Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 446 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Das Jüdische Echo Nr. 23 Münchener Ortsgruppe des „Verbandes nationaldeutscher Juden“ einen Vortrag gehalten, in dem er nach dem Bericht der „Münchener Neuesten Nachrichten“ das Hauptziel des Na u m a n n-Verbandes folgendermaßen formulierte: „Allen Gegnern zum Trotz halte ich die Ansicht aufrecht, daß in allen Fragen, die das deutsche Vaterland betreffen, zu allererst die deutschen Gesichtspunkte maßgebend sein müssen. Man kann trotzdem ein treuer Anhänger seiner jüdischen Ke' ligion sein und bleiben und hat die Herkunft aus dem alten jüdischen Stamme als ein Schicksal zu empfinden, über das zu klagen kein Anlaß vorliegt, dessen man sich auch nicht großsprecherisch zu rühmen braucht.“ Die Formulierung des Ziels des Central- Vereins durch Ludwig Holländer in der letzten Nummer der C.-V.-Zeitung lautet: „Wenn wir... unseren klaren, unverrückbaren Standpunkt der innerlichen Zugehörigkeit zum deutschen Volk betont haben, wenn für uns die Arbeit für das deutsche Vaterland die Hauptforderung unseres Lebens ist (Sperungen wie im Original), und wenn wir erklären, daß wir neben dieser Hauptforderung in gleicher Weise alle Ansprüche, die uns Treue zu jüdischer Vergangenheit, jüdischem Glauben und Stamm vorschreiben, ohne weiteres erfüllen können, so glauben wir, diesen Unklarheiten und stark von ostjüdischem Einschlag, der eben ein anderer als der deutsche sein muß, getrübten Erscheinungsformen des heutigen deutschen Zionismus ein klares, wahres deutsches und jüdisches Programm entgegensetzen zu können. Bayerische Vereinsbank MÜNCHEN-NÜRNBERG Bid Kfssfhg, Schweinfur! yÜNCHE\ Entgegennahme von Festgeldern zu günstigsten Bedingungen Bei dieser Gleichartigkeit der Ziele wäre es in der Tat erstaunlich, wenn noch keine Fusion der beiden Bruderverbände erfolgt wäre. Denn was könnte noch die beiden Bruderverbände trennen, wenn das in der Tat das heutige C.-V.-Programm wäre, und welche Komödie würde der C.-V. mit der jüdischen Öffentlichkeit spielen, wenn er bei gewissen Gelegenheiten so großen Wert darauf legt, von Naumann und seiner Gruppe offiziell abzurücken. Wenn in der Tat das Programm des C.-V. mit dem des Naumann-Verbandes so ganz und gar identisch wäre, wie es nach den beiden zitierten Äußerungen erscheint, so fragte man mit Recht, welches da eigentlich noch die trennenden Grenzlinien wären. Da aber die Wirklichkeit zeigt, daß ein großer Teil der C.-V.-Mitglieder den Trennungsstrich fordert und da unseres Wissens Sanitätsrat Peyser die Ziele des national-deutschen Judenverbands richtig dargestellt hat, folgt mit Notwendigkeit, daß die Holländersche Formulierung heute nicht mehr die allgemeine Anerkennung der Centralvereins-Mitglieder findet, was ja auch daraus hervorgeht, daß der Verfasser gegen seine sonstige Gewohnheit seinen Artikel namentlich zeichnet. An dieser Feststellung ändert auch nichts die Tatsache, daß die C.-V.- Zeitung das fast ausschließliche Organ der Holländerschen, d. i. Nauman-Richt u n g. im Centralverein geworden ist, sodaß die Meinungen der anderen Richtung nur aus den mündlichen Diskussionen innerhalb der einzelnen Ortsgruppen hörbar werden. * * * Unter dem Titel: Journalistischer Anstand beim „Jüdischen Echo“ schreibt die C.-V.-Zeitung das Folgende: „Das Jüdische Echo“ brachte in seiner Nummer 13 eine Notiz, wonach in der Hamburger Repräsentantenversammlung vom 11. März 1925 die alljährlich bewilligte Subvention des Centralvereins von seiten der Gemeinde in Höhe von 2000 Mark für das Jahr 1925 gestrichen sei. Der Hamburger Gemeindevorstand hat sich hiermit nicht einverstanden erklärt und beim Repräsentantenkollegium die Subvention für das Jahr 1925 für den Centralverein in Höhe von 2000 Mark beantragt. In der daraufhin stattgehabten Sitzung des Repräsentantenkollegiums wurden die 2000 Mark mit einer Majorität von 11 gegen 6 Stimmen bewilligt, so daß ein übereinstimmender Beschluß der Hamburger Gemeindebehörden diese 2000 ^Mark betreffend vorliegt. Das „Jüdische Echo“ hat diese neueren Vorgänge seinen Lesern noch nicht mitgeteilt.“ Diese Ergänzung zur Subventionsangelegenheit des C.-V. in der Hamburger Jüdischen Gemeinde ist nicht etwa von uns absichtlich unterschlagen worden, wie das C.-V.-Blatt anständigerweise annimmt, sondern uns einfach entgangen, falls sie in anderen Blättern gebracht war. Jedenfalls aber glauben wir, daß es noch eine andere Form gibt, selbst gegnerische Redaktionen auf Übersehenes aufmerksam zu machen. Wir hätten den gereizten Ton der Überschrift verstanden, wenn wir, auf die Revision des Beschlusses aufmerksam gemacht, ihre Veröffentlichung verweigert hätten. So kann man füglich noch im Zweifel sein, auf welcher Seite mehr gegen den journalistischen Anstand geltend gemacht werden kann. M. M.