Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 22 (29.5.1925)
- Date
- 1925-05-29
- Page
- Seite 425 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 425 Juden den Eintritt verwehre, weil kürzlich einige Wiener Abendblätter 'gegen politische Äußerungen des Professor Kobes protestiert hatten. Durch die heutige Aussperrung der jüdischen Studenten wollte man diese dahin bringen, daß sie den Zeitungen nahelegten, künftig derartige Artikel zu unterlassen. Dabei kam es zu stürmischen Auftritten. Auch solche jüdische Studenten, die Prüfungen ablegen sollten, durften die Hochschule nicht betreten. Die in den Hörsälen und Arbeitsräumen bereits anwesenden jüdischen Hörer wurden von den nichtjüdischen Studenten gezwungen, die Technik zu verlassen. Eine jüdische Abordnung begab sich zum Rektor Prof. S a 1 i n g e r , um dagegen Klage zu führen. Der Rektor erklärte, daß das Vorgehen der deutschnationalen Studenten ungesetzlich ist und vom Rektorat nicht geduldet werden könne, sistierte aber zugleich die Vorlesungen. * Wien. (J.T.A.) Die Vorlesungen und Arbeiten an der Wiener Technischen Hochschule, die am Dienstag wegen der tumultuösen Ausschreitungen gegen die jüdische Hörerschaft unterbrochen werden mußten, haben wieder begonnen. In einem Schreiben an den Unterrichtsminister rechtfertigt der Rektor der Technischen Hochschule Prof. S a 1 i n g e r die Haltung der antisemitischen Studentenschaft, die sich deshalb gegen die jüdische Kollegenschaft wandte, weil Wiener Zeitungen, insbesondere der „Abend“, eine scharfe Kritik des Vorgehens des Prof. Karl Kobes veröffentlicht haben. Dieses Schreiben des Rektors Salinger gibt der Wiener Presse neuerdings Anlaß zu einer scharfen Kritik gegen den an der Technischen Hochschule herrschenden Geist. Die ganze Affäre nahm ihren Ausgang darin, daß Prof. Kobes in einer Vorlesung über theoretischen Maschinenbau sich einen Ausfall gegen die „gewisse Rasse“ gestattete, was dem „Abend“ Anlaß zu einer scharfen Kritik geboten hat. Daraufhin hat die arische Studentenschaft den folgenden Beschluß gefaßt: „Der ungarische Jude Bekessy, der „Abend“ des Juden Kohn- C o 1 b e r t, als übelste Vertreter der jüdischen Journaille, haben sich erfrecht, den von jedem deutschen Studenten verehrten Professor Karl Kobes in gemeiner Weise anzugreifen. Es ist selbstverständlich, daß ein deutscher Student einer solchen Gemeinheit niemals fähig ist, wie es auch selbstverständlich ist, daß nur ein jüdischer Student, der, wie alle seine Standesgenossen, keine Ehrfurcht kennt, fähig ist, eine solche typischjüdische Frechheit zu begehen. Da sich in diesem Staat, der vorgibt, deutsch zu sein, keine Behörde befindet, welche dem Judentum in seinem Bestreben, jegliche Autorität zu untergraben, Einhalt gebietet, greifen wir deutsche Studenten zur Selbsthilfe. Als Repressalie für den jüdischen Angriff auf einen deutschen Professor wird den jüdischen Hörern am Dienstag, den 19. ds„ der Eingang in die Technische Hochschule verwehrt. Wenn die jüdischen Hörer auf dieser deutschen Hochschule ungehindert studieren wollen, dann mögen sie bei ihren tintenspritzenden Stammesgenossen dahin wirken, daß in Zukunft jedweder Angriff auf die deutsche Professorenschaft unterbleibe. Jeder weitere derartige Angriff hat eine neuerliche Sperrung der Hochschule für die Juden zur Folge.“ Es ist nun ungewiß, wie die arische Studentenschaft auf die neue Kritik seitens der Wiener Presse reagieren wird. Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Professor Dr. Pick und die Vizepräsidenten Dr. Löwenherz und Dr. Or enstein begaben sich ins Unterrichtsministerium und legten schärfsten Protest dagegen ein, daß die Affichierung des judenhetzerischen Aufrufs an dem Gebäude der Technik zugelassen worden war; sie verlangten die sofortige Räumung des Aufrufs. Eine Abordnung des jüdischen Hochschulausschusses und des jüdisch-akademischen Technikerverbandes sprach beim Rektor Salinger vor und protestierten gegen das Verhalten der antisemitischen Studentenschaft. Eröffnung der Kölner Jahrtausend-Ausstellung Der Reichskanzler und die übrigen Ehrengäste in der Abteilung „Juden und Judentum“. Köln (J.T.A.). Am 16. Mai, vorm 11 Uhr, wurde in der großen Halle im Rheinpark zu Köln-Deutz die Jahrtausend-Ausstellung durch einen Festakt eröffnet. Die in den Räumen 36, 37 und 38 untergebrachte Abteilung „Juden und Judentu m“ fand bei der ersten Führung durch Rabbiner Dr. Kober die ungeteilte Anerkennung der Ehrengäste mit dem Reichskanzler an der Spitze, sowie der Vertreter von Kunst und Wissenschaft. Die Abteilung „Juden und Judentum“ ist von den historischen jüdischen Gemeinden des Rheinlands beschickt und gibt in Dokumenten und Urkunden, in Schriftwerken und Abbildungen, besonders aber in Gegenständen des Kultus und religiösen Gebrauchs ein Bild der geschichtlichen und geistigen Entwicklung des rheinischen Judentums im Verlaufe eines Jahrtausends. Bei dem Festessen im Gürzenichsaal aus Anlaß der Ausstellungseröffnung, dem neben den in Verwaltung, Handel, Wissenschaft und Gesellschaft führenden Persönlichkeiten des ganzen Rheinlands der Reichskanzler, der preußische, bayerische, badische und hessische Ministerpräsident sowie eine Anzahl anderer Minister beiwohnten, hielt Oberbürgermeister Adenauer einte Ansprache, die als einen ihrer markantesten Sätze den Hinweis enthielt: „Diese Ausstellung ist das Werk aller Stände, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und ebenso aller Bekenntnisse, der Katholiken, Protestanten und Juden.“ Die Synagogengemeinde Köln war bei den Festveranstaltungen durch die beiden Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal und Dr. Kober, sowie den Vorsitzenden des Vorstands, Herrn Emil Blumenau, vertreten. Erhatic & Wille Herren- und Damenschneiderei MÜNCHEN Marienplatz 18/1 Telephon 23829