Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 19 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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352 Das Jüdische Echo Nr. 19 dürfe, daß beide Parteien jetzt endlich jeden weiteren Streit über die Balfour-Deklaration und das Mandat unterlassen sollten. Er erwähnt sodann den in Aussicht gestellten repräsentativen Rat und zweifelt nicht, daß die Araber und Juden einerseits und die Regierung andererseits die Meinungsdifferenzen vergessen könnten, um an der gemeinsamen Arbeit zugunsten des Landes teilzunehmen. Die Regierung müßte auf diesen Legislative Council wieder zurückgreifen. Als Antwort hierauf erklärt Minister Amery: Die britische Regierung versucht seit jeher, die Einwohner Palästinas zur Mitarbeit heranzuziehen, aber alle drei von der palästinensischen Regierung bisher unterbreiteten Vorschläge wurden von den arabischen Führern nur feindselig aufgenommen. Es hat zuerst eine beratende Körperschaft gegeben, die gut gearbeitet hat und deren Kompetenzen erweitert werden sollten. Aber statt darüber zu beraten, haben die arabischen Führer die Durchführung nicht nur gestört, sondern auch diejenigen Notabein, die Sitze in diesem Advisory Council eingenommen hatten, zur Resignation bewogen. Sodann schlug die Regierung den Arabern eine Ar ab Agency vor, aber auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Ich glaube, daß es nicht Sache Großbritanniens ist, mit Bitten an die Araber heranzutreten, an der Arbeit teilzunehmen, aber die Absicht, sie zur Arbeit heranzuziehen, besteht nach wie vor und es hängt nur von ihnen ab, einen der ihnen gemachten Vorschläge anzunehmen. Auf die Frage, wann das neue Bürgerschaftsgesetz veröffentlicht werden wird, erklärte Amery, daß die Verzögerung hautpsächlich mit der Verzögerung der Unterfertigung des Friedensvertrages mit der Türkei zsammenhänge. Er werde gleich piach seiner Rückkehr nach London seinen Standpunkt in dieser Frage präzisieren, um die Veröffentlichung des Bürgerschaftsgesetzes zu beschleunigen. Auch die Einführung der neuen Währung soll möglichst beschleunigt werden. Auf die Frage, ob der Minister nicht die Möglichkeit sehe, mit Hilfe der Regierung zu einer gemeinsamen Arbeit aller Bevölkerungsteile zu kommen, erklärte Amery: Man muß in Betracht ziehen, daß alle Parteien in Palästina glauben, von der Regierung benachteiligt zu werden. Dies beweist am besten, wie unparteiisch die Regierung ist. Die Regierung ist überzeugt, daß es in Palästina keine grundlegenden Interessengegensätze gibt. Es gibt zwar Verschiedenbeiten der Meinungen und Anschauungen, aber sicher auch die Möglichkeit zu gemeinsamer Arbeit. Sodann erklärte Amery noch, daß das Colonial Office die Frage der demokratischen Wahlen in die Stadtgemeinden studieren wolle. Er hoffe, daß möglichst bald eine diesbezügliche Verordnung herauskommen werde. Amery schloß mit Worten der Begeisterung über die Schönheit und Vielfarbigkeit des Landes, das sicher eines der schönsten Länder der ganzen Welt sei. (Ziko) Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel. 20542 Ledererstr. 12 Zusammentritt des Verbandstages des Preußisch. Landesverbandes Berlin. Der J.T.A.-Vertreter hat sich wegen des Zusammentritts des Verbandstages des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden mit dem Leiter des Landesverbandes Herrn Dr. Ismar Freund in Verbindung gesetzt und von ihm die folgenden Informationen erhalten: Der Zeitpunkt der Einberufung des Verbandstages ist naturgemäß abhängig von dem Stande der vorbereitenden Arbeiten, denn es kommt nicht darauf an, daß die Tagung Zusammentritt, sondern vor allem, daß sie arbeitet und etwas Ersprießliches dabei herauskommt. Da eignisse eintreten) in diesem Jahre von der Regel einmal im Jahre Zusammentritt und kaum damit zu rechnen ist, daß (wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten) in diesen Jahre von der Regel abgewichen wird, so muß auf der einen Tagung alles das erledigt werden, was noch in diesem Jahre durch den Verbandstag zur Verabschiedung gelangen muß. Von allen anderen unaufschiebbaren Angelegenheiten abgesehen, kommt in erster Reihe der Etat — der Umlagebeschluß — in Betracht. Es liegt in der Natur der Dinge, daß diese Beschlüsse das erstemal eine besondere Vorbereitung erheischen. Nach der Verfassung wird als Verbandsbeitrag von den Gemeinden ein bestimmter Prozentsatz der Reichseinkommensteuer ihrer Mitglieder erhoben. Um die Steuerquote, um den Etat festsetzen zu können, bedarf es einer Klarlegung der Einkommensverhältnisse jeder einzelnen Gemeinde. Eine der wichtigsten und dringendsten Aufgaben des Landesverbandes ist weiter die Unterstützung der leistungsschwachen Gemeinden, die zum Teil schon zusammengebrochen sind, zum Teil zusammenbrechen müssen, wenn ihnen nicht vom Landesverband Hilfe wird. Soll nicht nach den bisher üblichen völlig unzulänglichen und unbrauchbaren Methoden gearbeitet werden, sondern Durchgreifendes und Grundlegendes geschehen, so ist erstes Erfordernis restlose Klarstellung der Verhältnisse in den Gemeinden. Nur auf dieser Grundlage lassen sich organisatorische Maßnahmen durchführen, die allein die geistliche und unterrichtliche Versorgung aller Gemeinden ermöglichen; nur so können Grundsätze dafür aufgestellt werden, bis zu welchem Grade den Gemeinden erhöhte Opfer zugemutet werden können und welche Leistungen der Verband darzubieten hat. Um die erforderlichen Unterlagen zu erhalten, sind seit langem entsprechende Fragebogen an sämtliche Gemeinden versandt worden. In beträchtlichem Ausmaße stehen jedoch die Antworten noch aus. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß im Jahre 1923, als wir uns in der schlimmsten Inflationsperiode mit einer Umfrage an die Gemeinden wandten — lediglich um die Unterlagen für eine für sie erwirkte Hilfe des Reiches zu erlangen — Hunderte und aber Hunderte von Gemeinden die Antwort schuldig blieben, dann wird man sich fragen müssen, ob überhaupt möglich ist, auf diesem Wege zu brauchbarem Material zu kommen. Aus dieser Erwägung heraus glaubte man versuchen zu können, unter allen Umständen uns die Unterstützung der staatlichen Stellen bei unserer Aufklärungsarbeit zu sichern. Diese Bemühungen hatten Erfolg und es darf damit gerechnet werden, daß es möglich sein wird, dem Verbandstage bei seinem Zusammentritt ein klares und erschöpfendes Bild der wahren Verr hältnisse in den jüdischen Gemeinden Preußens zu