Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 452 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Das Jüdische Echo Nr. 23 Zur Vorführung des neuen Palästinafilms in München Wir bringen im Folgenden einige deutsche Zeitungsstimmen über den neuen Palästinafilm, der in dieser Woche in Münchener Lichtspieltheatern (siehe die besondere Anzeige) aufgeführt wird. „Z. B. am Mittag“: Das Berliner Komitee des Keren Hajessod hatte Donnerstag die Presse und die Behörden zu einem Tee im Hotel Adlon gebeten, um die neuesten Filmaufnahmen aus Palästina vorzuführen. Die zahlreichen Besucher wurden durch eine Ansprache des hiesigen Vorsitzenden, Generalkonsul Landau, mit dem Zweck der Filme vertraut gemacht und darauf hingewiesen, daß es sich hier um den großzügigsten Versuch einer Kolonisierung in der Neuzeit handle, die, abweichend von allen früheren Kolonisationen, nicht von einem Mutterland getragen sei. Um so erstaunlicher wirkten auf die mit den Verhältnissen des Orients nicht Vertrauten fast aber noch mehr auf die Kenner des Orients aus der Vorkriegszeit die städtebaulichen, landwirtschaftlichen, industriellen und kulturellen Neuerungen, die sich in gut gelungenen Filmaufnahmen im Wechsel mit uraltheiligen Städten vor dem Beschauer abrollten. Auch die zahlreichen Gäste, die den hier angestrebten Zielen fernstehen, oder, wie ein großer Teil der deutschen Juden, ablehnend gegenüberstehen, konnten sich dem Eindruck nicht \ erschließen, daß die Entwicklung Palästinas als einer jüdischen Heimstättte erstaunliche Fortschritte gemacht hat. „Germania“: Es ist erstaunlich, was zähe Siedlungstätigkeit im Verlaufe von 15 Jahren aus dem heruntergewirtschafteten Gebiete gemacht haben. Und die bildlichen Darlegungen zeigten, was aus dem friedlichen Erschluß des Landes noch wirtschaftlich und auch kulturell zu erwarten ist. „Die Welt am Montag“: Der Film zeigt die bewunderungswürdige Kulturarbeit jüdischer Zivilisation, das jugendlich stürmische Aufbauwerk einer neuen Zivilisation. Der Film ist ein Tendenzfilm im guten Sinne, ein Aufklärungs- und Kulturfilm. Wir wandern durch die großartige Schönheit des ewig alten Palästina, durch die baumlose Einsamkeit des Sinai, an zerstörten Überresten verschiedenartigster Kulturen yorbei, die im Laufe der Jahrhunderte aufgeblüht und versunken sind. Wir sehen, wie die Araber noch heute mit den primitivsten Hilfsmitteln, die seit Jahrtausenden scheinbar nicht ersetzt worden sind, die Erträgnisse des Landes auszunutzen sich bemühen, und wir sehen mit Erstaunen das Kolonisationswunder des neuen Palästina, die Entsumpfung und Produktivierung in den landwirtschaftlichen Kolonien, das wirbelnde Tempo, in dem neue Städte entstehen. Die rein jüdische Stadt Tel-Awiw, die vor 16 Jahren noch nicht bestanden hat, zählte heute bereits 30 00Ü Einwohner. Das Bewundernswerteste an dem Film sind die Menschen, die er uns zeigt. Hier werden intellektuelle Juden, Studenten, Söhne reichster Eltern und ärmste Proletarierkinder zu einem Volk vön Arbeitern. Die Landstraßen, die Eisenbahnen, die städtischen Siedlungen, die landwirtschaftlichen Kolonien, die großen Elektrizitätswerke, in denen das Gefälle des Jordans ausgenutzt wird, um das ganze Land mit Strom zu versorgen, der Wein- und Orangenbau, die Tabakplantagen sind das Werk von Juden, die mit ihrer Hände Arbeit die wertvolle Kulturarbeit in sorglichem Gedenken für ihre geknecheten Brüder leisten. Palästina-Film in München Donnerstag, 4. Juni 8 Uhr abends in den Sonntag, 7. Juni 9Uhr u. 11 Uhr vorm, in den Franziskaner-Lichtspielen Zach-Lichtspielen Ecke Franziskaner- und Rablstraße (Linien 1,11 u. 12) am Wittelsbacherplatz Karten im Vorverkauf: Ewer-Buchhandlung und Büro der Zionistischen Ortsgruppe Ottostraße 2; Orljansky, Neuhauserstraße 29; Restaurant Schwarz, Schlosserstraße 2; Restaurant Weiß, Herzog Wilhelmstraße 29 Vom Keren Hajessod in Hmerika Abschluß der New Yorker Keren Hajessod- Kampagne. — 733 000 Dollar aufgebracht. Die New Yorker KH-Kampagne wurde durch ein Gala-Bankett im Hotel Astor abgeschlossen mit Samuel Unter my er als Toastmeister. An dem Bankett nahmen über 1000 führende „Geber und Nehmer“ teil, denen die Aufbringung einer Rekordsumme von Doll. 733 000 zu verdanken ist. Außer Untermyer sprachen Rabbi Abba Hillel Silver aus Cleveland, Dr. Schmarjah Lewin und Morris A. Zeldin, der Organisator und Leiter der erfolgreichsten KH-Kampagne New Yorks seit Bestehen des Fonds im Jahre 1921. Untermyer führte in seiner Rede, nachdem er eine Schilderung der letzten Entwicklungen Palästinas und besonders der Eröffnung der Hebräischen Universität gegeben hatte, u. a. aus: „Unser Werk schreitet vorwärts. Nachdem wir einmal so weit sind, werden wir auch in der Zukunft nicht fehl gehen. Heute abend endet die 1925er Kampagne — und die Vorbereitung für die 1926er setzt ein. Einen Abbruch, eine Unterbrechung in unserem guten Werk darf und kann es nicht geben; die Notwendigkeit ist zu drängend, der Augenblick zu kostbar, der Preis zu herrlich, als daß man das alles verlieren dürfte durch vorzeitiges Kräftenachlassen, durch zu frühes Ausruhen auf unseren Lorbeeren. Wir werden nicht ruhen, eher werden wir uns zu noch größeren Anstrengungen anspornen, bis diese zweitausend Jahre alte Schuld getilgt ist.“