Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 22 (29.5.1925)
- Date
- 1925-05-29
- Page
- Seite 431 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 431 Aus der Jüdischen Welt Was die völkischen Deutschnationalen von Hindenburg erwarten. Berlin (J.T.A.). Der als Führer des Baltikum- Feldzuges der vereinigten deutschen und russischen Monarchisten von 1919 bekannt gewordene Generalmajor Graf v. d. Goltz, der jetzige geschäftsführende Präsident der Vaterländischen Verbände, veröffentlicht unter der Überschrift „Hindenburg, wir grüßen Dich!“ am Tage des Einzugs des Reichspräsidenten v. Hindenburg in Berlin einen Artikel, der den alten völkischen Wunsch zum Ausdruck bringt, daß man einen Ausgleich der inneren Gegensätze, ja auch eine Verständigung mit dem äußeren Feinde, herbeiführen möge — aber alles auf Kosten der Juden. Einen solchen Ausgleich erwarten die völkischen Deutschnationalen von Hindenburgs Regime. Der Artikel, der in dem Organ des völkischen Flügels der Deutschnationalen Volkspartei „Deutsche Zeitung“ erschienen ist, hat die folgende charakteristische Einleitung: „Wie oft haben die deutschen Frontsoldaten in ihren Unterständen, Höhlen und Granatlöchern den Tag herbeigesehnt, an dem das Feldheer des Weltkrieges neben seinem Kaiser, gefolgt von auserwählten Soldaten als Sieger durch das Brandenburger Tor einziehen würde. „Aber dann hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren,“ dachte und schrieb Rathenau. Denn dann hätten die „300“ Rathenaus (gemeint sind die 300 Weisen von Zion aus den „Protokollen“) die Weltherrschaft mit dem über den Parteien stehenden Kaiser des freien und wehrhaften deutschen Volkes teilen müssen. Damit das nicht geschah, mußten wir den Krieg verlieren, mußte das Millionenopfer unseres Volkes, sein Heldenringen in Front und Heimat vergeblich werden. Damit die Rathenauschen „300“ die Weltherrschaft antreten konnten, war der ganze Weltkrieg nötig, mußten auch in England und Amerika Millionen Jünglinge nordischer Rasse umkommen. Nun herrschen 300 über die Welt.“ Antisemitische Pöbeleien des offiziellen Buchhändler-Börsenblatts. Berlin (J.T.A.). Schon oft wurden in Buchhändler- und Autorenkreisen Klagen laut, daß das offizielle Fachblatt des deutschen Buchhandels, das in Leipzig erscheinende „Börsenblatt“ einer reaktionär-antisemitischen Richtung huldigt. Gleichsam als Auftakt zur Jahrhundertfeier des Börsenvereins der Buchhändler veröffentlicht das Börsenblatt einen Artikel des Herrn Perschmann in Wiirzburg über den „Fall Bettaue r“, in welchem um Sympathie für den Mörder des Wiener Schriftstellers geworben wird. Bettauer wird als Pornograph bezeichnet, obwohl der Schreiber des Artikels nicht eine Zeile von ihm gelesen hat, sondern nach eigener Angabe nur „aus Berichten“ urteilt. Dann heißt es: „Sehr auffallend ist, daß bei allem, was an Pornographie offen oder heimlich angeboten wird, der jüdische Ursprung ganz gewaltig überwiegt und in umgekehrtem Verhältnis steht zu der jüdischen Einwohnerzahl Deutschlands. Und bedauerlich ist, daß von jenen ihrer Rassegenossen, von denen der Volksmund spricht, es gäbe „auch anständige darunter“, bis heute auch nicht ein Einziger sich berufen gefühlt hat, nachdrücklich diesen Auswurf der Menschheit von sich abzuschütteln“. Zufällig bringt das Börsenblatt vor diesem Artikel einen anderen redaktionellen Angriff gegen ein „pornographisches Blatt“, das von einem unzweifelhaft arischen Verleger herausgegeben wird. Der Inhaber des alten Heine-Verlages Hoffmann und Campe schreibt in der G. V.-Zeitung: „Daß große Teile des Buchhandels mit der Kulturschande des Antisemitismus behaftet sind, zeigt dieser Vorfall leider nicht zum ersten Male. Dieser Haltung entspricht auch, daß das Börsenblatt von der Verurteilung des Verlegers Fritsch zur Zahlung der Auslobung von 10 000 Papiermark wegen gefälschter Talmudübersetzung noch mit keiner Zeile berichtet hat, während es sonst jedes kleinste Vorkommnis aus dem Buchhandel sofort im Sperrdruck meldet.“ Auf nach Borkum! Unter dieser Überschrift beschäftigt sich der „Montag Morgen“ (Nr. 20 v. 18. 5.) mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes in Sachen des Borkumliedes und kommt zu dem Ergebnis, daß nichts weiter übrig bleibe, als Borkum und seine Gäste auch weiterhin singen zu lassen. Man solle doch alles tun, um den Kurgästen dort den Aufenthalt recht angenehm zu gestalten, ihnen die Kurtaxe ermäßigen, die Kapelle aus der Berliner „Wilhelma“, sämtliche völkischen Beobachter und Kuriere an den grünen Inselstrand mit der judenreinen Tradition gratis hinverfrachten. Denn das wäre eine wirkliche Erholung — für die andern! Abermalige Spaltung des Hitler-Blocks. München (J.T.A.). Die Spaltung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei macht weitere Fortschritte. Es wurde unter Führung völkischer Parlamentarier ein „Nationalsozialistischer Volksbund“ gegründet. In der Gründungsversammlung predigten die Abgeordneten Dörfler und Karl Johnson eine deutliche Abkehr von Hitlers Freunden, da unlautere Elemente nicht Führer sein können. Ludendorff wurde als ffismjen^fchrtßvdG&eL Jße&sorL-fjßhzveidej^