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Das jüdische Echo · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · p. Seite 434

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
Seite 434 (sequence 18)
Language
German
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434 Das Jüdische Echo Nr. 22 Literarisches Echo Heinrich Heine: Confessio Judaica. Herausgegeben von Hugo Bieber. Berlin, Welt- Verlag. „Goethe und die Juden“ von Heinrich Tewe- 1 e s. Verlag Gente, Hamburg. Georg Linden : Arische und semitische Dichtung. Verlag Schröder, Bonn. Mereschkowskij, Tor des Ostens. Welt- Verlag, Berlin. Über „Heine und die Juden“ ist viel geschrieben worden. Zu dem besten darüber gehört das, was Siegfried Weitzmann vor Jahren in der „Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht hat. Man ist vielleicht geneigt, sich einem solchen Thema gegenüber kritisch zu verhalten, und man hat damit' recht, wenn man an die oft behandelten Literatur-Vereins-Themen denkt. Diese Kritik wird neu erweckt durch das soeben erschienene Büchlein über „Goethe und die Juden“. Viele führende Geister der europäischen Kultur haben sich mit Juden und jüdischem Wesen politisch oder geistig auseinandergesetzt, von Karl dem Großen an über Kaiser Friedrich II., über Luther, Lessing, Napoleon, Bismarck bis zu Anatole France und Bernard Shaw. Nur Goethe, gerade Goethe fast gar nicht. Warum aber gerade Goethe nicht? Wer Goethe und den Zustand der deutschen Judenheit im 18. Jahrhundert kennt, wird sich die Antwort selbst geben. Wer das aber nicht kann, kann es an der Leerheit des genannten Büchleins erkennen. Mit Heines „Confessio Judaica“ ist es dagegen etwas ganz anderes und die bei Juden wie Antisemiten herrschende Empfindung ist sehr berechtigt, daß Heine nicht ein Dichter ist, der sich gelegentlich auch über das Judentum geäußert hat, sondern daß die Wurzel seines Lebens und Trachtens im jüdischen Erdreich versenktest. Über das Wie und Warum dieser Versenkung ist u. a. Interessantes zu finden in dem oben genannten Buch von Linden. Es ist eine der besten und gediegensten Arbeiten, die über dies Spezialgebiet je erschienen sind. Sein Blickfeld geht weit über jede Einzelerscheinung hinaus, bleibt aber trotzdem durchaus auf dem Boden sachlich ruhigen Urteils, und das ist in solchem Falle nicht leicht. Demgegenüber beschreitet der Herausgeber des Heine-Buches einen anderen Weg: er läßt Heine selbst reden, indem er seine eigenen Aussprüche sammelt. Während Linden die orientalischen bezw. europäischen Wesenszüge aus Dichtungen und Literaturwerken allgemeinen Inhalts herausarbeitet, sammelt der Herausgeber des Heine-Buches nur solche Äußerungen des Dichters, die unmittelbar zum Judentum Stellung nehmen. Dieses Verfahren hat seine Licht- und Schattenseiten; uns will scheinen, daß Heine’s jüdische Persönlichkeit oft da am stärksten hervortritt, wo er gar nicht von jüdischen Dingen, sondern von ganz anderem spricht. Trotzdem bleibt dieses Heine-Buch ein überaus wertvoller Beitrag zur Charakterisierung des^ Dichters; gerade Heine, der im allgemeinen gerade als vielfältig schillernder und schimmernder Charakter erscheint, wird uns hier als „Bekenner“ vorgeführt, und es ist durchaus überzeugend, in diesem Bekennertum einen wesentlichen Charakterzug, dagegen in seiner journalistischen Gebärde mehr eine Frucht seiner Zeit und Lebensverhältnisse zu erblicken. Kein tatsächlicher sondern ein gedachter, aber lehrreicher Zusammenhang besteht zwischen diesem europäisierten Orientalen Heine und dem Russen Mereschkowski, der in seinem letzten Buch „Tor des Osten s“ wiedergibt, wie er den alten Orient fühlend erschaut. Auch dies ist ein Bekenntnisbuch, nur in umgekehrter Richtung als die Heinischen Bekenntnisse; es ist ein Spiegel, der dem Abendland vorgehalten wird. An ihren stärksten Stellen gemahnt diese dithyrambische Lehrdichtung häufig an den heute zu Unrecht fast vergessenen Carlyle. S. Eine ständige jüdische Kunstgalerie in London. Am 17. Mai wurde in London in den neuerworbenen Lokalitäten der Gesellschaft für jüdische Kunst „Ben Uri“ die von dieser Gesellschaft begründete ständige jüdische Kunstausstellung feierlichst eröffnet. Der Vizepräsident der Gesellschaft, der bekannte Künstler Alfred A. W o 1 m a r k hielt eine feierliche Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die Gesellschaft vor wenigen Jahren nicht etwa von den reichen Juden Englands, sondern von Juden aus der arbeitenden Klasse begründet worden ist. Mittels zusammengesparten Schillingen wurden den jüdischen Künstlern ihre Werke abgekauft; jetzt, ■nach zehn Jahren, kann man den ersten Versuch machen, den Traum von einer ständigen jüdischen Kunstgalerie in London zu verwirklichen. Mr. Wolmark erwähnte den Plan des Präsidenten der Gesellschaft „Ben Uri“, des Dichters Israel Z a n g wi 11, einen jüdischen Kunsttempel gegenüber dem Britischen Museum zu erbauen, der die besten Werke jüdischer Kunst aufnehmen soll. Hierauf sprach Chacham Dr. Moses G a s t e r, der anregte, daß der Galerie auch Bibeln, Hagadah-Holzschnitte und Gegenstände des jüdischen Rituals einverleibt werden sollen. — Die Galerie enthält u. a. ein großes Gemälde von Samuel Hirszenberg, zwei Statuen von Prof. Gliz e n s t e i n („Der Messias“ und „Israel Zangwill“), mehrere Werke des berühmten Prae-Raphaeliten Simeon S o 1 o m o n , Werke von David Bömberg, Isaac Lichtenstein, L. P i lieh o w s k i. Der italienische König besucht den jüdischen Pavillon der Internationalen Buchausstellung. In Florenz wurde dieser Tage in Anwesenheit des Königs, der Mitglieder der Regierung und zahlreicher Vertreter der Gelehrtenwelt die zweite Internationale Buchausstellung feierlich eröffnet. Diese Ausstellung enthält einen besonderen Pavillon für jüdische Literatur und Wissenschaft in allen Sprachen. Vertreten sind die bekanntesten jüdischen Verlage wie „Israel“, Florenz; Verlag für jüdische Kunst und Literatur „Rimon“, Berlin; „Jewish Publication Society“, Philadelphia; Bulka, Nürnberg; „Stibel“, Warschau u. v. a. Der König ließ sich in den jüdischen Pavillon führen und verweilte dort längere Zeit. Er bewies ein tieferes Interesse für die Ausstellungsobjekte und ließ sich von dem Organisator des jüdischen Pavillons Dr. G 1 a s s eingehend informieren. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete der König den Büchern und Kunstblättern des Berliner Verlages „R i m o n“, über die er sein Wohlgefallen kundgab. Der König blätterte in den Memoiren Theodor Herzl’s und sprach mit seiner Umgebung darüber, daß er vor 20 Jahren mit dem Begründer des modernen Zionismus ein längeres Gespräch hatte, an dessen Einzelheiten er sich noch genau erinnert. Während die Judaica in englischer, deutscher, französischer und italienischer Sprache zahlreich

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