Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 20 (15.5.1925)
- Date
- 1925-05-15
- Page
- Seite 381 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 381 „Schmähung der ungarischen Nation“. Budapest (J.T.A.). In einem Wirtshaus der Gemeinde Konyar geriet der Debrecener Kaufmann Samuel Klein mit dem Gemeindeschreiber N e m e s , und dem Händler Csobanka in einen Wortwechsel. Die beiden ergingen sich in antisemitischen Schimpfereien. Klein verbat sich diese Reden und erklärte, ohne Juden könnte Ungarn keinen Handel treiben. Die Widersacher Kleins holten Gendarmerie herbei. Klein wurde sofort verhaftet und der Staatsanwaltschaft eingeliefert. Das Debrecener Gericht verurteilte Klein zu einer Geldstrafe von einer Million Kronen wegen Vergehens gegen das Ansehen der ungarischen Nation und des ungarischen Staates. Die Debrecener königliche Tafel erhöhte die Strafe Kleins auf drei Monate Gefängnis. In der Begründung sagte die königliche Tafel, es bilde eine Schmähung der ungarischen Nation, wenn behauptet werde, daß das staatserhaltende Volk nicht imstande sei, seine staatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen und seinen wirtschaftlichen Bestand einem Volksstamm der Minorität zu verdanken habe. Die Kurie endlich annullierte das Urteil der königlichen Tafel und wandelte die Strafe Kleins in eine Geldstrafe von einer Million Kronen um. Während der Verhandlung fragte Klein, warum seine Widersacher nicht bestraft werden, die behaupteten, die Juden seien am Kriege und an allem Elend schuld. Jüdische Opfer bei der Zerstörung der Kathedrale in Sofia. Sofia (J.T.A.). Unter den Opfern der Zerstörung der Kathedrale in Sofia befindet sich auch eine Anzahl Juden, die als Gäste der Trauerfeier für die Opfer, der kommunistischen Terrorakte beiwohnten. Getötet wurden: Rosa Tadjer, Albert Israel, Moise Levy, die vierzehnjährige Rosa Deutsch und Frau Buca Prifno. All diese wurden auf dem jüdischen Friedhof zu Sofia mit großen Ehren bestattet. Außerdem zählt die jüdische Gemeinde zahlreiche Verwundete. Der Gedächtnisfeier für die Toten in der Synagoge wohnte ein Vertreter des Königs, sowie Mitglieder der Regierung bei. König Boris sprach der jüdischen Gemeinde in einem Schreiben den Dank für ihren Glückwunsch zu seiner Errettung aus. Jüdische Minister in Frankreich in Vergangenheit und Gegenwart. Paris (J.T.A.). Wie schon mitgeteilt, gehören dem Kabinett Painleve zwei Juden als Minister an: der Innenminister Senator Abraham Schrameck und der Marineminister Hesse. Es ist dies das erstemal, daß zwei Juden in einem französischen Kabinett sitzen. Schon vor Herrn Abraham Schrameck haben Juden das Portefeuille des Innenministers, des wichtigsten Ressorts innerhalb des französischen Kabinetts, innegehabt: der im Jahre 1893 verstorbene David Raynal und zuletzt Senator L. L. Klotz. Von anderen jüdischen Ministern in der französischen Geschichte sind zu nennen: nach der Ausrufung der Republik im Jahre 1848 bekleidete Adolphe Cremieux das Amt des Justizministers in der provisorischen Regierung. Nach zweiundzwanzig Jahren, im September 1870 trat er wieder als Minister für Landesverteidigung in das Kabinett ein. Ein zweiter Jude, Goudschaux, wurde einst in Frankreichs trüber Zeit Finanzminister und machte sich als solcher sehr um sein Vaterland verdient. Tn einem späteren Zeitpunkt bekleidete der Jude Achille Found den Finanzministerposten; er war der einflußreichste Ratgeber Napoleons III. Found trat später zum protestantischen Glauben über, einer seiner Nachkommen, ein Katholik, gehört jetzt der Deputiertenkammer als Vertreter der Rechten an. Seit 1870 bekleideten außer Cremieux die folgenden Juden Ministerposten in Frankreich: der Senator des Rhone- Distrikts M i 1 h a u d , der Senator des Gironde- Distriikts David Ra y n a 1 (im Jahre 1893), Minister des Innern, Senator L. L. Klotz, der einige Male Finanzminister war, Herr Paul S t r a u s s , der das Amt eines Ministers für öffentliche Arbeiten und Volksgesundheit bekleidete, ferner Bokanowski, der Marineminister war. Zu erwähnen sind noch die Unterstaatssekretäre Ignace und Pierre Masse, sowie Leon Meyer, Bürgermeister von Havre, der Unterstaatssekretär im Marineamt und im Handelsministerium war. Der jetzige Innenminister Abraham Schrameck ist ein Nachfahre jenes 1795 geborenen Gabriel Schrameck, der in den Feldzügen Napoleons I. eine wichtige Rolle spielte. Er starb im fahre 1853. Auszeichnung Prof. Glicensteins durch den italienischen König. Rom (J.T.A.). Der König von Italien verlieh dem berühmten jüdischen Bildhauer Prof. Henry Glicenstein den italienischen Ritterorden in Anerkennung seiner Verdienste um die italienische Kunst, die er durch seine Ausstellung im Stadtrnuseum befruchtet hat. Der König heftete den Orden persönlich an Glicensteins Rock an und drückte ihm bei dieser Gelegenheit nochmals seine Bewunderung für sein hohes Künstlertum aus. Es ist das erstemal, daß ein ausländischer Jude dieser Auszeichnung teilhaftig wird. Jüdische Teilnahme an der interparlamentarischen Handelskonferenz. Rom (J.T.A.). Dieser Tage fand in Rom eine interparlamentarische Handelskonferenz statt. Der jüdische Senator Luigi L u z z a 11 i, der einstige Premierminister Italiens, wurde zum Ehrenpräsidenten der Konferenz gewählt. Wegen seines leidenden Zustandes war Senator Luzzati verhindert, der Konferenz zu präsidieren, weswegen sich die Delegierten der vertretenen 44 Parlamente in das Haus Luzzattis begaben, um ihn im Namen ihrer Länder zu begrüßen. Zum Präsidenten der Konferenz wurde der jüdische Senator Angelo Pa via (Italien) gewählt. Das Referat über internationale Eisenbahn-Konvention hielt der jüdische italienische Senator Ancona, dessen Vorschläge einstimmig angenommen wurden. Auch unter den Delegationen der anderen Parlamente waren Juden vertreten. Kein polizeilicher Schutz für die jüdische Bevölkerung in Polen. Warschau (J.T.A.). Während der Beratung über den Etat des Innenministeriums im polnischen Sejm hielt der jüdische Deputierte Grünbaum eine großangelegte Rede, in welcher er durch Aufzählung von Tatsachen aufwies, daß die angegriffene jüdische Bevölkerung in Polen meist bei der Polizei keinen Schutz findet, im Gegenteil, oft unternimmt die Polizei provokatorische Maßnahmen, wie Haussuchungen nach kommunistischer Literatur bei Rabbinern, die geeignet sind, die christliche Bevölkerung gegen die