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Das jüdische Echo · 1925-05-15 · 20 (15.5.1925) · p. Seite 382

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
20 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 382 (sequence 14)
Language
German
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382 Das Jüdische Echo Nr. 20 Juden aufzuhetzen. Während der antijüdischen Exzesse in Lodz und in Grszybow am 2. Februar war Polizeischutz überhaupt nicht zu ergangen. Pogromhetzer, wie Jasza Chomice, dem Unterschlagung von Parteigeldern nachgewiesen wurde, dürfen sich ungestört betätigen. Das Verbot der jiddischen Sprache in öffentlichen Versammlungen verstößt gegen die Verfassung. Die Anordnungen, daß Wochen- und Jahrmärkte an Sabbath-Tagen stattzufinden haben, ist ein Attentat gegen die wirtschaftliche Existenz der Judenschaft. Der Kampf gegen die jüdischen Kaufleute und Kleinhändler hat dem Lande keinen Nutzen gebracht, der Bauer wird durch die Ausschaltung des jüdischen Handels geschädigt. Dep. Grünbaum erklärte, die jüdischen Deputierten werden gegen den Etat stimmen. Präsident Coolidge über die Position der Juden im nationalen Leben der Vereinigten Staaten. Washington (J.T.A.). Der Präsident der Vereinigten Staaten Calving Coolidge wohnte persönlich der feierlichen Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindehauses zu Washington bei und hielt eine Ansprache, in der er zunächst das alte amerikanische Sprichwort zitierte, daß der jüdische Hammer den Grundstein zur amerikanischen Demokratie in das Erdreich gehämmert hat. Der Präsident wies auf den Einfluß hin, den das Alte Testament auf die ersten amerikanischen Einwanderer und auf die Kolonisten in der Zeit der Befreiungskriege ausgeübt hatte. Er sprach von der Rolle der Juden in den Befreiungskriegen, die loyal und aufopfernd für die Ideale des Amerikanismus gekämpft haben,. Der erste jüdische Einwanderer aus Polen, Chaim Solomon, hat die Freiheitsbewegung mit großen Summen finanziert. Die junge amerikanische Nation verdankt den heiligen Schriften, die das jüdische Volk der Welt gegeben hat, sehr viel. Der Präsident schloß: Die jüdische Gemeinschaft in Amerika ist die zweitgrößte jüdische Gemeinschaft in der Welt und trägt ein kosmopolitisches Gepräge. Ihre Mitglieder rekrutieren sich aus verschiedenen Herkunftsländern. Ihr Beitrag zum nationalen Leben Amerikas entspricht vollkommen dem hohen Wert ihrer Rasse und ihrer Traditionen. Noch bestehen in den Vereinigten Staaten partikularistische, parteiische, soziale und politische Sonderbestrebungen, aber wir müssen auf derselben breiten Straße, die bis jetzt die amerikanische Entwicklung gegangen ist, vorwärts marschieren. Die jüdischen Arbeiterorganisationen Amerikas für die notleidenden Juden Osteuropas. New York (J.T.A.). Auf Initiative des gegenwärtig mit der Abordnung der Jüdischen Welthilfskonferenz in Amerika weilenden Mitglieds des Preußischen Landtags Dr. Oskar Cohn wurde hier eine Konferenz von Vertretern jüdischer Arbeiterorganisationen Amerikas abgehalten. Die Konferenz beschloß, angesichts der Liquidierung der Hilfstätigkeit des Joint Distribution Committee eine intensive Hilfstätigkeit zugunsten der notleidenden Judenheit Osteuropas aufzunehmen und die bisher zersplitterten Aktionen zu vereinheitlichen. Am 10. Mai wird in New York eine Konferenz aller jüdischen Arbeiterführer und Vertreter der jüdischen radikalen Organisationen in den Vereinigten Staaten und Kanada beginnen. Diese Konferenz wird über die Einzelheiten der Koordinierung der Hilfstätigkeit zu beraten haben. Vertreter der größten jüdischen Arbeiterorganisationen in den Vereinigten Staaten wie United Jewish Labour Organisation, Jewish Workmen‘s Cirole, National Worker’s Association, Jewish Socialist Association, Jewish Socialist Labour Party Poale Zion, International Ladie’s Garment Workers Union und Amalgamateü Clothing Workers’ Union, sowie eine Anzahl jüdischer Führer erließen einen Aufruf zur Intensivierung der jüdischen Hilfstätigkeit. Herr Dr. Oskar Cohn schlägt vor, daß alle organisierten jüdischen Arbeiter je einen Stunde n 1 o h n ihren leidenden Genossen in Osteuropa widmen; dies würde eine Summe von eineinhalb Million Dollar dem Hilfswerk zuführen. 200 000 Dollar für das jüdische Lehrerseminar in New York New York (J.T.A.). Der bekannte New Yorker Kaufmann und Philanthrop Mr. Israel Unter b e r g spendete 200 000 Dollar für die Ausgestaltung der Lehrerbildungsanstalt am Jüdischen Theologischen Seminar in New York. Dadurch ist es möglich geworden, daß das Lehrerseminar, das gegenwärtig im Gebäude der Technischen Schule für jüdische Knaben untergebracht ist, ein eigenes Haus erhält. Rabbi Gordin, Chicago, gestorben. — Ein Freund Leo Tolstois Chicago. (J.T.A.) Im Alter von 71 Jahren ist dieser Tage Rabbi Jehua Leib Gordin, der Führer der orthodoxen Judenheit Chicagos, gestorben. Rabbi Gordin, dler früher Rabbiner in Lomza (Polen) gewesen war, kam im Jahre 1922 nach Amerika und wurde der Präsident des Chicagoer Rabbinats und Seelsorger der Kongregation „Tifereth Zion“. Er war eine anerkannt talmudische Autorität und seine Schriften erfreuen sich in der rabbinischen Welt großen Ansehens. Er stand vor Jahren in Beziehungen zu L e o T o 1 - s t o i, mit dem er zahlreiche Briefe wechselte. Die Bestattung gestaltete sich zu einer großen jüdischen Volkskundgebung, mehr als 5000 Personen folgten dem Sarge. Die Union orthodoxer Rabbiner Amerikas sandte eine Abordnung. Lord Balfours Eintritt in die Regierung London. (J.T.A.) Amtlich wird mitgeteilt, daß Lord B a 1 f o u r zum Präsidenten des Geheimen Rates und zum Mitglied des Kabinetts an Stelle des verstorbenen Lord C u r z o n ernannt worden ist. Allgemein wird der Eintritt Lord Balfours in die britische Regierung unmittelbar nach seiner Rückkehr von seinem Besuch in Palästina als eine Billigung seiner zionistischen Position gedeutet. Dies kommt auch in einigen Blätterstimmen, insbesondere in der folgenden Äußerung des „S t a r“ im Leitartikel vom 28. April, zum Ausdruck: „Die Balfourdeklaration wurde andauernd von den „Söhnen des Beliaal“ in Mißkredit gebracht; sein jetziger Eintritt in das Kabinett ist deshalb als eine unzweideutige Mißbilligung der antisemitischen Bewegung in diesem Lande anzusehen. Lord Balfour ist soeben von einer Tour nach dem neuen Palästina, wo er nochmals seinen Glauben an das zionistische Prinzip autoritativ bekundete, zurückgekehrt. Die an ihn ergangene Einladung, in das Kabinett einzutreten, bedeutet in diesem Zusammenhang eine entscheidende Geste. Sein Rat wird für die Regierung des Herrn Bald'win zweifellos von Wert und Gewicht sein.“

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