Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 22 (29.5.1925)
- Date
- 1925-05-29
- Page
- Seite 420 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Das Jüdische Echo Nr. 22 von deren Anhängern innerhalb des C.-V. im Rahmen seiner Organisation, im Kleinen ausgetragen. Dabei sondern sich naturgemäß diejenigen Kreise, die dem zionistischen Palästina-Aufbau nahestehen, besonders schroff von denjenigen, deren heimlicher König N a u in a n n heißt.“ Und in Hinblick auf Jewish Agency sagt der Verfasser: „Diejenigen Parteien, die nicht selber die notwendige Veränderung in ihre Rechnung einstellen, werden der Zwangsläufigkeit der historischen Entwicklung deshalb doch nicht entgehen, sondern von denselben Faktoren zermalmt werden, die sie hätten nützen können. Es scheint, daß in den leitenden Kreisen des Centralvereins . . die richtige Erkenntnis noch nicht in genügendem Umfange Platz gegriffen hat und daß daher diese Organisationen allmählich von ihrer jetzigen Bedeutung werden heruntersteigen müssen, falls sie sich nicht eben doch noch — in letzter Stunde! — umstellen.“ Wir können diese Ausführungen nicht schließen, ohne ihnen noch eine Mitteilung hinzuzufügen, die das ganze Unheil, das der Centralverein mit seiner Haltung für das deutsche Judentum heraufbesehwört, grell beleuchtet. In einer Berliner Zeitung wird am 23. Mai ein Schreiben veröffentlicht, das am 2. Februar, also einen Tag nach der Wahl zum Preußischen Gemeindeverband an den preußi- Minister des Inneren Severing gerichtet wurde. Dieses Schreiben lautet: „Am 1. Februar dieses Jahres fanden die Wahlen zum preußischen Landesverbände jüdischer Religionsgemeinden statt. Unter den Kandidaten der Breslauer zionistischen Gruppe befand sich auch der preußische Beamte Dr. Marcus, Regierungsrat heim hiesigen Oberpräsidium. — Über die bewußt destruktive Tendenz des Zionismus unterrichtet uns am besten ein Flugblatt, das der hiesige jüdischliberale Wahlausschuß zur Aufklärung an seine Wähler herausgab, und in dem — in bezug auf eine hier stattgehahte Versammlung — folgende kennzeichnende Worte zu lesen sind: „Was da von zionistischer Seite an Beschimpfungen aller auch nur irgendwie deutsch fühlenden Juden im Idiom des Jargon geleistet wurde, ist kaum zu beschreiben.“ Diese bewußte Untergrabung deutscher Interessen ist keineswegs auf einige zionistische Schreier beschränkt, sondern wird auch von der verletzenden Tätigkeit der zionistischen Kandidaten im weitesten Maße unterstützt. So hat der obengenannte preußische Beamte Dr. Marcus sich unlängst in einer Versammlung Äußerungen erlaubt, die die berechtigte Frage aufwerfen, wie es möglich sein kann, daß eine zionistische, also unter absoluter Regierung deutscher Staatszugehörigkeit jüdischvölkisch eingestellte Persönlichkeit in einer preußischen Staatsverwaltung, die von den Steuern der deutschen Bürger unterhalten wird, einen (und noch dazu derart einflußreichen) Posten einnehmen darf. Die grundsätzliche Stellungnahme wird auch von der Spitzenorganisation der deutschen Judenheit dem „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ und in noch schärferem Maßfe von dem von Herrn Dr. Naum a n n geleiteten „Verband nationaldeutscher Jude n“ vertreten. Einzig hei dem für die Ernennung preußischer Beamten maßgebenden Stellen findet diese unbestreitbare Logik kein Gehör. — Im übrigen ist der erwähnte Herr Dr. Marcus nicht der einzige Zionist im höheren Verwaltungsdienst Preußens. Um nur noch zwei Beispiele herauszugreifen: Auch die Herren Regierungsrat Dr. Hamburg e r - B r e s ln u und Ministerialrat im preußischen Innenministerium Dr. Hermann B a d t - Berlin bekennen sich zur zionistischen Idee. Wir gestatten uns daher die Anfrage, ob das preußische Innenministerium der Ansicht ist, daß derartige Persönlichkeiten, die sich selbst außerhalb des Staates fühlen und deren nationaler Zionismus eine Kombinierung mit ihrer Tätigkeit als preußische Beamte auf keinen Fall zuläßt, geeignet sind, führende Stellen im preußischen Verwaltungskörper einzunehmen Soweit der Wortlaut des Schreibens. Wer hei dieser Denunziation die geistige Vaterschaft nicht deutlich erkennt, müßte blind sein. Überflüssigerweise werden die Organisationen, die dem Interpellanten das Material lieferten, mit Namen ge - n a n n t. Es wäre höchst bedauerlich, wenn der Eindruck entstünde, daß wir angesichts dieser Verleumdung unserer Empörung Luft machen, weil es sich hier um den Versuch einer Entrechtung der deutschen Zionisten handelt. Wir sind weit entfernt davon, aus diesem wahrscheinlich aus rein antisemitischen Tendenzen heraus verfaßten Schreiben parteipolitisches Kapital zu schlagen. Wir wollen nur zeigen, in welch gefährlichen Abgrund dieser „Abwehr“-Kampf des Centralvereins das gesamte deutsche Judentum führt. Oder reiben sich die Leiter des C. - V. etwa selbstgefällig die Hände darüber, daß ihre Saat so gut aufgegangen ist? Wir glauben nicht, daß sie so bar jedes Verstandes sind, um nicht einzusehen, daß sich hier eine Hölle auftut, die nicht nur Zionisten, sondern alle deutschen Juden zu erfassen droht. Oder glauben die verantwortlichen Politiker des Centralvereins in der Tat, daß im Ernstfälle man zwischen Zionisten und Juden viel unterscheidenden Federlesens machen wird und daß die Mitgliedschaft im Centralverein vor Entrechtung schützen wird? Ist man so verblendet, nicht einzusehen, daß die Methode der Denunziation und Agitation für Entrecht tung der „anderen“ Juden auch die Mitglieder des Zentralvereins schließlich in das Chaos der Vernichtung mitreißen wird? M. M. * * * Am Montag, d. 18. d. Mts., hatte die Frankfurter Ortsgruppe des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ zu einer Mitgliederversammlung in den kleinen Saal der Frankfurtloge geladen. Die Aufforderung war den Mitgliedern — wohl mit Absicht — so verspätet zugegangen, daß die starke Opposition gegen die Politik des Berliner Hauptvorstandes und des Frankfurter Vorsitzenden, Dr. Mainzer, nicht voll zur Auswirkung kommen konnte. Zahlreiche Mitglieder zeigten ihr Mißtrauen gegen die jetzige Leitung deshalb nur dadurch, daß sie der Versammlung fernblieben, die denn auch nur recht spärlich besucht war, obwohl ein eigens hergesandter Delegierter des Hauptvorstandes ihr beiwohnte. Immerhin kam es zu einer fast zweistündigen, außerordentlich heftigen Debatte über die Wahlen zum Preußischen Landesverband und über die bekannte antizionistische Parole der CV. Leitung. Auch Herrn Dr. Mainzer werden schwere Vorwürfe wegen der nicht unparteiischen Art gemacht, in der er sich im Wahlkampfe betätigt habe. Infolge all dieser Mißlichkeiten ist bereits eine erhebliche Anzahl, meist konservativer Herren aus dem CV. überhaupt ausgeschieden, während Herr Felix Mayer, konservativer Repräsentant der Frankfurter Gemeinde, sein Amt im Vorstand