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Das jüdische Echo · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · p. Seite 432

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
Seite 432 (sequence 16)
Language
German
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432 Das Jüdische Echo Nr. 22 Führer der Organisation bezeichnet; Hitlers Diktatur wurde abgelehnt. Im ganzen zeigte die Versammlung, daß Hitlers Einfluß abgenommen hat. Hakoah Meisterschaftsfavorit in Österreich. Wien (J.T.A.). Die Fußball-Sektion des jüdischen Sportklubs ,,H a k o a h“ errang einen glänzenden Sieg über den bisher besten österreichischen Fußballklub „Amateure“. Das Spiel endete mit 3:0 für „Hakoah“. Durch diesen Sieg wurde „Hakoah“ Meisterschaftsfavorit und wird wohl, wie in Sportkreisen allgemein erwartet, im neuen Sportsemester die Meisterschaft in Österreich innehaben. Jüdische Armut und Fürsorgetätigkeit in Wien. Wien (J.T.A.). Infolge der fortschreitenden Verarmung der österreichischen Jude n h e i t, deren Ursachen im Kriege und dessen Folgen zu suchen sind, werden an die öffentliche jüdische Fürsorgetätigkeit immer größere Ansprüche gestellt. Die Wiener Kultusgem e inde hat in ihr Budget für das Jahr 1925 einen Betrag von 16.976 Millionen Kronen für soziale Fürsorge eingesetzt. Sämtliche jüdischen Wohlfahrtsvereine — es sind ihrer ungefähr 100 — haben sich zu einer Zentralstelle zusammengeschlossen, die von der Kultusgemeinde und den Behörden als offizielle Stelle anerkannt ist und den Zweck hat, die organisatorische Arbeit zu leisten und auch als Beraterin der Kultusgemeinde in Fürsorgefragen zu fungieren. Die Zentralstelle umfaßt vier sogenannte Zweckverbände, die die Vereinigung aller auf einem bestimmten Gebiete wirkenden Fürsorgevereine darstellt. Es gibt einen Jugendfürsorgeverband, einen Altersfiirsorgeverband, einen Kurverband und einen Bekleidungsverband. Ein eigenes Kapitel bilden die Ausspeiseaktionen. Auch hier werden Milliardenbeträge aufgewendet. — Während der vergangenen Passah- Tage hat die Kultusgemeinde 20 000 kg Mazzolh und 50 Millionen Kronen an barem Gelde verteilt, um nur die dringendste Not zu mildern. Angesichts dieser Sachlage weist die „Wiener Morgenzeitung“ darauf hin, wie unhaltbar die Behauptung der Antisemiten ist, daß sich die Juden im Kriege bereichert haben, während die andere Bevölkerung verarmte. In den Fängen der ungarischen Justiz. Budapest (J.T.A.). Unter dem Vorsitz Tore k i s verhandelte der Budapester Strafsenat am 20. Mai gegen den 32 Jahre alten Gemischtwarenhändler Alois Fried mann aus Aszod, dem zur Last gelegt wird, daß er im August v. J. in der Auslage seines Ladens eine Wassermelone zur Schau gestellt hat, in die er mit einem Messer das ungarische Wappen und darüber — statt der heiligen Stephanskrone — den „M ogen Dovid“ eingeritzt hatte. In Wirklichkeit wies der angebliche Davidschild statt sechs nur vier Ecken auf. Alois Friedmann bestritt jede beleidigende Absicht gegen die Stephanskrone. Er habe aus Langweile mit seinem Taschenmesser Figuren in die Schale der Melone einzuritzen begonnen, ohne sich dabei etwas zu denken. Der Gerichtshof fand den Angeklagten des Verbrechens der Verunglimpfung des ungarischen Staates und der Nation schuldig und verurteilte ihn zu einem Jahre Gefängnis, fünf Millionen Kronen Geldstrafe, dreijährigem Konzessionsverlust und dreijährigem Verlust