Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-05-15 · 20 (15.5.1925) · p. Seite 383

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
20 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 383 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9153812--06761-9079478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 20 Das Jüdische Echo 383 Wie die Blätter weiter mitteilen, wird Lord Balfour die Außenpolitik des Kabinetts im Oberhaus zu vertreten haben. Der neue High Commissloner von Palästina Wie die Londoner „Jewish Times“ aus verläßlicher Quelle erfahren haben will, soll nunmehr der bisherige Zivilsekretär von Palästina, Sir Gilbert Clayton, endgültig als High Commissioner von Palästina und Nachfolger Herbert Samuels designiert sein. Die offizielle Ernennung soll noch im Laufe der nächsten Wochen erfolgen. Herbert Samuel verläßt, wie der „Haaretz“ berichtet, Palästina am 30. Juni und begibt sich für sechs Monate nach Indien. Er kehrt dann als Privatmann nach Palästina zurück, wo er Wohnsitz zu nehmen gedenkt. Er soll auch bereits in Jerusalem eine Wohnung gemietet ha- J?en. Herbert Samuel ist jetzt mit der Abfassung eines für die britische Regierung bestimmten Rechenschaftsberichtes über seine fünfjährige Amtstätigkeit in Palästina beschäftigt. (Ziko) Die neue Stadt in Emek Jesreel Anstelle des unlängst in jüdischen Besitz übergegangenen Dorfes A f u 1 e h soll bekanntlich als Zentrumspunkt der jüdischen Siedlungen im Emek eine neue große Stadt angelegt werden. Der nötige Boden im Ausmaß von 6000 Dunam wurde von der American Zion Commonwealth und der Meschek-Gesellschaft erstanden. Der Plan sieht eine Stadt von 30 000 Seelen vor. Vorerst sollen 1000 Familien angesiedelt werden. Die ersten Ansiedler treten jetzt an den Bau von 50 Häusern wie auch einer Schule und eines großen Hotels heran. Auch über die Herstellung von großen Magazinen werden jetzt Verhandlungen geführt. Mit dem Solei Boneh ist bereits ein Vertrag über die Herstellung von Straßen für einen Betrag von 30 000 £ abgeschlossen. Die Pläne für die neue Stadt sind von Architekt Richard Kaufmann entworfen. Über den Namen der Stadt ist noch keine Entscheidung gefallen. Vorgeschlagen ist u. a. der Name „A r b a 1“ nach einer Stadt der Philister, die in den „Propheten“ erwähnt wird und die sich an der gleichen Stelle befunden haben soll. Da dieser vorgeschlagene Name auf Gegnerschaft stößt, hat Nahum Sokolow in Aussicht gestellt, einen passenden Namen ausfindig zu machen. (Ziko) Eine Spende von 1500 £ für die Hebräische Universität Auf einer zu Ehren Dr. Weizmanns bei Rechtsanwalt Alexander in Kairo stattgefundenen Zirkelversammlung spendete Herr Jacques M u z r i £ 1500 für die Hebräische Universität in Jerusalem. Die jährlichen Zinsen sollen als Preis dienen für die beste Veröffentlichung aus der jüdischen Geschichte. Außerdem spendete Herr Muzri ein jährliches Stipendium von 60 £ für einen der zehn Assistenten an dem Universitäts-Laboratorium. (Ziko) Von der Universität Jerusalem An der Judaistisehen Fakultät der Universität Jerusalem werden im Sommersemester 1925 folgende Vorlesungen gehalten: Dr. Epstein, Einleitung in die Textkritik der Mischna; Tossefta. Dr. Klein, Das Buch der Richter und die Bücher Samuel; Die Samaritaner; Ausgewählte Kapitel aus der Palästinakunde; Benjamin von Tudela. Dr. Schwabe, Griechisch, Lateinisch. Ahar o n i, Zoologie auf Grund der Bibel und des Talmud. Dr. Mayer, Die arabische Baukunst in Jerusalem. (Ziko) Die Wahlen in den iTel-Awiiwer Magistrat Laut den soeben vorgenommenen Wahlen setzt sich die Stadtverwaltung von Tel-Awiw wie folgt zusammen: Vertreter der Arbeiter 14, Hauseigentümer 4, Mieter 4, Sephardim 4, Jemeniten 4, Orthodoxe 4, Nationalliste 4, Unabhängige 4, Kleinere Parteien 4. (Ziko) Der Oberrabbiner von Kairo gestorben Kairo. (J.T.A.) Der Oberrabbiner von Kairo und Abgeordneter des ägyptischen Parlaments Rabbi H a i B e n S i m o n, ist im Alter von 55 Jahren verschieden. Rabbi Hai Ben Simon war ein Gelehrter von großem Ansehen. Er verfaßte mehrere Werke über Bibel und Talmud und gab auch eine Übersetzung des Schulchan Aruch in arabischer Sprache heraus.!■ [11 ■ ■ lllllllll Illllll Piff [1 | Feuilleton ||||| 1111! Ilili! III Illllll 1 li Ulf Und Mendele Ist alt geworden . .*) Neue Züge und Linien. 2. Doch auch die so große Geistesmacht des Greises hatte nicht immer Bestand. Das Alter tat das Seine. Nach den Tagen der „Stärke“ und der vermehrten Kraft kamen die Tage, „von denen es heißt, sie gefallen mir nicht“. Es war am Ende seines neunundsiebzigsten Jahres (nach der herkömmlichen Berechnung seines Alters*) zu Anfang des Winters. Im Sommer zuvor war er unfreiwillig nicht auf *) Vergleiche Jiid. Echo Nr. 18. *) Nach verschiedenen verläßlichen Aussagen (darunter die des alten Schriftstellers A. J. Papirna, eines Landsmannes von ihm) und auch nach dem Bekenntnis des Alten selbst, das er dem Verfasser dieses bei seinem Jubiläum abgelegt hat, war er in Wirklichkeit um sieben oder acht Jahre älter als man gewöhnlich annimmt. Sommerfrische gegangen und hatte kein Feld gesehen: das drückte ihn nieder und verbitterte ihn nicht wenig. Als nun der Winter kam, wurde er doppelt hinfällig und neigte dazu, durch jeden Luflhauch, der da kam, zu erkranken. Lange quälte ihn eine Art Ekzem, eine Alterserscheinung, wie der Arzt erklärte. An einem Tage jenes Winters erkältete er sich und mußte zu Bett. Einige seiner Freunde, die in sein Haus eilten nach ihm zu sehen, fanden ihn zu Bett, in Decken und Kleider gehüllt, die Jarmulke auf dem Kopf; sein Aussehen war das eines schwachen und, kraftlosen Kindes. Die ganze Zeit über flüsterte er immer wieder mit sehr schwacher Stimme, genau so wie ein krankes Kind nur das eine Wort: „Mainrne, oj Mannne!“ Seine Besucher saßen schweigend da, wie es ihnen der Arzt befohlen hatte. Auch der Greis schwieg, aus Mangel an Kraft. Nach wenigen Tagen, als seine Krankheit nachgelassen hatte, sagte er zu denen, die nach seinem Befinden fragten, etwa folgendes:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.