Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 445 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 25 Das Jüdische Echo 445 druck der Kongreßmajorität. Erforderlich ist ferner eine Verlegung des Schwerpunktes der Exekutive nach Palästina, wobei der die Politik leitende Teil der Exekutive in London bleibt. Zur Durchführung der organisatorischen und propagandistischen Aufgaben sind Vertretungen der Exekutive in Amerika und Europa erforderlich. IV. Der Aufbau Palästinas. Das Problem der Gestaltung des Aufbaues Palästinas muß eine der zentralen Fragen des Kongresses sein. Die Entwicklung der Immigration im letzten Jahre erfordert gebieterisch die Festlegung klarer Richtlinien für die Kolonisation. Die Grundlage des jüdischen Palästina muß eine starke jüdische Landwirtschaft, der Träger des jüdischen Palästina muß der Typus des Pioniers, des selbstarbeitenden Juden sein. Dieser Grundlage der Kolonisation ist nach wie vor die stärkste Aufmerksamkeit und intensivste Unterstützung zu gewähren. Der Aufbau des Landes muß in erster Reihe aus dem Gesichtspunkt der Notwendigkeiten und Bedürfnisse eines solchen jüdischen Palästina erfolgen und nicht aus den Bedürfnissen der jüdischen Immigration. Auch die Siedlungsarbeit in den Städten ist zu fördern, aber sie muß eingeordnet werden in den Gesamtrahmen eines großzügigen Kolonisationsplanes, der unter Voranstellung der öben erwähnten .Gesichtspunkte aufzustellen ist. Die Organisierung der Einwanderung und ihre Regulierung soll in einen solchen Kolonisationsplan einbezogen werden. Bodenwucher und Bodenspekulation sind mit allen Mitteln zu bekämpfen und mehr als bisher müssen die zentralen Instanzen der Bewegung d'en Aufbau des Landes bestimmen und kontrollieren. Nur so können durch ein neues jüdisches Palästina die Lebensformen des Galuth überwunden werden. Die Vorgänge im Central verein Wir haben im Leitartikel der letzten Nummer auf die inneren Vorgänge in den verschiedenen Ortsgruppen des Centralvereins hingewiesen und anschließend daran eine Meldung über die letzte Centralvereins-Mitgliederversammlung in Frankfurt a. M. veröffentlicht, die zeigt, daß es auch in dieser Ortsgruppe eine starke und heftige Opposition gegen den gegenwärtigen politischen Kurs des Vereins gibt. Im folgenden geben wir zunächst einen Bericht wieder, den die „Jüdische Rundschau“ über den Verlauf des von uns bereits gemeldeten Konfliktes in der Breslauer C.- V.-Ortsgruppe veröffentlicht. Die Spaltung, so heißt es in dem Bericht, des Breslauer Centralvereins in zwei große Gruppen, von denen eine von Rechtsanwalt Foerder - Prof. Marek und die andere von Rechtsanwalt Tarnowski geführt wurde, sollte in der zweiten Generalversammlung in der Neuwahl ihren Ausdruck finden. Man konnte mit Recht auf den Ausgang der Wahlen gespannt sein. Aber man wußte, daß die Foerdersche Minorität viel zu groß war, als daß sie von dem Centralverein hätte ertragen werden können. So schloß man einen Frieden. Rechtsanwalt Tarnowski gab folgende Erklärung ab: „Um der Sache zu dienen und einen Wahlkampf zu vermeiden, ist die vom Vorstand aufgestellte Liste allseitig akzeptiert worden und wird nunmehr der Generalversammlung vorgelegt. Ich bin zwar nach wie vor der Ansicht, die auch von Herrn Rechtsanwalt Foerder geteilt wird, daß ein Zusammenarbeiten zwischen ihm und mir in der Ortsgruppe Breslau nicht möglich ist, habe aber gegen sein Verbleiben im Vorstande nichts einzuwenden. Die Verteilung der Ämter innerhalb des Vorstandes erfolgt durch diesen selbst. Um den Herren der anderen Richtung entgegenzukommen, wird der Vorstand, falls die Vorschlagsliste unverändert gewählt wird, als Vertreter der Minorität die Herren Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann, Rechtsanwalt Keiler und Dr. Josef Schlesinger kooptieren“. Dann gab Prof. Marek als Wortführer der Opposition eine Erklärung folgenden Inhaltes ab: „Die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen in der letzten Versammlung haben den Wunsch aufkommen lassen, eine Verständigung herbeizuführen. Im gegenwärtigen Augenblick ist den deutschen Juden nichts nötiger als eine Einigkeit nach außen. Die Ortsgruppe Breslau soll nicht von Erschütterungen heimgesucht werden. Sachliche Gegensätze sollten jedoch ruhig ausgesprochen und diskutiert werden. In der letzten Versammlung ist dies zur Genüge geschehen, nachdem die Mitglieder schon lange keine Gelegenheit mehr dazu gehabt hatten. Der neue Vorstand wird hoffentlich nicht mehr so lange an einer Meinungsäußerung der Vereinsmitglieder vorübergehen, sondern diese häufiger zusammenberufen. Nachdem das letztemal die sachlichen Gegensätze eine sehr scharfe persönliche Zuspitzung genommen hatten, haben wir geglaubt, daß auch Opfer gebracht werden müssen, um diese Gegensätze sich nicht zu einer Siedehitze steigern zu lassen. Die Erklärung von Herrn Rechtsanwalt Tarnowski ist das Resultat der gepflogenen Verhandlungen. Wenn jetzt innerhalb des Vorstandes auch eine notwendige Trennung stattfinden muß, gehen wir von der Hoffnung aus, daß diese Trennung gerade eine reibungslosere Zusammenarbeit herbeiführen soll. Ich persönlich gebe mich der Hoffnung hin, daß die beiden Herren (Foerder und Tarnowski), die zuletzt in Streit gestanden haben und deren Verdienste um den Centralverein, jedes in seiner Art, wohl von allen Mitgliedern in gleicher Weise geschätzt werden, einen Weg zu engerem Zusammenarbeiten später werden finden können, wenn es auch im Augenblick nicht möglich ist.“ An diese beiden Erklärungen der Führer der sich bekämpfenden Gruppen knüpft der Breslauer Korrespondent der „Jüdischen Rundschau“ folgende Beurteilung des gegenwärtigen Standes der Dinge: „Dieser Friede der mit diesen Erklärungen geschlossen ist, wird allgemein als ein sehr f a u - 1 e r empfunden. Gegensätze, wie sie hier im Centralverein aufgetreten sind, werden durch Erklärungen nicht aus der Welt geschafft. Sie bestehen weiter und fordern sachliche Erwägun g.“ * * * Wir möchten nicht verfehlen, in diesem Zusammenhang auf die vollkommene Kongruenz hinzuweisen, die heute in der Formulierung ihrer politischen Ziele zwischen dem Direktor des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ Herrn Ludwig Holländer und dem stellvertretenden Vorsitzenden des „Verbandes nationaldeutscher Juden“ Herrn Sanitätsrat Dr. Alfred Peyser besteht. Vor uns liegen je eine Äußerung dieser beiden jüdischen Politiker, die geradezu zu einem Vergleich herausfordern. Herr Dr. Peyser hat in der vergangenen Woche in der