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Das jüdische Echo · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · p. Seite 430

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
Seite 430 (sequence 14)
Language
German
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430 Das Jüdische Echo N r. 22 Palästina-Film in München Donnerstag, 4« Juni 8 Uhr abends in den Sonntag, 7. Juni 9Uhr u. 11 Uhr vorm, in den Franziskaner-Lichtspielen Zach-Lichtspielen Ecke Franziskaner- und Rablstraße (Linien 1, 11 u. 12) am Wittelsbacherplatz Karten im Vorverkauf: Ewer-Buchhandlung und Büro der Zionistischen Ortsgruppe Ottostraße 2; Orljansky, Neuhauserstraße 29; Restaurant Schwarz, Schlosserstraße 2; Restaurant Weiß, Herzog Wilhelmstraße 29 Deswegen hat schon den letzten Karlsbader Zionistenkongreß die Frage der Erweiterung der Jewish Agency am stärksten beschäftigt. Im Sinne der Kongreßbeschlüsse hat der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Professor Chaim Weizinann, wichtige Verhandlungen mit den bedeutendsten Vertretern des amerikanischen Judentums gepflogen. — Eine vor kurzem in New York stattgefundene Konferenz, zu der etwa 150 prominente Persönlichkeiten erschienen waren, stellten sich fast einhellig auf den Standpunkt, daß das amerikanische Judentum — bekanntlich der stärkste Faktor des Gesamtjudentums — verpflichtet sei, mit seinen großen und materiellen Kräften am Aufbau Palästinas mitzuwirken. — Die Mitwirkung ist in der Weise gedacht, daß Vertreter des amerikanischen Judentums in die Jewish Agency eintreten, wobei bestimmt zu erwarten ist, daß auch die Judenheit der anderen Länder sich daran beteiligt. Dadurch wird die Jewish Agency eine faktische Vertretung der Gesamtjudenheit. Die Zionistische Organisation besitzt heute in der Hauptsache zwei gioße Finanzinstrumente, die noch für lange hinaus die Grundlagen des Palästina-Aufbaus schaffen müssen. Das eine ist ein Landfonds zur Erwerbung des Bodens als unveräußerliches Volkseigentum — Keren Kajemeth le Jisrael, Jüdischer Nationalfonds — das zweite ein Kolonisationsfonds — Keren Hajessod, Palästinagrundfonds. — Was in den letzten Jahren in Palästina an Bodenerwerb, Kolonien, Schulen, sanitären und kulturellen Einrichtungen geschaffen wurde, ist durch diese beiden Institutionen finanziert worden. Der wichtigste Teil und die Grundlage des Palästina-Aufbaus ist die landwirtschaftliche Kolonisation. In dieser Beziehung sind die Fortschritte am größten. Durch die Bodenkäufe, die der Jüdische Nationalfonds seit 1920, besonders in Galiläa— im Tale Jesreel — durchführen konnte, wurde die Zahl der landwirtschaftlichen Siedlungen nahezu verdoppelt. An hundert jüdische Dörfer und Siedlungspunkte gibt es heute bereits in Palästina. Schon äußerlich unterscheiden sie sich so stark von der arabischen Umgebung, daß es kein Wunder ist, wenn der Besucher Palästinas bei ihrem Anblick in Entzücken gerät. Aber bei den neuen jüdischen Kolonien handelt es sich um mehr als um gewöhnliche Siedlungen. Es entstehen hier neue gesellschaftliche Formen, aufgebaut auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit, die heute bereits weit über das kleine Palästina hinaus das Interesse und die Bewunderung der Besten aller Nationen finden. — Kein weltfremder utopistischer Plan, sondern die aus stärkstem Idealismus und langer praktischer Erfahrung geborene Idee einer harmonischen Verbindung von Gemeinschaftsinteressen und freiester individueller Betätigung wird in Palästina verwirklicht. Wenn eine breite Grundlage für das jüdische Gemeinwesen durch die landwirtschaftliche Kolonisation geschaffen ist, wozu die Juden aller Länder durch die Stärkung der Finanzinstitutionen beitragen können, wird auch die sonstige wirtschaftliche Entwicklung des Landes rasche Fortschritte machen. Schon haben die Städte, besonders durch die Bautäigkeit der letzten drei Jahre, ein starkes Wachstum aufzuweisen, besonders die erst vor 15 Jahren bei Jaffa entstandene Villenstadt Tel-Awiw, die heute bereits 30 000 jüdische Einwohner zählt. Die Verwendung der Wasserkräfte für die Elektrifizierung des Landes hat bereits begonnen. Vor ein einhalb Jahren wurde das erste Elektrizitätswerk in Tel Awiw errichtet, und bald werden weitere Werke in Haifa, Tiberias und Jerusalem folgen. — Die Elektrifizierung ist die wichtigste Voraussetzung für die Industrialisierung Palästinas. Von besonderer Bedeutung ist auch die kulturelle Arbeit der Juden in Palästina. Die im Frühjahr eröffnete hebräische Universität in Jerusalem hat in der ganzen gebildeten Welt großes Aufsehen und bewundernde Sympathien erweckt. Der arabische Widerstand, der anfangs ein starker war, hat unter dem Einfluß der friedlichen Arbeit, besonders der jüdischen Pioniere, sehr nachgelassen. — Das ist kein Wunder, denn so blind ist die überwiegende Mehrheit der arabischen Bevölkerung nicht, um nicht die enormen Vorteile“ der wirtschaftlichen, sanitäre und kulturellen Erschließung Palästinas für sich selbst einzusehen. Die Juden in Palästina bauen das Land auf in dem vollen Bewußtsein, daß in einem aufblühenden Palästina beide Völker friedlich nebeneinander leben können. Alles ist heute noch in den Anfängen, aber das, was in so kurzer Zeit und mit so wenigen Mitteln geschaffen wurde, ist so ermutigend und hat so viel Bewunderung und Interesse in der Welt erweckt, daß heute auch jene Macht zu erwachen beginnt, die bisher in ihrer Mehrheit abseits stand: die Juden! Der beste Beweis ist das starke Interesse der amerikanischen Judenheit in Palästinas. — Wer sich über den Alltag zu erheben vermag, der kann mit dem wenigen, was ein Bruchteil des jüdischen Volkes in Palästina bisher geschaffen hat, auch schon die Linien künftiger großer Entwicklungen sehen. Man baut in Palästina das Heim für das jüdische Volk, damit es seine Rolle in der großen Völkerfamilie wieder einnehme. Die besten Juden erhoffen davon eine neue Blüte jüdischen Geistes und jüdischer Kultur, und alle, die mit Sympathie und Wohlwollen dieses Werk begleiten, eine Erschließung des vorderen Orients in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung für alle Völker.

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