonders die Rabbiner Ostpreußens und des Saargebietes. Für die Öffentlichkeit halte bereits am Dienstagabend ein Vortrag von Rabbiner S e 1 i g m a n n - Frankfurt a. M. über „Gottessucher im Judentum“ stallgetunden, in dem dargestellt wurde, wie auf den Wegen der Mystik, der Ethik und der Logik große Männer der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart Gott gesucht und gefunden haben. Auf der eigentlichen Tagung am Mittwoch wurden behandelt: von Rabbiner Wiener- Stettin „Jüdische und griechische Elemente in der Gotteslehre Maimunis“; von Rabbiner K o b e r - Köln „Aus dem Geistesleben des rheinischens Judentums“; von Rabbiner Horowitz - Frankfurt a. M. und Rabbiner L e v y - Mainz „Der Rabbiner und die soziale Arbeit“. Die Versammlung faßte folgende Entschließung: Der Allgemeine Rabbinerverband in Deutschland