Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 455 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 455 Tage vorher hier abgehalten worden war. Große Propaganda war gemacht worden, aber die Hauptteilnehmer waren Studenten der hiesigen Handelshochschule und Mittelschüler, die in Hitleruniformen nur aufreizend wirkten und so tatsächlich eine Schlägerei herbeiführten, wobei es, wie üblich, nicht sehr glimpflich zuging, sodaß es auch hier einige Verletzte gab. Prof. Max Wundt über die Verjudung der deutschen Staatslehre Berlin (J.T.A.). Die Gesellschaft „Deutscher Staat“ veranstaltete kürzlich in Weimar eine Zusammenkunft, in der der völkische Gelehrte Prof. Max Wundt-Jena, ein Sohn des verstorbenen berühmten Philosophen Wilhelm Wundt, über „Politik und Wissenschaft“ sprach. Er führte aus, es könne doch kein Zufall sein, daß die meisten Mitglieder der Regierung Kurt Eisners in Bayern dem Seminar eines Heidelberger Professors entstammten! Vor dem Krieg war die politische Wissenschaft demokratisch-jüdisch eingestellt — die maßgebenden politischen Anschauungen wurden aus der Staatslehre des tschechischen Juden Jellinek bezogen. Das Judentum riß die geistige Führung an sich, die politische: Demokratie und Sozialismus waren beide in ihrem Wesen vollkommen undeutsch. Es muß eine deutsche Staatsauffassung geschaffen und verbreitet werden. Die deutschvölkische Fraktion des Thüringer Landtags verlangt Untersuchung der Rassenzugehörigkeit Die deutschvölkische Fraktion hat im Thüringer Landtag eine Anfrage folgenden Wortlauts an die Regierung gerichtet: „Bei der täglich wachsenden Not des deutschen Yolkes wirkt es erdrückend, die täglich steigende Überfremdung durch Polen, Ostjuden, Japaner, Neger und andere Fremdrassige beobachten zu müssen, die doch alle helfen, den Raum für unser Volk zu verkleinern und die Lebenshaltung herabzudrücken. Wir fragen daher die Regierung, ob sie gewillt ist, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß bei der bevorstehenden Volkszählung die Frage nach der Rassenzugehörigkeit gestellt werde, damit auf Grund der Bevölkerungsstatistik gesetzgeberische Maßnahmen zur Verminderung der Überfremdung ergriffen werden können.“ (J. Z.) Ein Boykottbeschluß der Ortsgruppe Klagenfurt des Nationalverbandes deutscher Offiziere Wie das „Deutsche Tageblatt“ (Nr. 120 vom 24. 5.) berichtet, beschloß die Ortsgruppe Klagenfurt des Nationalverbandes deutscher Offiziere, jedes Mitglied durch Handschlag zur Befolgung folgender drei Gebote zu verpflichten: „1. Du darfst deine Einkäufe nur bei arischen Geschäftsleuten besorgen; 2. du darfst dein Geld nur in arischen Geldinstituten einlegen; 3. du darfst nur deutscharische Zeitungen geldlich unterstütze n.“ Ein Leipziger Richter, der das Ritualmordmärchen verbreitet. Die Zeitschrift „Der Drach e“ veröffentlichte vor einiger Zeit ein Dokument, demzufolge der Leipziger Landgerichtsrat Schnauder sich folgendermaßen geäußert hat: „Die Juden seien unser Untergang, außerdem habe er Angst um seine Kinder, da Juden doch bekanntlich Kinder morden, vor allen Dingen haben sie es auf blonde Kinder mit blauen Augen abgesehen.“ Auf eine Beschwerde durch die Leipziger Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erging nachfolgender Bescheid seitens des sächsischen Justizministeriums: „Landgerichtsrat Schnauder ist zu dem von Ihnen erwähnten Artikel in der Wochenschrift „Der Drache“ gehört worden. Nach seiner Auslassung erscheint zwar das fragliche Gespräch in der Erklärung der Frau Glück nicht ganz richtig wiedergegeben. Es trifft aber zu, daß Landgerichtsrat Schnauder der Frau Glück gegenüber eine Äußerung getan hat, die einen, für das Judentum verletzenden, haltlosen Verdacht ausdrückt. Wenn es sich dabei auch um ein privates Zwiegespräch unter vier Augen handelte, so bedauert doch das Justizministerium das Vorkommnis sehr und hat dies dem Landgerichtsrat Schnauder zu erkennen gegeben.“ Rabbiner Felix Blum gestorben Paris (J.T.A.). Nach einer Meldung aus Straßburg verschied dort im Alter von 78 Jahren der frühere Rabbiner von Mülhausen, Rabbi Felix Blum. Der Verstorbene, der in der rabbinischen Welt einen Ruf als Gelehrter genoß, wurde durch seine Abhandlung „Le grand Sanhedrin“ bekannt. Er war in Bischheim geboren, wurde später einer der besten Schüler der E c o 1 o R abbin i q u e in Paris, bekleidete sein erstes Rabbineramt in Fegers heim, kam dann nach Phalsburg, von wo er nach Mülhausen berufen wurde. Vor etwa vier Jahren schied er aus Altersrücksichten aus seinem Amt und verlebte seine letzten Jahre in Straßburg. Eine jüdische Abteilung auf der Deutschen hygienischen Ausstellung Berlin (J.T.A.). Der Einladung deutsch-jüdischer medizinischer Kreise folgend, wird der Zentralverband für jüdischen Gesundheitsschutz „Ose“ an der Organisierung einer jüdischen medizinischen Abteilung bei der Deutschen hygienischen Ausstellung, die im Jahre 1926 in Düsseldorf stattfinden wird, teilnehmen. Die Düsseldorfer Ausstellung, die während der Konferenz deutscher Ärzte und Naturforscher eröffnet werden wird, besteht aus drei Teilen: Gesundheitsschutz, soziale Fürsorge und Medizin. Dem jüdischen Teil der Ausstellung wird ein spezieller Pavillon reserviert werden. Die Mittel werden durch die Bne Brith-Logen, jüdische Gelehrte und den Verband „Ose“ aufgebracht werden. Eine Landesorganisation „Ose“ in Deutschland Berlin (J.T.A.). Eine Gruppe angesehener jüdischer Mediziner Berlins erläßt einen Aufruf an die jüdische Ärzteschaft in Deutschland, einer deutschen Landesorganisation des Weltverbandes für jüdischen Gesundheitsschutz „O s e“ beizutreten. Ünterzeichnet ist der Aufruf u. a. von den Professoren M. Bielschowsky, Karl Lewin, Zitron, H. Strauß, Schuster, Tobi Cohn, Glaser, Zondek, Richter, Rosenstein, Pinschower, Pollak, Rosin, Seligmann, Frau Prof. Lydis Rabinowitsch und Dr. Felix Theilhaber. Die holländische Königin im Amsterdamer Judenviertel Haag (J.T.A.). Königin W i 1 h e 1 m i n a stattete dieser Tage in Begleitung des Prinz Gemahls