Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 19 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- Seite 354 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153809--06729-9079444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
354 Das Jüdische Echo Nr. 19 Aus der JiidischenWelt Eine Hitler-Fraktion im Reichstag Berlin (J.T.A.). Die der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehörenden Reichstagsabgeordneten Dietrich- Franken, Gottfried Feder, Dr. F r i c k und Gregor Strasser haben sich als eigene Gruppe im Reichstag zusammengeschlossen. Diese Gruppe untersteht der Führung Adolf Hitlers, während die Fraktion der Völkischen Freiheitspartei den Weisungen Ludendorffs gehorcht. Spaltung der Völkischen im Deutschen Reichstage Das „B e r 1 ii n e r T a g e b 1 a t1“ schreibt in seiner Abendausgabe (Nr. 199) aus dem Reichstage: „Bekanntlich existiert im Reichstag seit einigen Wochen die nationalsozialistische Fraktion als solche nicht mehr. Sie hat sich als deutschvölkische Fraktion aufgemacht, aber gegen den Widerspruch des Abgeordneten F r i c k aus München. Es ist infolgedessen eine Spaltung eingetreten, sodaß die herausgegeben, vorläufig nicht aus der Sektion auszutreten, sondern die weitere Entwicklung abzuwarten. Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, ging die Entwicklung nach einer Richtung, daß es den jüdischen Mitglieder unmöglich erscheint, weiter in der Sektion zu verbleiben. Es haben Versammlungen und Verhandlungen aller Art stattgefunden, und eine große Zahl jüdischer Mitglieder hat bereits ihren Austritt aus der Sektion Berlin des Alpenvereins angemeldet. Verleumdung von Juden — eine Tugend Die neueste Nummer ides WLen er Hakenkreuzler-Blattes;,A r b e i t e r - P r e s s e“ bringt eine Reihe Ratschläge, wie man die Juden los werden könnte. U. a. wird empfohlen, einen r ü c k s il ch t s 1 ot si e n Verl e;/u m d u n g s f e 1 dz u g gegen einzelne Juden, wie gegen die Gesamtheit der Juden, durchzuführen. Verleumdung von Juden, sagt die Zeitung, ist eine Tugend, wenn damit das Ziel erreicht wird, sich der Juden zu entledigen. Es sei keineswegs unmenschlich, jüdische Müt- ** C W L4 % mm* Beim Straßenbau (Palästina) Frick-Gruppe, der auch der Abgeordnete Strasser angehört, sich abgesondert hat. Herr von G r a e f e und seine Freunde sitzen jetzt in der Restauration des Reichstags getrennt von den Herren Frick und Strasser. Es beweist das, daß von einer nationalistischen Einheitsfront auch jetzt nach der Wahl Hindenburgs keine Rede sein kann.“ Parole: Heraus aus der Sektion Berlin des Deutsch-Österr. Alpenvereins Berlin (J.T.A.). Wie bekannt, hat die Sektion des Deutsch-Öster^eiichisfchen Alpenvereins in ihrer letzten Generalversammlung mit einer beträchtlichen Mehrheit der Stimmen den bisherigen Vorstand wiedergewählt, und damit dessen Standpunkt gebilligt, daß von jetzt ab eine Einschränkung der Neuaufnahme jüdischer Mitglieder Platz zu greifen habe, indem bei der Aufnahme jüdischer Mitglieder nicht die alpine Eignung allein ausschlaggebend sein soll. Dieses Ergebnis hat in den Kreisen der jüdischen Mitglieder der Berliner Sektion, die etwa 30 Prozent der Mitgliedschaft ausmachen, einen schweren Eindruck gemacht. Dennoch wurde die Parole ter und kleine Kinder aus den Straßenbahnwagen hinauiszuschleudern. Gegen die Zeitung wurde nicht eingeschritten. Das Mordattentat auf das Ehepaar Wachtel Berlin (J.T.A.) Zu dem antisemitischen Mordattentat im Wahllokal Potsdamerstr. 54 teilt der Rechtsbeistand des schwerverletzt im Elisabethkrankenhaus liegenden Ehepaars Wachtel mit: Von den sechs Schüssen, die der Pensionsinhaber Oskar Laube abgegeben hat, trafen Herrn James Wachtel zwei in den Rücken und zwei in die Seite, seine Ehefrau wurde zweimal, in den Unterleib und in den Oberschenkel getroffen. Eine notwendige Operation konnte infolge der allzu schweren Verletzungen noch nicht vorgenommen werden. Der Revolverheld Laube, der bekanntermaßen einst Sekretär des Radauantisemiten Grafen Pückler war, gab bei seiner Verhaftung an, er habe die Tat aus politischen Motiven begangen. Er sei ein bekannter antisemitischer Schriftsteller und habe an dem Ehepaar Wachtel ein Exempel statuieren wollen. Der Rechtsvertreter ist aber der Ansicht, daß die Tat ein persönlicher Racheakt