Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 22 (29.5.1925)
- Date
- 1925-05-29
- Page
- Seite 429 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 429 Moskauer Regierung interveniert wurde. Der Botschafter Herr Rakowsky versicherte, man werde die Vorstellungen jüdischerseits freundschaftlich in Erwägung ziehen. Mit defn Minoritätenkomitee des Völkerbunds wurde über den Bruch der Minderheitsabmachungen seitens verschiedener Regierungen in Osteuropa gesprochen. Das Minoritätenkomitee forderte die Regierungen in Polen, Rumänien und Lettland auf, die Minderheitsvorschriften zu beachten. Verstöße gegen diese Vorschriften, die geeignet sind, zahlreiche Personen heimatlos zu machen, werden vor dem ständigen Internationalen Gerichtshof zur Aburteilung kommen. Das Komitee hat Schritte unternommen, um die Frage der Unterrichtssprachen in den Schulen Litauens vor den Völkerbund zu bringen. Der litauische Sejm beschäftigt sich nämlich mit einem Projekt, laut welchem litauisch die einzige Unterrichtssprache an allen Schulen sein dürfe; dadurch ist die Existenz des jüdischen Schulwesens bedroht. — Das auswärtige Komitee sandte dem polnischen Außenminister einen ausführlichen Bericht über die Nöte der Juden in Polen. Der Außenminister Graf Skrzynski hatte bereits im Parlament zum Ausdruck gebracht, daß man zu einem gegenseitigen Verständnis gelangen wird. -— Es wurde sodann die Optionsfrage in Österreich und die Behandlung jüdischer Studenten an der Wiener Universität besprochen. Die ungarische Regierung hat dem Völkerbund noch keine Antwort erteilt auf den vom Joint Foreign Committee gemachten Vorschlag, die Entscheidung über die Gültigkeit des Gesetzes über den n u m e - rus cjausus in Ungarn dem Internationalen Gerichtshof zu überlassen. Feldmarschall Lord Plumer High Commissioner von Palästina Mittwoch, den 20. Mai, wurde von der englischen Regierung die Ernennung Feldmarschall Lord Plumer s zum High Commissioner von Palästina bekanntgegeben. Die Ernennung dieses hohen Generals zum High Commissioner soll nach Ansichten der Presse mit der Zuspitzung der englisch - türkji^chen Beziehungen Zusammenhängen. So deutet der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph“ laut einem Telegramm des „Berliner Tageblatts“ an, daß die Entsendung eines so hervorragenden Soldaten wie des Lord Plumer in Zusammenhang mit den englisch-türkischen Beziehungen stehen könnte, obwohl nicht anzunehmen sei, daß die Türken jetzt, wo sie gerade erst den Kurdenaufstand niedergeschlagen haben, sich zu neuen militärischen Abenteuern im Irak verleiten lassen würden. Auf jeden Fall aber sei es sehr beruhigend, daß England jetzt einen General von der Bedeutung Lord Plumers im nahen Osten stehen habe. Der gewöhnlich gut unterrichtete Londoner Korrespondent der „V ossischen Zeitun g“, Dr. Edwards, telegraphiert u. a„ daß die Ernennung Lord Plumers eine unmittelbare Folge der Zuspitzung der englisch-türkischen Beziehungen sei. Im Gegensatz zu bewußt irreführenden Meldungen, die fortgesetzt auf dem Kontinent über eine englisch-türkische Annäherung verbreitet wurden, glaubt man in London, die Entscheidung des Völkerbundes über die Mosulgrenze werde zur Folge haben, daß die Türkei auch die Teile des Wilajets Mosul besetzt, auf die sie Ansprüche erhebt und die ihr im Schiedsspruch nicht zugesprochen worden. In englischen militärischen Kreisen hat man mit lebhafter Besorgnis das Truppenaufgebot von 120 000 Mann, das die Türken angeblich zur Niederschlagung des Kurdenaufstandes vorgegenommen hatten, verfolgt, und hat darauf gedrungen, daß einer der hervorragenden Heerliihrer im Kriege wie Lord Plumer an eine Stelle im Orient gebracht wird, von der aus er, ohne geradezu Kriegsrüstungen zu treiben, doch alle militärischen Vorsichtsmaßnahmen vorbereiten kann, die nach englischer Auffassung notwendig sind, um unliebsame Überraschungen an der Nordgrenze des Irak zu vermeiden. Da Lord Plumer bereits im 68. Lebensjahre steht, stellt die Übernahme dieses Postens ein schweres Opfer des alten Herrn dar, den er anscheinend nur auf nachdrückliches Drängen des Königs und des Ministerpräsidenten übernommen hat, nachdem Lord A 11 e n b y , der Eroberer von Palästina, es wegen seiner politischen Differenzen mit dem Kabinett in der ägyptischen Frage abgelehnt hat, Kairo mit Jerusalem zu vertauschen und sich anscheinend in den Schmollwinkel zurückzieht. Colonel S y m e s , der bisherige Gouverneur des Norddistriktes von Palästina, ist als Nachfolger Sir Gilbert 'Claytons zum Zivilsekretär der Palästinaregierung ernannt worden. (Ziko) Zur Vorführung des Palästinafilms in München Einiges zur Orientierung. Palästina, vor wenigen Jahren für viele noch ein abstrakter Begriff, ist heute in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt. — Das Werk, das von den Juden dort errichtet wird, ist in seiner Durchführung und seinen Zielen ein aussergewöhnliches. Ernste, unparteiische und kritische Augenzeugen — Juden und Nichtjuden — die aus Palästina zurückkehren, berichten erstaunliche Dinge über das, was in den letzten Jahren entstanden ist. — Die Entwicklung der letzten Jahre, seitdem England als Mandat a r m acht im Aufträge des Völkerbundes die Verwaltung Palästinas übernommen hat und dort eine Zivilverwaltung mit dem jüdischen Oberkommissär Sir Herbert Samuel an der Spitze einsetzte, zeigt, daß das Ziel der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk mit Konsequenz und in loyaler Auslegung des vom Völkerbund ratifizierten Mandates verfolgt wird. Neben der englischen Regierung als Mandatarmacht ist als das wichtigste Organ für die „Schaffung der politischen, ökonomischen und administrativen Maßnahmen, die zur Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ notwendig sind, ein Organ in Aussicht genommen, das als Vertretung der am Palästina-Aufbau interessierten Judenheit gedacht ist u. im Mandat als „J ewish Agenc y“ bezeichnet wird . — Bisher war die Jewish Agency identisch mit der Exekutive der Zionistischen Organisation. In derTat ist auch fast alles, was in den letzten Jahren in Palästina geschaffen wurde, durch die Zionistische Organisation entstanden. — Aber die Führer und alle verantwortlichen Leute in der Zionistischen Organisation geben sich keiner Täuschung darüber hin, daß trotz der bedeutenden Fortschritte in Palästina in den letzten Jahren, der Aufbau sich im allerersten Anfangsstadium befindet und das große Werk nur gelingen kann, wenn alle lebendigen Kräfte im Judentum dafür gewonnen werden.