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Das jüdische Echo · 1925-05-29 · 22 (29.5.1925) · p. Seite 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
22 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
Seite 424 (sequence 8)
Language
German
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424 Das Jüdische Echo Nr. 22 andere Kette um das rechte Hinterbein geschlungen und unter der Fesselung durchgezogen, dann zwischen der Fesselung der Vorderfüße und Brustspitze wieder nach hinten geleitet und in die Windenkette gehängt. Solange ist jedes schmerzhafte Gefühl beim Tier ausgeschlossen. Wird nun die Winde angezogen, um das Tier auf die Seite zu legen, so dauert dieses Fallen nur einige Sekunden und das Hinterbein ist durch die Kette an die Fesselung der Vorderbeine herangezogen. Das linke Hinterbein ist bis jetzt bei diesem Niederlegen lose und frei, so daß das Tier bisher noch einen Stützpunkt beim Niederfallen zur Verfügung hatte. Auch hier kann eine Tierquälerei nicht erblickt werden. Nun wird der Kopf des Schlachttieres mit der Halsseite nach oben gedreht und mit den Hörnern nach unten. Jetzt kommt der Schächter mit dem dazu gehörigen großen, passenden, haarscharf geschliffenen und abgezogenen Messer und vollzieht den Schächtschnitt. Der Schnitt ist schnell und sicher und ist ein Fehlschnitt hier beim Schächten ausgeschlossen. Bei diesem Schnitt ist der Kopf von dem Tierkörper mit allen zusammengewachsenen Fleischteilen, sowie die kleinen Kreuzadern, die beiden großen Blutschlagadern,, die Speiseröhre und die Luftröhre durchschnitten und vollständig getrennt, so daß der fast abgetrennte Kopf mit dem Tierkörper nur noch durch Wirbelsäule, Genickmuskeln und Haut zusammenhängt. In diesem Augenblick stürzt sämtliches Blut des Tieres aus allen Blutadern sowie hauDtsächlich das Blut aus dem Kopf und Gehirn mit voller Kraft und Gewalt aus dem Körper. Die Ohnmacht und Gefühllosigkeit des geschnittenen Tieres tritt sofort ein. Es kann von einer schmerzlichen oder überhaupt einer Tierquälerei in diesem Falle beim Schächten gar keine Rede sein. Die Ausblutung des geschlachteten Tierkörpers ist hier mindestens ebenso gut und sogar noch besser, als bei allen anderen Schlachtmethoden. Dasselbe trifft auch zu, wenn Kälber und Hammel geschlachtet werden. Man kann unmöglich das Fesseln der Tiere als Tierquälerei bezeichnen. Ich weise darauf hin, daß ja bei allen Kastrierungen der anderen Tiere, beim Schneiden der Hengste, Baier, Böcke und Eber diese Fesselung vorgenommen werden muß. Bei ganz jungen Lämmern und Ferkeln ist die Fesselung beim Schneiden nicht nötig und überflüssig. Es ist doch für die allgemeine Volkswirtschaft und Ernährung das Kastrieren der betreffenden Tiere unbedingt notwendig; sonst würden wir statt gutem Ochsenfleisch nur Bullenfleisch, statt gutem Borgsfleisch nur Baierfleisch, statt gutem Hammelfleisch nur Bockfleisch zu essen bekommen. Genau so bei den Pferden würden wir statt einem ruhigen Wallach nur einen mutigen, unruhigen Hengst fahren können. Die Operation der Kastrierung geht bei den Tieren nicht ohne Schmerz ab. Ich weise weiter darauf hin, daß bis jetzt kein Geflügel beim Schlachten betäubt wird, sondern es wird durch Schnitt vom Leben wammmmamm Te^tilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.'<3. München / Frankfurt^' / Leipzig Zentrale München, hesstrasse 74/76 f5auptgeschäftDachauerstr.9.lllustr. Katalog gratisu.franko zum Tode befördert und der Kopf beim Geflügel bleibt am Körper. Das ist ebenso bei den Hühnern, Puten, Gänsen und Enten der Fall. Da kann von einer Tierquälerei ebenfalls gar keine Rede sein. Ebenso weise ich auf die Jagd hin. Wieviele Fehlschüsse kommen wohl bei der Jagd vor, wo das Wild nicht gleich beim ersten Schuß unterm Feuer bleibt, sondern einen Fehlschuß in die Keule oder Bauchhöhle bekommt und das Tier schwer verwundet öfters stundenlang mit großen Schmerzen herumläuft, ehe es zusammenbricht und verendet. Selbst dann, wenn ein Keulenschuß zur Ausheilung kommt, hat das Tier noch viel länger Schmerzen zu ertragen, bis es vollständig ausgeheilt ist. Dies kommt ja auch bei der Ficherei vor, hauptsächlich beim Angeln, sowie beim Legen von Aalhaken und anderen Methoden. Da könnte eher eine Tierquälerei in Frage kommen. Es kommt vor, daß die gefangenen Fische mit dem Angelhaken sich den ganzen Rachen zerreißen und so ein Fisch lange Zeit mit großen Schmerzen, bis er abstirbt, herumschwimmt. Ich bemerke weiter, daß nur rohe und gefühllose Menschen Tiere mutwillig und nutzlos Schmerzen bereiten werden. Jeder nutzlose und scharfe Peitschenhieb bei dem Fuhrwerkswesen verursacht dem Tiere mehr Schmerzen als die angeführten Schlachtmethoden. Der betreffende Fleischermeister ohne Namensnennung wird hoffentlich, wenn er meine Darlegung liest, eine andere Meinung über seine angebliche Tierquälerei beim Schächtschnitt bekommen. Sollte er aber trotzdem noch bei seiner unrichtigen Gefühlsduselei bleiben, dann rate ich ihm, er soll sein Schlachtbeil und sein Schlachtmesser an die Seite stellen; ebenso soll er das Fleisch- und Wurstessen einstellen und Vegetarier werden. Ich will mit meinen Ausführungen für heute schließen, stehe aber mit richtigen sachlichen Beweisen und Ausführungen weiter jederzeit zur Verfügung.“ Der Wiener Studentenstreik Ausdehnung der antisemitischen Studentenunruhen in Wien — Streik an der Hochschule für Bodenkultur — Ausschreitungen an der Technischen Hochschule Wien. (J.T.A.) Der von der antisemitischen Studentenschaft der Hochschule für Bodenk u 11 u r angekündigte Streik wegen Nichtausführung ihres Beschlusses, keine ausländischen Juden aufzunehmen, hat am Montag, den 18. Mai begonnen. Das Rektorat hat die Sistierung der Vorlesungen für acht Streiktage ausgesprochen. Derweil herrscht Ruhe. Die Zahl der jüdischen Hörer der Hochschule für Bodenkultur beträgt etwa 80—100. Ausländer studieren an dieser Anstalt in geringer Zahl. Die antisemitische Hörerschaft hatte es hier durchgesetzt, daß die neuaufgenommenen Hörer in ihrem Nationale die Abstammung der Eltern angeben. Am Dienstag, den 19. Mai ereigneten sich an der Wiener Technischen Hochschule stürmische Lärmszenen, indem die antisemitische Hörerschaft in rücksichtsloser Weise gegen die jüdischen Kollegen vorging. Das Rektorat verfügte die Sperre der Technik. Die Studentenkammervertretung der hakenkreuzlerischen Studenten hielt heute morgen das Haupttor der Hochschule besetzt und ließ niemand hinein, der sich nicht als Arier ausweisen konnte. Ein Anschlag neben dem Eingang verkündete, daß man allen

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