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Das jüdische Echo · 1925-06-12 · 24 (12.6.1925) · p. Seite 471

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
24 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
Seite 471 (sequence 7)
Language
German
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>4 Nr. 24 Das Jüdische Echo 471 Michel und Barmat aus denselben Ursachen, die jetzt dem Stinnes-Erbe den Untergang bereiten, zusammenbrachen, waren es gerade diese Kreise, welche in ihrer von Stinnes erhaltenen Presse pathetische Worte über jüdisches Raffertum, über jüdische Ausbeutung des deutschen Volkes durch Schaffung solcher Gebilde ertönen ließen. Sie setzten ein förmliches Kesseltreiben gegen die Juden Barmat und Michel als Inflationsgewinner in Szene, suchten unermüdlich neuen Anklagestoff herbeizuschaffen und ließen in zwei Parlamentsausschüssen die Komödie einer „Reinigung des öffentlichen Lebens“ vom verbrecherischen jüdischen Wirtschaftseinfluß aufführen. Im Laufe dieses „Reinigungsverfahrens“ aber hat es sich herausgestellt, daß die Entrüstung über die angeblichen jüdischen Inflationsgewinner gemacht und dazu noch schlecht gespielt war, da peinliche „Rückstrahlungen“ aufgedeckt wurden. Aber all das nahm den Stinnes-Zeitungen nicht den Mut, bei jeder Gelegenheit die Hetze weiterzuführen. Sie hatten es direkt auf die Erzeugung von Pogromstimmung aus wirtschaftlichen Motiven abgesehen. Nun widerfährt ihrem arisch-germanischen Wirtschaftsgebilde dasselbe Malheur. Das große Stinnesgebäude muß denselben Weg gehen, den die kleinen Zwerggebilde eines Michel und Barmat eingeschlagen haben. Während noch vor kurzem der Reichsbank zum Vorwurf gemacht wurde, daß diese halboffizielle Bank Inflationsgebilden Mittel zur Verfügung gestellt hat — im Verlaufe dieser Hetze wurde der frühere Leiter der Postsparkasse, Reichspostminister Hoefle, in den Tod getrieben —, wird jetzt von den Nachfolgern Stinnes die Reichsbank um Hilfe angerufen; diese ist so vorsichtig, nur bei Zusicherung eines Giros der übrigen Großbanken ihre Mithilfe zu versprechen. Ob die deutschen Antisemiten aus diesen Vorgängen die richtigen Konsequenzen ziehen werden? Vielleicht wäre dies der Fall, wenn bei ihnen die richtige Erkenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse vorhanden wäre. Doch Deutschlands Antisemiten haben nie durch Wissen, geichw£lge denn durch Wirtschaftskenntnis geglänzt. Mit antisemitischen Schlagworten läßt sich keine Wirtschaft aufbauen, wie es gerade für Deutschland nötig wäre. Um diesen Wiederaufbau hat nicht das Judentum, aber die Stinnes - Wirtschaft Deutschland für lange Zeit betrogen. -g. Die Juden in Polen Als Fortsetzung und Schluß der in der letzten Nummer begonnenen Ausführungen des bekannten Schriftstellers und Dichters Schalom A s c h veröffentlichen wir noch den folgenden Abschnitt, der, obwohl wir nicht in allen Punkten mit dem Verfasser gleicher Meinung sind, doch wertvolle, zum Nachdenken anregende Gedanken enthält. Wie lange muß ein Volk auf einem Boden sitzen, um berechtigt zu sein, seine Söhne Kinder dieses Bodens zu nennen und auf diesem Boden zu leben? Tausend Jahre ist, denke ich, ein ausreichender Termin. Die Juden Polens müssen sich als ganz gleichberechtigte Bürger fühlen, auf diesem Boden haben sie das bißchen Glück zu suchen, das dem Menschen in seinem ärmlichen Lehen beschieden ist, Glück für sich und Hoffnung für ihre Kinder. Es gibt unter uns Menschen, die diese ganze Last hinter sich geworfen haben: „Was gehl mich das Galuth an, in Erez Israel werden alle Fragen beantwortet, alle Unklarheiten gelöst werden, und das sind gerade die Männer, die sich das Aufleben der Juden zur Aufgabe gemacht haben, die Zioniste n. Ihnen muß man sagen: Erez Israel, so sehr es die Sehnsucht nach uns, seinem Blute, in sich trägt, kann nicht das Heim unser aller, des ganzen Judenvolkes, werden. Einer von tausend, „zwei aus einer Familie“ können allein das Glück haben auf jenem heiligen Boden zu leben. Damit aber, daß einem-von uns dieses Glück vergönnt sein wird, ist die Frage der Gesamtheit nicht gelöst. Ganz genau so aber, wie die, die in Erez Israel leben, hat die große jüdische Masse das Recht und die Pflicht, sich jüdisch auszuleben, wie sie es gewöhnt ist und wie sie es. nur kann in den Ländern, in denen sie zurückbleibt. Das müssen gerade die wissen, die in der ganzen Erez- Israel-Idee führend sind, die Zionisten. Ein ganzes Volk kann nicht in ein Rohmaterial verwandelt werden, aus dem mit der Zeit ein einziger erstehen so 11, der sich ganz in Erez Israel ausleben wird, Es muß nochmals betont werden, Eiez Israel ist nicht geschaffen, das jüdische Lehen in der Galulh zu zerstören, im Gegenteil, es zu verstärk e n. Erez Israel muß die Krone unserer Wiedererslehung sein und die, welche sagen, wir seien T^buThallmaier München Theaänevür.lö. T/sine 5las er!j5bnzeüanjQ.

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