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Das jüdische Echo · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · p. Seite 426

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
Seite 426 (sequence 10)
Language
German
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426 Das Jüdische Echo Nr. 22 Das Judentum auf der Jahrtausend-Äusstellung Die rheinischen Jndengemeinden sind die ältesten auf deutschem Boden, daher hat die jüdische Abteilung der Ausstellung, die die Räume 36 bis 38 einnimmt, ein besonders umfangreiches Material aufzuweisen. Die Geschichte der rheinischen Juden reicht bis in die Römerzeit zurück; das früheste Zeugnis für ihre Anwesenheit im Rheinland ist eine Urkunde Konstantins I. aus dem Jahre 321, die in einer Photographie vorliegt. Jener frühesten Periode gehören auch die Grabsteine an, die teils in Abbildungen, teils in Abgüssen und Originalen vertreten sind; die schönsten stammen aus Köln, Speyer und Worms. Eine große Anzahl interessanter alter Urkunden, mit prächtigen Siegeln versehen, veranschaulicht die mannigfachen Schicksale der rheinischen Juden in den folgenden Jahrhunderten, und zwar in Erlassen, Privilegien, Schutzbriefen usw. von Fürsten und geistlichen Herren rheinischer Städte. Vor allem ist das sogenannte Judenschreinsbuch aus dem 14. Jahrhundert zu nennen, ein Verzeichnis des Grundbesitzes der Juden, das aus der alten Kölner Laurenzpfarre stammt. Die Reihe solcher Urkunden führt bis ins 17. und 18. Jahrhundert, sowohl in Verordnungen für ganze Gemeinden als auch in Schutz- und Geleitbriefen, Konzessionen, Heiratsurkunden usw. für einzelne Personen. Für die jüdische Geistesgeschichte im Rheinlande haben sich verhältnismäßig wenig Zeugnisse erhalten; sie sind teils in den Zeiten der Judenverfolgungen vernichtet, teils durch die häufigen Auswanderungen überall verstreut worden. Trotzdem zeigt die Ausstellung eine Menge prächtiger, illustrierter Handschriften, schon aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die von dem eifrigen Bibelstudium der rheinischen Juden und zugleich von ihrem tiefen Verständnis für die gleichzeitige, allgemeine K unst zeugen. Die wundervolle vierbändige rheinische Maimonideshandschrift des 14. Jahrhunderts aus Budapest kann sich den schönsten gotischen Pergamenten an die Seite stellen. Schwungvolle Initialen, :::::::::::: Nestor 6ianaclis Cigaretten zierliche Illustrationen schmücken sie aus; helles Gold, leuchtendes Blau und zartes Rosa sind die Gr und töne der harmonisch zusammenstimmenden Farben. Daneben finden wir besonders schöne Hagadas, die die Geschichte des Auszuges aus Ägypten enthalten, unter ihnen eine mit prächtigen Bildern aus dem Besitz des Urgroßvaters von Heinrich Heine, wahrscheinlich dieselbe, die der Dichter im „Rabbi von Bacharach“ beschreibt. Endlich finden wir noch alte Osterrollen mit hübschen Tuschzeichnungen und Aquarellen aus der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Die geschichtliche Literatur der rheinischen Juden wird repräsentiert durch die sogenannten Memorbücher; dies waren Synagogen- und Gemeindeerzeugnisse, die aber auch Berichte besonderer Taten und Leistungen einzelner enthalten. Von dem jüdischen Minnesänger Süßkind von Trimberg, aus dem 13. Jahrhundert, wird ein Bild gezeigt. Dem 16. Jahrhundert gehören mehrere Drucke und Stiche, zum Teil iaus der Sammlung des Prof. Kisch, an, von denen besonders die Holzschnitte aus Johann Pfefferkorns Jugendspiegel interessant sind. Originalhandschriften von Heines Atta Troll und dem Rabbi von Bacharach erinnern an den großen Dichter. Im gleichen Raum links ist sodann eine einzigartige Sammlung kostbarer, jüdischer Kultusgeräte aus alten, rheinischen Gemeinden aufgestellt. Thoravorhänge und Gebet-Teppiche aus wertvollen Stoffen, reich bestickt und mit Goldbrokat besetzt, schmücken die Wände. Davor prangen in Glasschränken alle Teile des Thoraschmuckes: Schilder, Bekrönungen, Behänge und Thorazeiger, die schönsten aus Mainz, Worms, Bonn und Heidelberg. Sie sind kunstvoll in Silber und Gold getrieben; besonders schön sind die Stücke aus der Rokokozeit. Außerdem sehen wir alle Arten von Festleuchtern, Waschgefäßen, Gemeindebechern, von denen einer aus Worms durch seine Schönheit auffällt; kostbare Schalen, Gewürzbüchsen in Form von zierlichen Türmchen. In einer Nische ist eine vollständig hergerichtete Tafel für den Vorabend des Osterfestes zu sehen. Das moderne rheinischjüdische Kunstgewerbe ist durch Metallarbeiten des Frankfurter Künstlers Leo Horowitz vertreten. Ein Glanzstück der Abteilung aber ist die herrliche Sammlung von alten jüdischen Trauringen aus dem Besitz des Hofjuweliers Koch aus Frankfurt; auf dunkelrotem Samt erglänzen die seltensten Stücke aus feinstem Goldfiligran, mit bunten Edelsteinen und Emailleeinlagen verziert. Daneben liegen alte Brautgürtel, silbergetrieben, mit reichgeschmückten Schnallen und Spangen. Die jüdische Baukunst im Rheinland wird in zahlreichen Photographien rheinischer Synagogen veranschaulicht, die mit der ältesten rheinischen Synagoge in Worms beginnen und mit dem modernen Prachtbau von Essen a. d. Ruhr enden. Einige Altäre, holzgeschnitzte Bänke und Schreine zeigen die Entwicklung der Innenbauten. Als Wandfries ist über den Vitrinen eine Folge von vergrößerten Wiedergaben der Stiche von Kirchner und Picard angebracht, die Szenen aus dem jüdischen Leben darstellen. Mehrere Originalporträte zeigen berühmte jüdische Männer des Rheinlands aller Zeiten. Von jüdisch-rheinischer Malerei sind zwei Bilder von Oppenheim von der Mitte des vorigen Jahrhunderts zu nennen, der Segen des Rabbi und eine jüdische Trauung. Eine Anzahl von Photographien zeigen Bauten und Einrichtungen jüdischer Wohlfahrtspflege im Rheinland.

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