Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 21 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- Seite 407 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153813--06786-9079503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 2× ep/1000826
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. 21 Das Jüdische Echo 407 ren vor, welche eine gesicherte Form der Kapitalsanlage darstellen. Das erste dem Publikum zu offerierende Wertpapier sollen Hypothekenbonds sein. Das beauftragte Komitee bat amerikanische Investoren, anlockende Bedingungen auszuarbeiten. Da diese Obligationen erstklassig sind, ist zu hoffen, daß hier ein neuer Weg gefunden ist zur Finanzierung unseres Aufbauwerkes, der sowohl für Palästina wie für den Investor selbst von Vorteil ist. Der Vorschlag sieht die Errichtung einer Korporation vor sowie den Verkauf von Hypothekenbonds, um den Bau von 1000 Häusern in Palästina zu erleichtern. Die Resolution wurde einstimmig angenommen, Emigranten aus Rußland werden achtzig Jahre auf Einreise-Visa warten müssen Washington (J.T.A.). Laut den Berichten, die beim Staatsdepartements für Arbeit und Immigration eingelaufen sind, haben bis jetzt 160 000 russische und 75 000 polnische Staatsangehörige Gesuche um Zuerteilung von Visen zur Einreise in die Vereinigten Staaten eingereicht. Mit Beginn des neuen Quotenjahres am 1. Juli 1925 werden aber laut dem neuen Einwanderungsgesetz aus Rußland bloß 2248 und aus Polen 5982 Personen einwandern dürfen. Demnach würden diejenigen russischen Staatsangehörigen, die als letzte auf der Liste stehen, beinahe achtzig Jahre auf ein Visum warten müssen, die polnischen Staatsangehörigen fast fünfzehn Jahre. Nicht viel besser steht es um die Emigrationswilligen aus den anderen osteuropäischen Ländern, wie z. B. aus Lettland mit einer Jahresquote von 152, Rumänien mit 603 und Litauen mit 344. Präsident Coolidge für die Aufrechthaltung der Einwanderungsbeschränkung Wien (J.T.A.). Der Korrespondent des „W i en e r T a g b 1 a 11“ in Washington übermitteln seinem Blatte die folgende Information aus authentischer Quelle: Es besteht zur Zeit keinerlei Aussicht auf eine Milderung der amerikanischen Immigrations-Bill. Präsident Coolidge habe ausdrücklich erklärt: Die Erhaltung der amerikanischen Rasse heische eine dauernde Aufrechterhaltung der jetzt geltenden Beschränkungen für neue Einwanderer. Auch für die amerikanische Wirtschaft sei eine freie Einwanderung aus Europa nicht tragbar. Wie die jüdischen Kommunisten in Rußland das Parteiverbot der Kinderbeschneidung umgehen Riga (J.T:A.). Die Charkower Zeitung „Kommunist“ klagt in einer ihrer letzten Nummern, daß zahlreiche jüdische Kommunisten das Parteiverbot, die neugeborenen Söhne rituell beschneiden zu lassen, durch allerlei1 Vorwände zu umgehen wissen. Manche lassen sich von Chirurgen bescheinigen, daß der „operative Eingriff“ gesundheitlich geboten war, andere aber verlassen am Beschneidungstage ihren Wohnort, um dann die Ausrede zu haben, daß der Beschneidungsakt ohne ihr Wissen vollzogen worden ist. Die Zeitung fordert Einschreiten der Parteigerichte. In den Tod gegangen, um nicht Genossen verraten zu müssen Berlin (J.T.A.). Die Kreise der Zionisten- Sozialisten „Zeire Zion“ erhielten aus Rußland in den letzten Tagen neuerdings Nachrichten über Verfolgungen der Angehörigen der zionistischsozialistischen,Bewegung „Zeire Zion“. Einen erschütternden Eindruck rief die Nachricht über ddn Selbstmord der jungen Berta Lewin hervor, die sich im Gefängnis das Leben nahm, um nicht ihre Genossen verraten zu müssen, wozu sie die G.P.U. (politische Polizei) zwingen wollte. Am Tage der Bestattung Berta Lewins erließen die Anhänger der linken Zeire-Zion-Bewegung in Tausenden von Exemplaren eine flammende Proklamation an die jüdische Arbeiterjugend, in welcher das Vorgehen der Polizei gegen Berta Lewin gebrandmarkt und die Tote als Märtyrerin gefeiert wurde. Prof. Max L. Weber liest in Madrid über die spanischen Juden im Orient Berlin (J.T.A.). Professor Max L. W e b e r von der Berliner Universität begann in der Madrider „Vereinigung für geschichtliche Studien“ eine Reihe von Vorlesungen über das Thema „Die spanischen Juden im Orient“, das seit kurzer Zeit in Spanien eine gewisse Wichtigkeit erlangt hat. Professor Weber sprach in seiner ersten Vorlesung über die verschiedenen Fragen der heutigen Lebensweise, der Kultur- und Sprachentwicklung jener seit dem Jahre 1492 aus Spanien Ausgewiesenen und verweilte besonders bei der interessanten Tatsache, daß in manchen von ihnen bewohnten Gegenden die spanische Sprache mehr oder weniger rein sich erhalten hat und teilweise einen ausgesprochen altertümlichen Charakter aufweist und ursprünglicher ist als das heute auf der Halbinsel gesprochene Spanisch. Die Vorlesungen verdienen insbesondere deshalb allgemeine Aufmerksamkeit, weil in Spanien seit kurzem eine Bewegung im Gange ist und sogar bei der jetzigen Militärregierung Unterstützung findet, die darauf ausgeht, die nunmehr seit Jahrhunderten. in der Türkei und anderen dortigen Ländern wohnenden „Sefardim“ zur Rückkehr aufzufordern. Von vielen Seiten wird jetzt die Frage der Rückkehr jener Juden in bejahendem Sinne beantwortet, da auch zweifellos sehr wertvolle Kräfte, die damals dem Lande verloren gingen, ihm wieder zugeführt würden. Von kirchlicher Seite aus jedoch wird dem Vorschlag ein starker, wenn auch mehr verborgener Widerstand entgegengesetzt. Ein jüdisches Museum in Odessa Riga (J.T.A.). Die Bildungsabteilung des Gouv. Odessa beschloß die Begründung eines Museums jüdischer Altertümer auf den Namen des jüdischen Dichters Mendele Mocher Sforim. Die Museumsleitung erhält das Recht, Objekte jüdischer Kultur aus den Museen in der Ukraine zu entfernen und dem jüdischen Museum einzuverleiben. Beitrag der Züricher Kultusgemeinde für den Keren Hajessod Die Generalversammlung der Israel. Kultusgemeinde in Zürich hat soeben beinahe einstimmig den Beschluß gefaßt, in das Budget einen Posten von Frs. 3000 für den Keren Hajessod aufzunehmen. (Ziko.) Der französische Grand Rabbin für den Palästina-Aufbau Der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrte französische Grand Rabbin Dr. Israel L e v y äußerte sich einem J.T.A.-Vertreter gegenüber in sehr optimistischer Weise über die Lage in Palästina. Palästina werde ja unmöglich die 17 Millionen Juden der ganzen Welt aufnehmen können, aber es bilde, sich dort ein jüdisches Zentrum, es-wachse dort eine neue starke Generation von