Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 21 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- Seite 406 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Nr. 21 Das Jüdische Echo Gegen die Politisierung der Jugend B e r 1 i n - (J.T.A.). Den Schülern und Schülerinnen der Lehranstalten Berlins wurde ein Erlaß des Provinzialschulkollegiums bekanntgegeben, der das Tragen von Abzeichen, Bändern und Symbolen aller Art in der Schule verbietet. Die demokratische Presse stellt mit Genugtuung fest, daß nun dem Hakenkreuz-Unwesen an den Schulen Einhalt geboten wird. Numerus clausus-Streik der völkischen Studentenschaft in Wien Wien (J.T.A.). Die Studentenschaft der Wiener Hochschule für Bodenkultur hat in einer Versammlung am 15. Mai den Beschluß gefaßt, ab Montag, den 18. Mai, in einen zunächst achttägigen Proteststreik zu treten, wenn die Hochschule nicht für Auslandsjuden gesperrt würde. Die Studentenschaft hat noch zu Beginn des Sommersemesters die Forderung nach Ausschluß der ausländischen Juden gestellt, das Professorenkollegium hatte jedoch beschlossen, daß an der Hochschule eine prinzipielle Ablehnung der Aufnahme von ausländischen Juden nicht erfolgen könne. — Als nunmehr der Streikbeschluß der Studentenschaft bekanntgegeben wurde, trat das Professorenkollegium neuerdings zusammen und beschloß wiederum, die Forderung der Studentenschaft abzulehnen. Demnach ist der Streik unvermeidlich. Da Unruhen seitens der antisemitischen Hörerschaft befürchtet werden, werden in den Streiktagen Vorlesungen und Prüfungen ausfallen. Amerikanische Begrüßung an Robert Stricker Wien (J.T.A.). Die Redaktion der „W iener Morgenzeitung“ erhielt aus Anlaß des bekannten Prozesses gegen Robert Stricker, der bekanntlich zu 1000 Schilling Geldstrafe verurteilt wurde, weil er den Spruch eines Richters, der den Ausdruck „jüdische Frechheit“ ungeahndet ließ, ein „Bubenstück“ nannte, den folgenden Radio Spruch aus New York: „Anläßlich Stricker-Prozesses drücken wir unsere Bewunderung aus für die Unerschrockenheit Strickers im Kampfe für jüdische Ehre und Recht.“ Gezeichnet: Mary Fels (Führerin der amerikanisch-jüdischen Frauenbewegung), Richards (Generalsekretär des amerikanisch-jüdischen Kongresses), Louis Lipsky (Mitglied d. Zionistischen Exekutive), Leo M o t z k i n (Generalsekretär der jüdischen Delegation beim Friedenskongreß), Alexander Ahronson (der gew. Kommandant der amerikanisch-jüdischen Legion in Palästina) u. v. a. Der liberale Professor Jorga für Entjudung der rumänischen Städte Bukarest (J.T.A.). Der Führer der rumänischen Liberalen Prof. Jorga, der sich von einem Judenfreund allmählich zum Antisemiten wandelt, tritt in der Zeitung „Neamne Romanese“ für eine Romanisierung der rumänischen Städte ein. Er schlägt vor, daß man die „parasitären Elemente“, mit welchen er unzweideutig die Juden meint, aus den Städten entfernt und echte Rumänen aus den Dörfern in den Städten ansiedelt, um so den rumänischen Städten, insbesondere der historischen Stadt Jassy, ein nationales Gepräge zu geben. Gefährliche Judenhetze in den polnischen Volksschulen Warschau (J.T.A.). Der jüdische Parlamentsklub von Polen interpellierte den Unterrichtsminister wegen der gefährlichen Judenhetze, die in den Volksschulen, besonders in den kleineren Orten, vor sich geht. Als Beispiel für die Schulthemata, die den Kindern aufgegeben werden, führten die Interpellanten die folgenden an: „Die jüdische Pest vergiftet die polnische Seele.“ — „Der Jude ist eine Schlange an unserer Brust.“ — „Wer im Kampf mit den Juden Blut vergießt, der dient Polen.“ — „Hinaus mit den Juden aus Polens Grenzen.“ Fortdauer der antisemitischen Exzesse in Oran Paris (J.T.A.). Die antisemitischen Unruhen, die in Oran, dem Hauptorte der spanischen Zone in Algerien, am Tage der Gemeindewahlen eingesetzt hatten, dauern mit verminderter Intensität fort. Trotz des verstärken Polizei- und Truppenaufgebots gelingt es den Exzedenten hie und da, in das jüdische Viertel einzudringen und Mißhandlungen und Plünderungen auszuführen. Noch am 7. Mai haben fanatisierte Anhänger des neuen antisemitischen Bürgermeisters das Warenhaus des Juden Bentata in der Rue d’Orleans vollständig ausgeplündert; an dem gleichen Tage wurde das Geschäftshaus der Brüder Touboul auf dem Place de Republique demoliert. Noch kritischer wird die Lage dadurch, daß ein Teil der Stadtangestellten und der Polizei sich aus Anhängern des Bürgermeisters zusammensetzt und das jüdische Element drangsaliert. Fahnenweihe der Jüdischen Bataillone London. (J.T.A.) Wie die, zionistische Organisation in London mitteilt, hat der König als Ehrenchef der Königlichen Füsiliere die Einweihung und Aufbewahrung der Fahnen der jüdischen Bataillone (38., 39. und 40. Bataillon der Königlichen Füsiliere) in der Großen Synagoge zu London am 24. Mai, dem Tage des Zusammentritts der britischen Reichskonferenz, sanktioniert. Auch hat der König die eventuelle Überführung der Fahnen des 40. Bataillons nach Jerusalem genehmigt. Es wurde ein spezielles Komitee gebildet, welches die nötigen Arrangements zu treffen haben wird. Die Fahnen werden in einer Prozession vom Hause der zionistischen Organisation durch die Straßen Londons zur Großen Synagoge getragen werden. — Ein Ehrenbataillon samt Militärorchester wird voranmarschieren. Der Oberrabbiner von England wird gemeinsam mit dem Oberfeldprediger Michael Adler und Feldprediger Rev. Walter Levene die Zeremonie leiten. Eine Resolution der amerikanischen Exekutive über die Plazierung palästinensischer Obligationen Die Sitzung des amerikanischen Exekutiv-Komitees vom 29. März in New-York faßte zwei Resolutionen von umfassender Bedeutung. Die erste fordert die Schaffung eines Universitätsfonds, worüber wir bereits berichtet haben. Die zweite Resolution behandelt die Frage palästinensischer Obligationen. Judge Bernard A. Rosenblatt erstattete einen Bericht, in dem er die unbedingte Notwendigkeit betont, daß man Mittel und Wege suchen müsse, um nach Palästina große Geldsummen zu leiten, und zwar nicht über den Weg des Keren Hajessod, sondern als Investierungen in feste Obligationen, um auf diese Weise für den Aufbau Palästinas ein reiches Kapital zusammenzubringen und gleichzeitig der palästinensischen Mittelklasse zur Selbständigmachung zu verhelfen. Der Bericht Rosenblatts sieht die Einsetzung einer Verkaufsagentur für'eine Gruppe’Won Wertpapie-