Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 451 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 451 Mandat nicht vorenthalten werden konnte. Nach einer längeren Debatte gelangte ein volksparteilich-liberaler Antrag Klee-Sonnenfeld zur Annahme, der dahin geht, die Wahl des Herrn Caspary vorläufig auszusetzen und in der ersten Sitzung der Landesversammlung einen Antrag zu stellen, die Zahl der Ratsmitglieder von 35 auf 37 zu erhöhen. Dadurch erhält die Berliner Gemeinde zwei weitere Mandate, von denen eines die Volkspartei, das andere die Mittelpartei bekommen soll. Wenn dieser Antrag, an dessen Annahme in der Landesversammlung nicht gezweifelt werden kann, durchgeführt sein wird, wird die Delegation der drei Berliner Vertreter durch die Gemeindevertretung erfolgen. K. Äntizionisten und Nichtzionisten für den Keren~Hajessod Vor kurzem hat in Breslau eine gut besuchte Versammlung des Keren Hajessod stattgefunden. Die Sitzung war von Justizrat W o 1 f f eröffnet worden. Justizrat Cahen, Mitglied des Präsidiums des Keren Hajessod, hielt einen Vortrag, in dem er ausführte, daß er — obwohl er den Zionismus ablehne — die Notwendigkeit einer gemeinsamen Aufbauarbeit in Palästina immer wieder propagieren müsse. Julius Berger, Generalsekretär des Keren Hajessod, wies darauf hin, daß es kein besseres Argument gegen den Antisemitismus gebe, als das Beispiel der jüdischen Arbeit in Palästina. Auch Justizrat W o 1 f f, der sich ausdrücklich als scharfen Gegner des Zionismus bekannte, wies einleitend und schließend auf die Pflicht des gesamten Judentums hin, sich dem Keren Hajessod anzuschließen und seine Bestrebungen zu fördern. Diese Äußerungen sind Symptome dafür, daß es auch im deutschen Judentum zu dämmern beginnt. Längst haben die Nationen der Welt die Bedeutung Palästinas erkannt. Die Eröffnung der Universität in Jerusalem hat das gezeigt. Längst erkannten auch die führenden Juden Deutschlands, daß es Pflicht sei, für Palästina einzutreten. Wenn Rabbiner Dr. Felix Goldmann den Aufbau Palästinas als eine „ewige religiöse Pflicht“ bezeichnet, so spricht er als der Führer des religiös-liberalen Judentums. Und was er in diesem Zusammenhang sagte, verdient auch heute noch Beachtung als das Wort eines Antizionisten: „Auf seiner letzten Tagung hat der Rabbinerverband in Deutschland sich einstimmig f ü r den Aufbau Palästinas ausgesprochen und hat damit eigentlich etwas selbstverständliches getan, da er von rein religiösen Empfindungen sich leiten ließ. Sind nun diese Hoffnungen und Wünsche gewiß auch unpolitischer Natur, so suchen sie doch nach einem praktischen Ausdruck, nach Verwirklichung. Jede religiöse Sehnsucht muß ja zur Phrase werden, wenn ihr nicht Taten folgen. Und da jede Gewähr gegeben wurde, daß der Keren Hajessod diesen unpolitischen Charakter erhielt, ist er das gegebene Mittel, um eine religiöse Forderung zu neuem segensreichen Leben zu erwecken. Sollte noch irgend eine Befürchtung vorhanden sein, daß das Aufbauwerk in national-jüdisches Fahrwasser gelangen könnte, so gibt es kein besseres Mittel, um sie zu zerstreuen, als die Teilnahme der gesamten Judenheit in aller Welt. Eine von allen Juden einstimmig anerkannte und ausgeübte Pflicht kann nur jüdisch, ohne jeden Zusatz, sich auswirken. Große Kreise der Judenheit widmen sich heute bereits ohne Rüdesicht auf die Parteistellung dem Aufbau des heiligen Landes, und es ist zu wünschen, daß die allgemeine, freudige Mitarbeit das Werk gelingen lasse, das Hunderttausenden müder, gehetzter Glaubensgenossen Frieden und Glück, dem jüdischen Namen aber Ehre bringen wird.“ Wenn der Direktor der Deutschen Bank, Oskar Wassermann, für den Palästina-Aufbau eintritt und es als das „W erk der Renaissance des Judentums“ bezeichnet, so ist dieses Wort und dieser Aufruf zu werten als Einsicht eines führenden Kaufmanns und Wirtschaftlers. Daß bislang nicht die Masse der deutschen Juden ihren Führern folgte, das ist freilich ein Zeichen für ihre Uninteressiertheit und ihren Indifferentismus. Das wird nun endgültig anders werden. Schon bereitet sich ein großer Umschwung vor. Schon weiß man heute allenthalben, daß Palästina der einzige Ort für gemeinsame jüdische Arbeit ist. Und die gemeinsame, einige Arbeit aller Juden tut uns not! (Aus der Breslauer Ztg. für Ostdeutschland.) Keren Hajessod-Veranstaltung in Berlin Diplomaten und deutsche Politiker bei einer Vorführung des Palästinafilm. — Der Palästinafilm in der U.O.B.B.-Loge Das bekannte frühere volksparteiliche Mitglied des deutschen Reichstags, Frau v. O h e i m b, gab in ihrer Wohnung am Kurfürstendamm am Montag, den 25. Mai, einen Empfangsabend, auf dem vor gegen 200 prominenten Vertretern des diplomatischen, politischen und industriellen Berlins der neue Palästinafilm des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth zur Vorführung gelangte. Der Abend sollte diesem Kreise hervorragender politischer und wirtschaftlicher Persönlichkeiten in Wort und Film die Aufgaben und Ziele des Zionismus darlegen. Den einleitenden Vortrag hielt der Präsident des deutschen Keren Hajessod, Direktor Wassermann, der die Bestrebungen zum Aufbau Palästinas schilderte und u. a. betonte, daß die Juden den Beweis erbringen wollen, daß sie nicht nur ein Handelsvolk sind, sondern auch produktiv sein können. Detaillierte Mitteilungen über die mit dem Aufbau Palästinas zusammenhängenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen machte der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Kurt B1 u m e n f e 1 d. Unter den Erschienenen bemerkte man u. a. die englischen, italienischen und spanischen Botschafter, die dänischen, holländischen, österreichischen und schwedischen Gesandten, den preußischen Ministerpräsidenten Braun und Innenminister Severing, Reichswehrminister G e ß I e r, Landwirtschaftsminister Graf K a n i t z, Major v. Hindenburg wie auch zahlreiche Abgeordnete fast aller Parteien. Am selben Abend fand im Logenheim eine Aufführung des gleichen Films vor den Mitgliedern der Bert hold- Auerbach-Loge U.O. B.B, statt. Der Einladung waren so viele Gäste gefolgt, daß ein großer Teil nicht mehr Platz finden konnte. Den einleitenden Vortrag hielt Legationsrat Prof. Sobernheim. Film und Vortrag fanden ungeteilten Beifall. (Ziko.)