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Das jüdische Echo · 1925-05-22 · 21 (22.5.1925) · p. Seite 403

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
21 (22.5.1925)
Date
1925-05-22
Page
Seite 403 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2i Das Jüdische Echo 403 Zahl der regulären jüdischen Fabrikarbeiter als Ausfluß der von den meisten Fabriken aus Rentabilitätsgründen nicht durchgeführten Sabbathr u h e erklärt. In diesem Zusammenhang stellte der Diskussionsredner noch die verderblichen wirtschaftlichen Folgen dar, die die neuerdings rigoros durchgeführte Sonntagsruhegesetzgebung für die Juden habe, die jetzt zwei Tage in der Woche zu ruhen gezwungen sind. Ferner behandelte Dr. Straus noch das Problem der Ostjudeneinwanderung nach Deutschland und beleuchtete besonders die von gewissen politischen Parteien systematisch genährten übertriebenen Vorstellungen von der Zahl der ostjüdischen Einwanderung in der letzten Zeit. Ferner verwies er auf die von der deutschen Regierung selbst während der Kriegsjahre geförderte Überführung ostjüdischer Arbeiter nach den deutschen Industriegebieten und die politische Bedeutung der Aufnahme ostjüdischer Flüchtlinge durch Deutschland in den russischen Revolutipnsjahren. Ferner stellte Herr Dr. Straus fest, daß die beiden Lösungen des Zionismus und des Volkismus, die Prof. Zwiedeneck-Südenhorst distinktiv behandelte, einander nicht ausschließen, daß man also Zionist und zugleich auch Anhänger des Kampfes für die jüdischen Minderheitsrechte in den Diasporaländern sein könne. Darin liege keinerlei Widerspruch. Der Redner erwiderte, daß nach seinem Wissen die Erklärung der geringen Zahl jüdischer Fabrikarbeiter durch das Festhalten der Arbeiter an der Sabbathruhe nicht restlos erklärt werden könne, daß er vielmehr eine gewisse seelische Abneigung des Juden vor der mechanischen Fabrikarbeit annehme. Er habe in seinem Referat den Zionismus weniger als Wanderungsproblem denn als Wandlungs problem, als psychische Reform i d e e behandelt, da nach seiner Meinung diese Seite des Zionismus bedeutungsvoller für die Besserung der jüdischen Situation sei als seine lokale Konzentrationsidee. Der Redner sieht in der Züchtung des Scharfsinns bei den Juden, im „restlosen Zuendedenken der Probleme“ die Ursache für den wirtschaftlichen Revolutionismus und die häufige Negierung der bestehenden Gesellschaftsordnung durch Juden. Die messianische Idee des Judentums, die stets konkrete, aktuell-politische Vorstellungen hatte, bilde eine Gefahr für die ganze Menschheit. „Es gilt“, .so sagte der Redner am Schluß, „den Juden eine Ideologie zu geben, die diese Gefahr abwendet, und daß der Zionismus ihnen diese Ideologie gibt, macht ihn so wertvoll und beherzigenswert.“ In der Diskussion sprach ferner Professor Dr. G o h e n , der die eigentliche Berufsschichtung der Ostjuden und ihre besondere Wirtschaftsgesinnung nicht auf soziologische Gründe spezieller sondern mehr allgemeiner Natur zurückgeführt wissen will. Ebenso sei die Neigung der Ostjuden zu revolutionärer Tätigkeit nur aus ihrer verzweifelten Lage als unterdrückter Minorität zu verstehen. Eine befriedigende Lösung der Minoritätenfrage seh auch für die Ostjudenfrage sehr bedeutsam. In seinem Schlußwort trat der Redner noch sehr warm für die jüdischen nationalen Minderheitsrechte und die Schaffung der Garantie für eine unumschränkte Kulturautonomie ein. Er wies dabei auf die Parallelität des deutschen Interesses am nationalen Minderheitsschutz hin. Die W il lenserklärung zum nationalen Eigenleben müsse bei der Beurteilung der Frage, welche Völker und Volksteile der Autonomie teilhaftig werden sollen, das allein entscheidende Kriterium sein. Der Vorsitzende der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, der auch den Gesellschaftsabend leitete, Professor Dr. Lodz, erklärte in seinem Schlußwort, daß die Gesellschaft es sich als einen Ehrentitel anrechne, daß in ihrem Rahmen in München eine derart sachliche Aussprache über eine politisch so heiß umstrittene und verfängliche Frage möglich war. Ruth Betrachtung zum Wochenfeste. Einem alten Brauche in Israel entsprechend lesen wir beim Gottesdienste am Wochenfeste das Buch Ruth, in welchem uns in aller Einfachheit das erhebende Bild einer edlen Seele vor Augen geführt wird. Gustav K arpeles gibt uns in seiner Geschichte der jüdischen Literatur ein treffliches Bild dieses Buches; er sagt: „Ein seliger Friede geht durch das Buch und teilt sich von selbst auch dem Leser mit. Die Seele der ganzen Erzählung ist das Gefühl des tiefsten Familienzusammenhangs, der hier um so sittlicher und schöner erscheint, als er zugleich auf freier Selbstbestimmung beruht. Wir können hier einen Blick tun in die Gediegenheit und Ehrenhaftigkeit des altisraelitischen Familienlebens, in ein gemütvolles, innigfrommes Stilleben, das bei aller Einfachheit doch so reich und anziehend ist.“ Wir kennen den Verfasser nicht, man nennt verschiedene Autoren; der Talmud schreibt die Autorschaft Samuel zu, wohl deshalb, um dem Hause David durch Hervorhebung seines Stammbaumes die Würdigung zu teil werden zu lassen, als König über Israel zu regieren. An einer anderen Stelle betont der Talmud, die Hauothelden der Erzählung, Ruth und Boas, sollten durch ihre Lebensschicksale und sittliche Handlungsweise als Muster edler und selbstloser Menschen dargestellt werden und dafür zeugen, daß unverbrüchliche, über das Grab hinaus haltende Treue, Liebe und Mildtätigkeit zu den Dingen zählen, von welchen der Mensch den Genuß schon in dieser Welt erreicht und davon auch für die Zukunft zurück behält. Wer auch der Verfasser sein mag, eines steht fest: daß Ruth, ein altes nationales Buch, ein Denkmal altisraelitischen Schrifttums ist. Treffend bemerkt hier der Midrasch (Ruth rabba), „die Ruth-Rolle enthält keine Vorschriften über Rein- und Unreinheit, über Erlaubtes und Verbotenes und ist nur aus dem Grunde niedergeschrieben worden, weil sie zeigt, daß die Ausübung von Wohltaten reichen Lohn verspricht“. Mit Recht wurde das Buch in die Zahl der heiligen Schriften eingereiht, weil die Liebe, Freundschaft und unerschütterliche Treue und Anhänglichkeit, welche sich hier zeigt, den Grundzug der wahrhaften Religiosität bildet. Es entsteht nur die Frage, in welchem Verhältnis steht nun unser Buch zu dem Schabuosfeste, zu dem Feste, das uns an die Gesetzgebung am Sinai mahnt? Unsere Weisen bemerken hiezu, daß dieses Buch, welches den Lebensweg der durch Not und Leid, durch Anhänglichkeit und Treue zur Gotteserkenntnis gelangten Moabiterin uns vor Augen führt, auch die ewigwahre Lehre vom Sinai enthält. Wer die Thora, dieses Israel verliehene köstliche Gut sein eigen

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