Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 19 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- Seite 349 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 349 lenwahlen die Kandidaten von der republikanischen oder demokratischen Partei mühsam nach Wahlparolen suchen müssen, die sich nur selten voneinander wirksam unterscheiden, und wenn man dagegen das heutige Bild unseres Vaterlandes vor Augen hat, das von zwei grundsätzlich verschiedenen Einstellungen zur Staatsform und Staatsinhalt beherrscht wird, so wird einem der ganze Ernst der politischen Situation bewußt, einer Situation, die jetzt — im Gegensatz zum ersten Abschnitt unserer Betrachtung — nicht auf die in Kürze zu erwartenden Folgen hin, sondern vom Gesichtspunkt einer längeren Entwicklung her angesehen wird. Innerhalb einer solchen Situation ist es besonders schwer, Jude zu sein. Es erfordert besonderen Takt, besondere Zurückhaltung und besonderen Stolz. Es erfordert Parteinahme, aber keine Einmischung, Besorgnis, aber keine Angst, Arbeit, aber keine Geschäftigkeit. Gelingt es dem deutschen Judentum, in solcher Weise würdig den Weg seiner politischen Bestimmung zu gehen, die zwar jedem einzelnen die Parteinahme nach wie vor freistellt, doch aber im Notfall ein gemeinsames Auftreten gestattet, dann wird auch der Kelch dieser bitteren Stunde an ihm vorübergehen.“ „Der Israelit“, Frankfurt a. M., beschäftigt sich in seiner Nr. 18 mit der Wahl des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zum Reichspräsidenten und bemerkt, daß nicht alles, was am Sonntag Hindenburg zustimmte, a priori und unbedingt reaktionär eingestellt sei. Hindenburg sei ein großer Name und er besaß eben bis dahin auch als Mensch tiefere Sympathien im Volke als die Säbelhelden um ihn herum. Hindenburg selbst sprach viel, sogar im Rundfunk, von Frieden und Versöhnung und der Verfassung, die er, ein alter treuer Soldat, sobald er den Eid-auf sie geleistet hat, hüten und schützen wollte. Die Zeitung schließt: „.. . daß das deutsche Volk in seiner Mehrheit am letzten Sonntag kein Votum für die Politik der Unversöhnlichkeit nach außen und innen abgegeben hat, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß das gleiche Volk im ersten Wahlgange den exponiertesten Vertreter dieses „großen Hasses“, Ludendorff, einmütig abgelehnt hat.. Hindenhurg dankt zum guten Teile seinen Erfolg der allgemeinen Auffassung, daß er kein Ludendorff sei, und es ist im Laufe des Wahlkampfes manches Versprechen nach dieser Richtung hin abgegeben worden. Es wird sich nun zeigen, wieweit die neue Reichsleitung den Willen zur Erfüllungspolitik ernstlich aufhringt, zur Erfüllungspolitik in erster Reihe nach innen.“ * Berlin (J.T.A.). Die Wahl des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zum Reichspräsidenten hat im Lager der' Judenfeinde in Deutschland großen Jubel hervorgerufen und gewisse Hoffnungen geweckt. Dies kommt in zahlreichen Pressestimmen zum Ausdruck. In der „Deutschen Zeitun g“, dem Organ des großen völkischen Flügels der Deutschnationalen Volkspartei, schreibt Otto von Schilling: „Unser Sieg stellt eine tief beschämende, furchtbare Niederlage des deutschen Todfeindes dar, des internationalen Judentums. Seit dem August 1914 ist dem Judentum in Deutschland nicht derartiges Unheil widerfahren. Die vier schmählich durch Uneinigkeit und Habgier unterlegenen Parteien der Hindenburgfeinde, Zentrum, Demokraten, Sozialdemokraten, Kommunisten, bilden die gesamte Kampfmacht des Judentums in Deutschland. Das heutige Zentrum ist derartig jüdisch durchsetzt und zersetzt, daß man es nicht anders mehr denn als eine Hilfstruppe der Juden bewerten kann. Wer hat denn den Höfle ins Unglück, in Schande und Tod gebracht? Wer hat den Kuhhandel mit der völlig verjudeten preußischen Regierung ins Werk gesetzt? Die ganze demokratische Partei wird von der Judenpresse beherrscht, alle bedeutenden Führer der Sozialdemokratie sind Juden oder Judenstämmlinge, und die Kommunisten schwören auf die Mordjuden Rußlands. Wären alle diese Juden am Sonntag einig gewiesen, dann würde Marx mit genau derselben Mehrheit deutscher Reichspräsident sein, wüe es jetzt Gott sei Dank der Feldmarschall Hindenburg ist. ... Über diesen Erfolg, dessen Größe in Anbetracht der unerschöpflichen Geldmittel und sonstigen Unterstützungsmöglichkeiten des internationalen Judentums gar nicht hoch genug einzuschätzen ist, können wir heute wohl froh und stolz sein. ... Aus der schwersten Not und Gefahr, geradezu vor dem Untergang sind wir errettet worden, doch wahrlich nicht durch unser eigenes Verdienst, sondern lediglich und ganz allein durch die Gnade des Herrn.“ Berlin (J.T.A.). Am Wahlsonntag abends, ebenso am Montag abends kam es im Westen Berlins zu erheblichen Ausschreitungen völkischer Abteilungen. Am Montag gegen dreiviertel 9 Uhr abends bewegte sich ein Zug Nationalisten unter Niederrufen auf die Republik und die Juden, sowie unter Absingen antisemitischer Hetzlieder über den Kurfürstendamm zum Wittembergplatz. Zahlreiche Passanten wurden belästigt. Die Kundgebung trug eine stark aggressive antisemitische Note. POBZEMiAN-^lEDERLAGE THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL. IN GEBRAUCflSPORZELLAH