aller politischen Rechte. Friedmann legte Berufung ein. Grausame Ermordung von Chaluzim in Ungarn. Wien (J.T.A.). Die Wiener Zeitung „D e r Abend“ meldet aus Westungarn, daß dort einige Chaluzim aus Polen, unter ihnen die Brüder Goldberg und Tenenbaum von Gendarmen in grauenvoller Weise ermordet worden sind. Die Chaluzim machten sich zu Fuß auf den Weg von Galizien nach Österreich, um von dort nach Palästina weiter zu reisen. Sie verirrten sich auf ungarisches Gebiet, wo sie von Gendarmen festgenommen, ihrer Habe beraubt, niedergeschlagen und in die Donau geworfen wurden. Vorübergehende Bauern hörten die durchdringenden Hilferufe der gequälten Opfer; als sie hinzukamen, waren dieselben bereits in den Fluten der Donau verschwunden. Ermordung eines Chaluz in Kischinew. Ivischinew (J.T.A.). Der folgende unerhörte Vorfall hat die Judenheit Bessarabiens in eine große Aufregung und Empörung versetzt. Der militärische Befehlshaber in Kischinew verbot jede Art Maifeier und ordnete strenge Nachforschungen nach Kommunisten, die angeblich revolutionäre Proklamationen verbreiteten, an. In der Nacht des 1. Mai patrouillierten Abteilungen der politischen Polizei in den Gassen von Kischinew und durchsuchten die Passanten. Eine Patrouille begegnete dem jungen Zionisten B e n d i k, der dieser Tage nach Palästina abreisen sollte, wo für ihn ein Onkel aus Amerika ein Grundstück vonl25Dunam in Balfouria angekauft hatte. Der junge Bendik wurde zum Stehenbleiben aufgefordert; bevor er aber noch Zeit fand, dem Befehle nachzukommen, wurde auf ihn geschossen. Er erlag wenige Minuten später seinen Verletzungen. Um gegenüber dem Vorgesetzten gedeckt zu sein, steckten die Polizisten kommunistische Proklamationen in die Taschen des Ermordeten. Die zionistische Organisation forderte die Behörde auf, eine strenge Untersuchung einzuleiten, und verbürgte sich für die Loyalität des Ermordeten. Diesem Ersuchen wurde nicht Folge geleistet. Tausende bessarabische Juden nahmen an der Bestattung des Opfers polizeilicher Willkür und Provokation teil. Der Deputierte Rabbi Z i r e 1 s o h n , hielt einen ergreifenden Nachruf und klagte am offenen Grabe des jungen Zionisten die politische Polizei an, daß sie in provokatorischer Weise revolutionäre Proklamationen in die Kleider des bereits Toten eingeschmuggelt hatte. Die Angelegenheit wird noch das Parlament beschäftigen. Kischinew (J.T.A.). Die Ermordung des Chaluz Nahum Bendik durch Beamte der politischen Polizei wächst sich immer mehr zu einem politischen Skandal aus. Der angesehene Advokat Dumitrescu erklärt, die Polizei habe Bendik ermordet und kommunistische Manifeste in die Taschen des Ermordeten gesteckt, um ihn (Dumitrescu), bei welchem Bendik zeitweilig angestellt war, politisch zu kompromyttjieren. „Die Siguranza“, erklärt Dumitrescu, „war auf mich sehr schlecht zu sprechen. Ich bin ihr .früher in meiner Eigenschaft als Militär- und Zivilstaatsanwalt oft an den Leib gerückt. Ich habe ihr nicht erlaubt, etwas zu begehen, was uns in den Augen der beßarabischen Bevölkerung herabsetzen könnte. Der arme Bendik war als Opfer ausersehen. Man wollte dadurch gegen mich den Beweis erbringen, daß ich in Komplotte verwickelt bin.“ Bukarest (J.T.A.). Bukiprester Blätter verzeichnen die Version, daß die Beamten der Sigurantza (politische Polizei) an dem Chaluz Ben-

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