Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 23 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- Seite 444 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Nr. 23 Das Jüdische Echo gration aufhören müssen. Nein, sie sollen sich nichts einreden, die, welche glauben: „Je ärger, desto besser“, je ärger es im Galuth ist, desto schneller werde Erez Israel wachsen. Umgekehrt! Erez Israel kann nicht gebaut werden in Schmerzen, sondern nur in Freude! Nicht ein zu Tode gemartertes Judentum, ein im Galuth verzweifeltes kann ein freies Land in Erez Israel aufbauen. Wenn das Judentum im Galuth untergeht, sehe ich keine Hoffnung in Erez Israel. Und auch die alten Luftschlösser sind leere Träume, nach denen unsere Weltkonferenzen neue Länder, Spanien, Mexiko, Kanada und alle anderen Teile der Welt, aufbauen. Die Emigration, welche die Juden durchführen können, ist nur großen, reichentwickelten Ländern angepaßt, wo die großen „Lewiathans“ leicht in sich alle die Handwerker und Kleinhändler verschlingen können. Dort, wo das Land nicht entwickelt ist und es einer Pionieremigration bedarf, ist eine jüdische Emigration unmöglich. Und wenn auch Judenschon ein genügendes Examen dafür ablegten, daß sie die Fähigkeit zu Erd-, ja auch zu Pionierarbeit haben, wie sie es in Erez Israel bewiesen haben, in Argentinien (und bei kulturell entwickelter Erdarbeit, wie das in Amerika der Fall ist, ist auch Erdarbeit den Juden angepaßt), so ist das jüdische Volk zu arm an Mitteln, um mit großen Summen neue Punkte zu kolonisieren. Und wir dürfen auch unsere Kräfte nicht zersplittern. Genug, wenn das jüdische Volk alle Kräfte anspannt, um Erez Israel zu kolonisieren. Es ist eine hinreichende Aufgabe für ein armes Volk. Nein, wie die Lage jetzt ist, gibt es keine Hoffnung. Das müssen sich nicht nur die polnischen Regierungsmänner klar machen, sondern vor allem die Juden selbst. Es gibt keine Möglichkeit zu entfliehen. Und wir dürfen auch nicht davon laufen. Genug gelaufen sind wir in all den Jahren unserer Wanderung und sind heimlos geblieben. S c h a 1 o m Asch. Kongreßprogramm der deutschen Zionisten Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland nahm auf seiner Sitzung vom 21. Mai nachfolgendes Kongreßprogramm an: I. Zionistische Arbeit. Die klare Herausarbeitung der Kennzeichen der zionistischen Forderungen und der Zionistischen Organisation soll vor allem durch folgende drei Momente deutlich werden: 1. Eindeutige Betonung des nationaljüdischen Gedankens auf allen Gebieten der zionistischen Arbeit. Der nationale Gedanke bleibt die Grundlage der zionistischen Bewegung und der Arbeit im Galuth, er ist charakteristisch für die zionistische Auffassung der Judenfrage, er ist für die Entwicklung Palästinas die treibende Kraft. 2. Die Betonung des idealistischen Charakters der zionistischen Bewegung und des Glaubens an die gestaltende Kraft des zionistischen Willens. Die Ablehnung aller chauvinistischen Vorstellungen und der Wille, unsere nationalen Forderungen in Einklang zu bringen mit der Verantwortung gegenüber der arabischen Bevölkerung in Palästina. 3. Das Recht und die Pflicht der zionistischen Bewegung, jüdische Menschen zu erziehen und umzuformen. Sie veranlaßt junge Juden, die für die nationale Entwicklung Palästinas geeigneten Berufe zu ergreifen, sie hat für die Vorbereitung dieser Menschen zu sorgen. Sie hat ferner die Aufgabe, Menschen auszuwählen und in ihrer Entwicklung zu fördern, die geeignet sind, im Galuth Träger der zionistischen Arbeit zu sein. II. Jewish Agency. Die erweiterte Jewish Agency ist die gegenwärtige organisatorische Form der vor Jahren eingeleiteten B ii n d n i s p o 1 i t i k. Nachdem die Frage der Erweiterung der Jewish Agency grundsätzlich bereits entschieden ist, soll bei der praktischen Ausgestaltung auf die Berücksichtigung folgender Punkte Wert gelegt werden: 1. Die Jewish Agency, deren Repräsentant heute die Zionistische Organisation ist, soll durch den Hinzutritt von Palästinafreunden erweitert werden, die nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation sind. Voraussetzung für die Teilnahme an der Jewish Agency ist die Anerkennung der Balfour-Deklarat i o n. 2. Prinzipiell sollen Mitglieder der Agency nur Vertreter von Gruppen und Organisationen sein. Da die tatsächlich vorhandenen Unterschiede in der Struktur der Judenheit eine einheitliche Regelung des Wahlmodus nicht zulassen, muß eine Gewähr dafür geschaffen werden, daß hinter den Mitgliedern der Jewish Agency die charakteristischen Gruppen und Organisationen der Judenheit ihres Landes stehen. 3. Nur solche Gruppen haben das Recht des Eintritts in die Jewish Agency, die materiell zum Aufbau Palästinas beitragen. Es muß die Garantie geschaffen werden, daß Rechte und Leistungen miteinander in Einklang stehen. 4. Alle organisatorischen Einrichtungen der erweiterten Jewish Agency sollen einen provisorischen Charakter tragen. Die endgültigen Formen können sich erst aus den Erfahrungen der Zusammenarbeit ergeben. Dieser provisorische Charakter ist gerade dann festzuhalten, wenn mit dem vollen Gelingen des Planes der Erweiterung der Jewish Agency zu rechnen ist. Der Palästina-Aufbau wird neue wertvolle Freunde gewinnen, denen die Möglichkeit einer ihrer Bedeutung entsprechenden Eingliederung in die neue Organisation offen gehalten werden muß. Aus diesem Grunde sind kurze Wahlperioden erforderlich. 5. Die Rechte der Zionisten als Mitglieder allgemeiner jüdischer Organisationen, insbesondere des Keren Hajessod, dürfen dadurch keine Einbuße erfahren, daß die Zionistische Organisation ihrer Bedeutung entsprechend in der erweiterten Jewish Agency eine besondere Berücksichtigung erfährt. Es liegt jedoch im Sinne der Erweiterung der Jewish Agency, daß die allgemein jüdischen Gruppen Vertreter wählen, die nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation sind. III. Reorganisation. Die Zionistische Organisation bedarf der Neuordnung. Die von der Organisation-Kommission der Z. V. f. D. ausgearbeiteten Vorschläge sind auf dem Kongreß zu vertreten. Ihr Ziel ist die Stärkung des Einheitscharakters der Organisation durch Verwirklichung folgender Hauptforderungen: Einheitsschekel, einheitliche Territorialverbände, in denen alle zionistischen Gruppen eines Landes vereinigt sind, und einheitliche Exekutive als Aus-