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Das jüdische Echo · 1925-06-05 · 23 (5.6.1925) · p. Seite 456

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
23 (5.6.1925)
Date
1925-06-05
Page
Seite 456 (sequence 16)
Language
German
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456 Das Jüdische Echo Nr. 25 und der Kronprinzessin Juliana der Stadt Amsterdam den jährlichen traditionellen Besuch ab. Im Gegensatz zu früheren Jahren wurde das Programm der Besuche und der Rundfahrten durch die Stadt nicht mehr so streng innegehalten; der traditionelle Besuch im Judenviertel Amsterdams wurde aber nicht versäumt. Die königliche Familie wurde von der Amsterdamer Judenheit mit großem Enthusiasmus empfangen, die in den Straßen des Judenviertels zahlreich versammelten jüdischen Einwohner bereiteten den hohen Gästen stürmische Ovationen. Die königliche Familie besuchte diesmal nicht allein das alte Ghetto Amsterdams, sondern auch das neue Judenviertel, die Vorstadt Watergraafsmeer, wo der Empfang ebenfalls ein sehr herzlicher war. Während ihres Amsterdamer Besuches empfing Königin Wilhelmine das Präsidium des Vereins „Jüdisches Invaldenheim“ und erkundigte sich nach dem Stande der Arbeiten für den Neubau des Instituts. Die Königin drückte hierbei den Wunsch aus, das neue Gebäude des Instituts persönlich zu eröffnen. Die antisemitische Herrschaft im Budapester Stadtparlament gebrochen Budapest (J.T.A.). Der Ausgang der Wahlen zum Stadtparlament bedeutet den Bruch der reaktionären antisemitischen Mehrheit, die seit etwa sechs Jahren in Budapest unumschränkt geherrscht hat. Von den 250 Munizipalratsmandaten entfielen 128 auf die vereinigten Demokraten und Sozialisten, 91 auf die Erwachenden Ungarn, 23 auf die gemäßigte Ripka-Partei, 8 auf die Liberalen. Der getaufte Jude Emmerich Remenyi wurde am 22. Mai unter dem Verdachte, dem Regierungskommissar R i p k a eine Höllenmaschine in die Wohnung geschickt zu haben, verhaftet. Remenyi hatte schon im Jahre 1923 auf einem Ball des Israelitischen Frauenvereins in Dunapentele Revolverschüsse gegen das Publikum abgegeben, weil der Zigeunerprimas sich weigerte, ein antisemitisches Hetzlied zu spielen. Obwohl zwei Personen schwer verletzt wurden, kam er mit einer Geldstrafe davon. Eine jüdische Poliklinik in Budapest Budapest (J.T.A.). Am Sonntag, den 25. Mai, fand in Budapest die Eröffnung der vom Ehepaar A1 a d a r und Josefa K a s z a b gestifteten jüdischen Poliklinik statt. Es ist das die erste jüdische Poliklinik der Welt. Das Ambulatorium derselben kann jährlich etwa 100 000 ambulante Kranke behandeln und überdies 60—70 jüdischen Ärzten die Möglichkeit geben, unter der Leitung anerkannter Professoren ihre Studien zu vervollständigen. Die jüdische Poliklinik, die 40 Säle umfaßt, wurde vom Ehepaar Kaszab gewissermaßen als Protest gegen die Vertreibung der Juden aus dem medizinischen Hochschulstudium und von den Lehrkanzeln ins Leben gerufen. Eine den Stiftern Aladar und Kaszab nahestehende Persönlichkeit erklärte dem Korrespondenten der „Wiener Morgenzeitung“, daß durch die Eröffnug der jüdischen Poliklinik die Idee der Errichtung einer jüdischen Universität in Budapest der Verwirklichung nähergerückt erscheint. Die Budapester jüdische Gemeinde verfügt jetzt über vollwertige jüdische Volksschulen, Gymnasien und mehrere vorzüglich geleitete große jüdische Krankenhäuser, an die sich nunmehr auch die durchaus modern ausgestattete jüdische Poliklinik reiht. Ein jüdisches Kriegerdenkmal in der Hauptstadt Tirols Wien (J.T.A.). In Innsbruck wurde am letzten Sonntag unter Teilnahme der Zivil- und Militärbehörden das von der Chevra Kadischa errichtete Denkmal für die im Kriege gefallenen und in Innsbruck beerdigten jüdischen Soldaten feierlich enthüllt. Rabbiner Dr. Link wies in seiner Gedenkrede darauf hin, daß die in Innsbruck beerdigten 62 jüdischen Soldaten mit der gleichen Hingabe ihrer Pflicht genügten, wie die übrigen 98 000 gefallenen jüdischen Soldaten der österreichischen Armee. Generaloberst Viktor D a n k 1 war durch einen Offizier vertreten, der in schlichten Worten den .Dank an die Toten abstattete. Plan eines jüdischen Kriegerdenkmals für die 98 000 Gefallenen in Wien. Wien (J.T.A.). Wie die „Wiener Morgenzeitung“ mitteilt, besteht der Plan, den im Kriege gefallenen 98 000 jüdischen Soldaten aus Österreich einen Gedenkstein zu errichten. Der Denkstein soll auf dem Wiener jüdischen Friedhofe aufgestellt wrden. Der alte jüdische Friedhof in Minsk in einen Park verwandelt Riga (J.T.A.). Der denkwürdige alte jüdische Friedhof in Minsk wurde in einen Stadtpark verwandelt. Sämtliche Grabmäler wurden entfernt und der Platz umgegraben. Große Empörung rief es unter der jüdischen Bevölkerung hervor, als die Behörde daran ging, das Grabmal des berühmten G a o n und Kabbalisten, des Verfassers des Werkes „Seder Hadoroth“ abzubauen. Eine Abordnung der jüdischen Bürger von Minsk begab sich zur Regierung und setzte es durch, daß das Grabmal des Gaon als einzige auf dem ganzen Friedhofe nicht entfernt werde. Eine bemerkenswerte Rede Lärms über die Judenpolitik in Rußland. Moskau (J.T.A.). Das Mitglied des Zentralexekutivkomitees der Sowjets, L a r i n , der seit dem Tode Lenins als die wichtigste Figur im jetzigen Rußland betrachtet wird, hielt am 20. Mai auf der allrussischen Konferenz der Sowjets eine Rede über die Politik gegenüber den Volksminderheiten, die großes Aufsehen erregt hat. Er kritisierte scharf die national-autonomen Republiken innerhalb der Sowjetunion, die die nationalen Minderheiten in ihrem "Bereiche ungerecht behandeln. Er führte u. a. die folgenden Tatsachen an: In den Dörfern Weißrußlands macht die jüdische Bevölkerung 7,12 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, in den lokalen Sowjets sind die Juden aber nur im Verhältnis von 3,7 Prozent vertreten. In der Ukraine ist die jüdische Vertretung, in den Sowjets nur ein Drittel so groß als sie sein müßte. Besonders griff Larin die Krim-Regierung an, die in mißverständlicher Deutung des Kolonisationsplanes der Zentralregierung den jüdischen Kolonisten verbietet, ihre Familienangehörigen aufs Land zu bringen, wenn diese nicht gleich ihnen schon am 4. März sich auf dem neuen Boden eingefunden haben. In Podobianka, Distrikt Hornel, verboten die lokalen Behörden während der Pressewoche Subskription auf die jüdisch-kommunistische Tageszeitung „Emes“ und entfernten aus der Ortsbibliothek in jiddischer Sprache gedruckte Exemplare des kommunistischen Pro-

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