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Das jüdische Echo · 1925-05-15 · 20 (15.5.1925) · p. Seite 380

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
20 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
Seite 380 (sequence 12)
Language
German
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380 Das Jüdische Echo Nr. 20 den Zeitungsberichten heißt es dann, daß Mojsche Feldsztejn oder Samuel Goldschitz wegen Geldsorgen „nervös“ geworden und in dieser nervösen Stimmung zum Fenster hinausgesprungen sei. Es gab Tage, an denen mehr als zwei Dutzend Juden auf diese Weise ihre Nervosität dokumentierten. Das war zuviel! Und die Rabbis, denen es «im allgemeinen gut geht, haben sich beeilt, den Selbstmord zu untersagen. Alle Juden in Polen, mit nur ganz wenigen Ausnahmen, halten streng am althergebrachten Ritus fest. Ihr Glauben ist tief in ihrem ganzen Leben verwurzelt und das Lehen ohne den Glauben scheint ihnen undenkbar. Auch der Tod! so kalkulieren die Rabbiner. Nun gibt es jüdische wohltätige Gesellschaften, die die Leichen der in Krankenhäusern Verstorbenen vor der unzulässigen Sektion schützen; sie kaufen sie sozusagen den Behörden ah und sorgen für rasche, dem Ritus entsprechende Beerdigung. Auch übernehmen sie die Gebets- und anderen Formalitäten. Kein Selbstmörder soll in Zukunft dieser Wohltaten teilhaftig werden! Und, so bestimmen die Rabbiner, in einem besonderen Winkel des Friedhofes soll er begraben werden. „Der Selbstmord ist eine schwere Sünde“, so erklären sie, und darum soll für den Selbstmörder kgin Gebet gesprochen werden und keine Gnaden sollen sein Totenantlilz erleuchten. Nichts gesagt und nichts gesungen! So begegnen die Rabbiner dem großen Leide. Zu den Sorgen um den kommenden Tag fügen sie die Sorgen der Seele. Dem aus Verzweiflung Sterbenden verhundertfachen sie noch die Qualen der Todesstunden mit geistigen Foltern. Und trotzdem: auf dem besonderen Winkel im Friedhof wird man viele Leichensteine finden, die einen drolligen Namen tragen und ein schweres, schweres, armes Schicksal decken. Aus der iüdischen Welt Anschläge gegen Synagogen und Friedhöfe in Deutschland. Berlin (J.T.A.). Aus Schlochau wird gemeldet : Nach einer Hindenbur g-Feier in Schlochau zogen Deutschvölkische zur Synagoge und warfen mit Steinen 'sämtliche Fensterscheiben ein. Aus Breslau wird mitgeteilt: Von einem unglaublichen Roheitsakt einiger Stahlhelmleute am Tage vor der Präsidentenwahl werden erst jetzt Einzelheiten bekannt. Auf einer Straße an der Peripherie von Breslau begegnete einem Stahlhelmauto ein jüdischer Leichenwagen. Die Stahlhelmleute begannen, als sie den Wagen erblickten, mit den übelsten Pöbeleien, bespuckten den Leichenwagen und bedrohten das Personal mit ihren Knüppeln. Ermittlungen sind noch nicht eingeleitet worden. Aus Köthen berichtet das „Isr. Familienblatt“: Eine unerhörte Roheit verübte der Gärt- TEINACHER HIRSCHQUELLE rein natürliches Mineralwasser von Weltruf, ärztl. sehr empfohlen bei BLASEN-, NIEREN- und HALSLEIDEN Generaldepot: EDUARD KÜHLES # MÜNCHEN LEDERERSTRASSE 12 TELEPHON 20542 nerlehrling K. Auf dem neuen Gemeindefriedhof und dem an diesen grenzenden israelitischen Friedhofe beschädigte er etwa 30 Gräber durch Umstürzen und Zertrümmern der Grabdenkmäler. Dann entfernte sich der Bursche aus seiner Lehrstelle und ist seitdem verschwunden. Keine militärischen Ehren beim Begräbnis jüdischer Soldaten. Berlin (J.T.A.). Der „Verein der Angehörigen des ehern, k. bayer. 8. Feldart.-Reg. Prinz Heinrich von Preußen“ in Nürnberg hat. beschlossen, daß künftighin bei Beerdigung von Kameraden israelitischen Glaubens die Vereinsfahne nicht mehr , mit ausrückt“ und daß Teilnahme an einem solchen Begräbnis „den . einzelnen Kameraden freigestellt bleibt“. Als Anlaß wurde angegeben, daß bei der Beerdigung eines jüdischen Offiziers die Rede des Rabbiners „ins Politische übergegangen“ sei. Der Rabbiner hatte nämlich bei Betonung der Vaterlandsliebe und der soldatischen Bewährung des Heimgegangenen kurz auf die Schmähungen hingewiesen, die in den Tagen des Hitler-Prozesses General Ludendorff gegen die vaterländische Treue der jüdischen Deutschen gerichtet hatte. Der erste Vorsitzende des Vereins hatte selbst anerkannt, daß die Rede des Rabbiners völlig einwandfrei gewesen sei. Die Völkischen sind um die Verjudung des „Fränkischen Kuriers“ besorgt. J. Z. Der „Völkische Beobachter“ gibt seiner Besorgnis darüber Ausdruck, daß der Nürnberger „Fränkische Kurier“, zurzeit noch ein stark „nationales Bollwerk“ und „Vorkämpfer für die völkische Idee in Bayern“, infolge des Verkehrs der Tochter des gegenwärtigen Direktors in jüdischen Familien in eine „verhängnisvolle Bahn“ gedrängt werden könnte. Dieser „Besorgnis schließt sich der „Völkische Kurier“ an und erklärt, es wäre bedauerlich, „wenn der nationale Kurs des „Fränkischen Kuriers“ über kurz oder lang Konzessionen an die eigenartige Nürnberger gesellschaftliche Atmosphäre, die bekanntlich durch das dort tonangebende Judentum beherrscht wird, zu machen gezwungen wäre.“ „Die jüdische Frau.“ Berlin (J.T.A.). Soeben erschien die erste Nummer der neugegründeten Zeitschrift „D i e jüdische Frau“, die in Berlin von Regina Isaacsohn und Anna Beate Nadel als überparteiliche Halbmonatsschrift herausgegeben wird. Die Zeitschrift will alle Interessengebiete der jüdischen Frau, besonders auch die Jugenderziehung, daneben auch moderne Unterhaltungslektüre, Gedichte, Kritik und Historisches pflegen. Zwei besondere Rubriken „Die Diskussion“ und die „Tribüne der Frau“ geben Gelegenheit zu freiem Meinungsaustausch. Wettbewerb für den Bau eines jüdischen Gesundheitshauses. Berlin (J.T.A.). Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz unter den Juden „O S E“ veranstaltet einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein jüdisches Gesundheitshaus in K o w n o (Litauen), dessen Erbauung die „OSE“-Gesellschaft beabsichtigt. Bedingungen und Unterlagen sind bei der Gesellschaft „OSE“ in Berlin W. 57, Frobenstr. 4, sowie bei' dem Komitee der litauischen „OSE“-Gesellschaft in Kowno, Meironio g-ve 6, erhältlich.

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