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Das jüdische Echo · 1925-06-12 · 24 (12.6.1925) · p. Seite 470

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
24 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
Seite 470 (sequence 6)
Language
German
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470 Das Jüdische Echo Nr. 24 seien stets von den kleinen Nationen gekommen Die Verfolgungen hätten die Juden sehr mächtig gemacht lind sie zum feinsten Stahl gehämmert, der niemals zerbrochen werden könne. Die Alliierten waren daher überzeugt, daß ihnen die Sympathien der Juden großen Nutzen bringen würden. Speziell Dr. W e i z m a n n , von dem er zum Zionismus bekehrt wurde, schulde er tiefe Dankbarkeit. Als er Munilionsminister war, batte England auf diesem Gebiete eine höchst ernste Krise durchzumachen. Damals habe Dr. Weizmann zu den Männern gehört, die aus der Not halfen, und wir waren uns unserer großen Dankbarkeit für ihn bewußt. Als man Weizmann fragte, was man für ihn tun könne, erklärte er: „Alles, w a s S i e tun können, ist, d a ß Sie m eine m Volke helfen!“ Man hat ihn mit Ehrungen und Geld überhäufen wollen, er aber verlangte nichts als die Erlaubnis, die Sache seines Volkes vertreten zu dürfen, um ihm die Heimat in dem Lande wiederaufzubauen, das für ewig durch seine Literatur berühmt ist. Niemand hätte auf die andersgläubige Welt einen so großen Eindruck gemacht wie Weizman. Lloyd George führte dann des weiteren aus, welchen Einfluß Weizmann auf den Plan der Eroberung Palästinas ausgeübt habe, und kommt dann auf die Araberfrage zu sprechen. Es gebe in England Menschen jeder Rasse, und es sei einer der Vorzüge des britischen Reiches, daß es nicht ein englisches Reich sei. Palästina würde nicht nur von Juden bewohnt sein. Jeder, der bereit sei, Seite an Seite mit den Juden zu arbeiten, sei willkommen. Eine Enteignungspolitik würde den Juden nur Schwierigkeiten bereiten. ln Lande, das der Heiligen Schrift zufolge einst 5 Millionen Einwohner batte, gebe es nur etwa (>00 000 Araber. Wenn 5 Millionen vielleicht auch eine zu große Bevölkerung für ein so kleines Land wäre, so gebe es dort immerhin noch sehr viel Platz. Die Araber sollen weiter in ihrem Lande leben, aber es liege nicht der geringste G r u n d f ii r die F e r n h a 1 t u n g der J u - d e n vor, die es wiederum in ein Land, wo Milch und Honig fließt, verwandeln wollen. Die Juden könnten vollstes Vertrauen zu dem Versprechen Großbritanniens haben. Britische Unterschriften genießen allgemeine Anerkennung. Man habe Belgien einen Vertrag unterzeichnet und ihn eingehalten, und auch unter der Balfour-Deklaration steht der Name Großbritanniens, und dieses s t e b t treu zu seinen Verpflicht ung e n. Chief-Rabbi Dr. Herz und Dr. W e i z m a n n sprachen Lloyd George den Dank aus. Weizmann erklärte, die Geschichte dessen, was Lloyd George für die Juden getan hat, sei noch nicht abgeschlossen. Der Dank für seine Taten werde in Palästina durch die Arbeit geleistet. In jeder Hütte und jeder kleinen Kolonie, in jedem Baum und in jeder Anstrengung, das Land der Bibel wiederherzustellen, drücke sich diese Dankbarkeit aus. Wir seien weit davon entfernt, unsere Heimstätte auf Kosten ■anderer aufbauen zu wollen. Wir hätten zuviel an TeNtilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.G. München / Frankfurt^' / Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 EauptgeschäftDachauerstr.9.lllustr. Katalog gratis u. franko uns verübte Ungerechtigkeiten erlitten, um dies zu wünschen. Aber zwischen uns und den Arabern stehen andere Mächte, dunkle Gewalten, die weder uns noch die Araber etwas angehen, und die im Trüben fischen möchten. Wenn man uns allein ließe, würden wir einander als alte Stammesbrüder erkennen, die in der Vergangenheit viel für die Zivilisation geleistet haben. Er hoffe, daß Lloyd George uns mithelfen werde, den Weg zur freundschaftlichen Zusammenarbeit mit den Arabern zu finden, einen Weg, der nicht nur zum Aufbau Palästinas, sondern auch zum Wohle aller Länder des Ostens führen werde. Die „Reinigung“ Die „Wiener Morgen zeitung“ vom 6. Juni schreibt unter obigem Titel folgendes: Durch das Communique, welches in dieser Woche versandt wurde und das von einer Stützungsaktion der deutschen Banken unter Führung der Reichsbank für den Stinnes-Konzern zu melden wußte, ist offenbar geworden, daß sich dieser Konzern in großen Schwierigkeiten befindet. Zwar ist das Communique äußerst vorsichtig gefaßt, es spricht nur von einer straffen Zusammenfassung der Geschäfte des Konzerns und ähnlichen geschäftlichen Maßnahmen. Tatsächlich aber hat man den Eindruck, als würde es sich um eine ähnliche Verlautbarung handeln, wie man sie gerade vor einem Jahre über die Aktion der Wiener Banken für die Depositenbank lesen konnte. Bekanntlich haben damals die Ereignisse im weiteren Verlaufe zum Zusammenbruch der Depositenbank geführt; gerade in diesen Tagen wird im Gerichtssaal das ganze Kapitel der traurigen Geschichte dieses Communiques behandelt. Beim Stinnes- Konzern handelt es sich um ein Wirtschaftsgebilde von weit gewaltigerem Umfang. Wenn die Wiener Banken der Depositenbank nur 75—100 Milliarden Kronen zur Verfügung zu stellen bereit waren, so wollen jetzt die Berliner Banken dem Stinnes- Konzern 100 Millionen Mark leihen. Die Analogie geht fast bis in die Details. Der Schluß ist naheliegend. In verklausulierten Worten, die zweifellos der Beruhigung der deutschen Wirtschaft und des Auslandes dienen sollen, wird der Zusammenbruch dieses gewaltigsten deutschen Inflationsgebildes, der Erbschaft von Hugo Stinnes, zum Ausruck gebracht. Über das weitere Schicksal des Stinnes-Trusts läßt sich vorläufig kein festes- Urteil abgeben. Zweifellos war er in seinem innersten Kern sehr faul, ein Machtgebilde, dem das solide Fundament fehlte. Nun beginnt dieser tönerne Koloß denselben Weg zu gehen, den alle ähnlichen Inflationsgebilde in der letzten Zeit eingeschlagen haben, den Weg, der fast immer mit ihrem vollkommenen Verschwinden endete. An diese Wirtschaftserscheinung hat man sich in den letzten Jahren nachgerade bereits gewöhnt, sie in vielen Fällen sogar mit Bestimmtheit erwartet. Beim Stinnes-Konzern aber ist ein anderer Umstand bemerkenswert. Das Stinnes-Gebilde wurde von den deutschen Nationalisten radikal-antisemitischer Richtung förmlich als ihr wirtschaftliches Symbol hingestellt. Der . Stinnes-Konzern repräsentierte denjenigen Zweig der deutschen Schwerindustrie, welcher dieser Richtung ununterbrochen ungeheure Mittel zur Verfügung stellte. Diese antisemitischen Kreise haben die üblen Erscheinungen der Inflation unaufhörlich dem Judentum angekreidet. Als die Konzerngebilde

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