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Das jüdische Echo · 1925-05-22 · 21 (22.5.1925) · p. Seite 408

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
21 (22.5.1925)
Date
1925-05-22
Page
Seite 408 (sequence 16)
Language
German
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408 Das Jüdische Echo Nr. 21 Arbeitern und Bauern heran. Daß Hebräisch in Palästina eine lebendige Sprache ist, Labe auf ihn tiefen Eindruck gemacht, und er freue sich, daß auch in den Schulen der Alliance Hebräisch gelehrt wird. Er sei voll Hoffnung bezüglich der Zukunft Palästinas als nationales jüdisches Zentrum. (Ziko.) Bekenntnis eines Sozialisten zum jüdischen Staat Berlin (J.T.A.). In einer Versammlung des „Vereins sozialistischer Ärzte“ berichtete Dr. Z a d e k , einer der führenden Berliner Sozialisten, über seine Eindrücke und Erfahrungen während seines zweijährigen Aufenthaltes in Palästina. Er gab in fesselnder Schilderung ein lebendiges Bild von Land und Leuten, Leben und Treiben im neuen jüdischen Heim. Er behandelte ausführlich das Wesen der Krankenversicherung in Palästina, sowie das nach seiner Ansicht mustergültige Gesundheitswesen in diesem Lande überhaupt. Der Referent schloß mit dem Bekenntnis, daß er in Palästina keineswegs Zionist geworden is.t, daß er aber an einen Aufbau des jüdischen Staates glaube. Maßnahmen zur Rettung der palästinensischen Ernte Das landwirtschaftliche Departement der Palästina-Exekutive unternimmt energische Schritte,, um die Ernte der zionistischen Siedlungen im Emek und im Jordantal zu retten, die durch den Mangel an Regen außerordentlich bedroht ist. Es ist die Anlage einer teilweisen Bewässerung: der Felder vorgesehen, durch die es den Siedlern möglich gemacht werden soll, trotz des Wassermangels, Gemüse für eigenen Bedarf und für den Verkauf auf den Markt zu ziehen und diese sofür den Ausfall an anderen Produkten schadlos zu halten. Auch wird erwogen, auf dem KKL- Boden in Nuris mit seinen verschiedenen, aus den Mitteln des KH errichteten Siedlungen eine großzügige Bewässerungsanlage durchzuführen und auf diese Weise die landwirtschaftliche Produktion soweit wie möglich von den Schwankungen des Regenfalls unabhängig zu machen. Feuilleton ||1|||M1111| Und Mendele Ist alt geworden . .*) Neue Züge und Linien. (Schluß) 4. Seit jener Zeit befaßte sich der Greis fast gar nicht mehr mit literarischer Arbeit und mit schöpferischer Arbeit überhaupt. Seine Kraft erschlaffte; er vermochte nicht mehr seine Gedanken zu konzentrieren. Auch die Fluren und der Meeresstrand, bei denen er den ganzen folgenden Sommer weilte und die seinen Leib ein wenig kräftigten, machten seinen Geist nicht viel frischer. Die wenigen Tropfen der Feuchtigkeit, die noch im Erdreich seines Quells geblieben waren, kamen von nun ab in seinen zahlreichen Gesprächen und seinen Träumen zum Vorschein. Die klaren Träume Mendeles waren seit jeher wunderbar und sind eine Dichtung für sich. Meist wurde er von ihnen in den Zeiten der Muße heimgesucht, in der Faulheit, da ihm die Tage des Ausruhens von literarischer Arbeit lang wurden; sie waren in den Augen des Greises immer N\ie Zeichen der „Empfängnis und Schwangerschaft' seines Geistes vor einer neuen „Geburt**. Jetzt, da die Tage langen und vollständigen Rubens da waren, kamen seine Träume noch häufiger über ihn; in ihnen gab er den letzten Rest seines Geistes her. In ihrer machtvollen Klarheit und ihrer genauen Vergegenwärtigung der Einzelheiten glichen sie mitunter Wachträumen und prägten sich dem Gedächtnis des Hörers für die Dauer ein. Noch heute ist in meinen Augen wie neu der wunderbare Anblick des Sonnenuntergangs im Paradies am Vorabend des Sabbaths nach der Erschaffung der Welt, den der Greis in einem Nachtgesichte gesehen und mir am Tage darauf mit all seinen Einzelheiten und Besonderheiten und im Glanze des ihm eigenen traumhaften Lichts und der ihm eigenen traumhaften Luft geschildert hat. Wenn er zuweilen etwas aus seinen Erinnerungen vortrug, ließ er darauf manchmal vom Geiste und vom Glanze des Traums ausströmen: da war er in unsern Augen wie einer, der im Wachen träumt. *) Vergl. Jüd. Echo Nr. 19 u. 20. Auch ii\ seinen sonstigen Gesprächen kamen mitunter da und dort Perlen an die Oberfläche, in denen sich der ganze Mendele offenbarte: ein schöner Ausspruch, ein kluger Einfall, ein wunderlicher Gedankensprung, eine reizende Schilderung — aber das kam, wie gesagt, tropfenweise und war die Neige. Aus seinem übersprudelnden und gärenden Becher gab er niemandem mehr zu trinken. Schon war der Becher seiner zitternden Hand entsunken, und die nach ihm dürsteten, mußten umkehren und ihr Begehren blieb ungestillt. Die letzten vereinzelten Strahlen der untergehenden Sonne seines Geistes brachen sich nur mit schwerer Mühe durch die engen Risse des Altersgewölkes Bahn und da sie zu uns gelangten, waren sie schwach und erkaltet. Mitunter kam jetzt sein ganzes Gespräch wie ein Traum mit viel Wirrnis und einem Schwall von Worten; und ohne zwischen Unmöglichem und Möglichem zu unterscheiden, sah der altersschwere Greis noch eine Zukunft gewaltiger literarischer Arbeit vor sich, einer vielgestalten, mühevollen Arbeit inmitten eines Phantasiekreises von Gelehrten und Freunden, die seiner Stimme lauschen würden; sie würden in einem abgesonderten Bezirke wohnen (einer Art „Jäbne“ oder „Quadernhalle“), der durch ihn, nach einem ihm selbst und der Sache gemäßen Plane begründet und erbaut werden sollte, sei es auf einem der Berge in der Umgebung Odessas oder in einer Kolonie in Erez Israel. An diesem Orte, in dem großen Lehrhaus Mendeles, würden noch einmal alle seine geliebten Anhänger von je, seine Freunde und Schüler von überall her Zusammenkommen; Achad Haam, Dubnow, Ben Ami u. a; und indem sie wie Brüder beisammen säßen, würden sie ihre Tage erneuern wie einst und noch mehr als einst: von ihnen würde Lehre, Weisheit und Unterweisung ausgehen zu allen Zerstreuten Israels ... Dieser sonderbare Traum, den er in jener Zeit zu weben begann, haftete in seinem Hirn wie ein Nagel und wurde allmählich zu einem Wahngebilde seines Geistes, zu einer fixen Idee. An ihm hielt der Greis mit beiden Händen fest, mit der letzten Kraft seiner Phantasie und bis zu seinem Tage. Kein Rüstzeug der Logik kam dagegen auf. Als daher

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