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Das jüdische Echo · 1925-05-08 · 19 (8.5.1925) · p. Seite 348

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
19 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
Seite 348 (sequence 4)
Language
German
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348 Das Jüdische Echo Nr. 19 wissermaßen in ein geistiges Ghetto sperren. Palästina aber hat es nicht zngelassen, daß man aus angeblichen Zweckmäßigkeitsgründen der hebräischen Sprache und der hebräischen Kultur wiederum den Stempel der Minderwertigkeit aufzudrücken versucht. Der Befreiungskampf gegen diese Tendenzen ist siegreich zu Ende geführt worden . . Nachdem Herr Cohn am denkwürdigen 10. Dezember 1013 diejenigen seiner „aufständischen“ Lehrer, die die Schiilrämnc betreten hatten und mit der Unterrichtserleilung beschäftigt waren, mit Hilfe eines Aufgebotes von Polizisten und in Gegenwart der Schüler und des deutschen Konsuls vertrieben halte („Herr Cohn erfaßte darauf Herrn Lehrer G.beim Rockkragen und versuchte, diesen mit Gewalt aus der Klasse zu entfernen. Der Konsul trat dazwischen, um Tätlichkeiten zu verhindern. Herr G . . . . verließ übrigens gleich die Klasse, nachdem diese einem neuen Lehrer übergehen worden war“ [Aus dem Bericht von Fräulein Vera Pinczower in der „Welt“ vom 17. Januar 1914]), demissionierten 41 von den 50 in den Hilfsvereinsschulen beschäftigten Lehrern und gingen in die rein hebräischen Schulen der Zionistischen Organisation übeiv So weit Herr Ephraim Cohn in den Jahren 1913 und 1914. Und nun lese man den 12 Jahre später geschriebenen Artikel Cohns in der C.-V.-Zeitung, der nach den Worten des Verfassers, einen „Akt der hi- Morischen Gerechtigkeit“ darstellt, indem er den bedeutenden Anteil der Hilfsvereinsschulen an der Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Palästina beweist! Nuq sind wir nicht so verblendet, um nicht zu gestehen, daß die Hilfsvereinsschulen, insbesondere die von ihm unterhaltenen rein hebräischen Kindergärten in der Tat eine nicht zu unterschätzende hebraisierende Wirkung im Lande ausgeübt haben, aber allerdings trotz der erwähnten schädlichen Tendenzen von Ephraim Cohn. Diese hebraisierende Wirkung ist von den Lehrer n dieser Schm len ausgegangen. Und es gehört schon ein gutes Stück jener Eigenschaft dazu, für die es nur im Hebräischen den treffenden Ausdruck gibt, um nunmehr nach 10—12 Jahren, sich in einem selbstgeschriebenen Aufsatz im reinen Lichte eines entschiedenen V o r k ä m p fers der hebräischen Sprache erscheinen zu lassen. (Vom Sprachenkampf wird in Cohns Artikel keinerlei Erwähnung getan.) Aber wir wollen mit Ephraim Cohn nicht rechten, sondern annehmen, daß es ihm diesmal mit seiner Liebe für die lebende hebräische Sprache ernster ist als in jenen Tagen der direktorialen Schreckensherrschaft. Wir haben umso weniger Anlaß, die Aufrichtigkeit seiner neuesten Liebesbezeugung zu bezweifeln, als er ja für Palästina und das hebräische Schulwerk ein völlig erledigter Mann ist, den die heiligsten Liebeserklärungen nicht mehr als hebräischen Pädagogen und Kulturträger auferstehen lassen werden und der bei einem derartigen Versuch von der palästinensischen öffentlichen Meinung förmlich hinweggefegt würde. Interessant für uns an dieser ganzen Angelegenheit ist nur die Wandlung, die sich in den Anschauungen solcher Männer während der letzten Jahre vollzogen hat und sie verdient gewiß, in den Annalen der zionistischen Bewegung feslgehalten zu werden. M. M. Nach der Reichspräsidenten-Wahl Der Sieg der rechten Parteien im Kampfe um die Reiehspräsidenlschaft und die Wahl des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zum Reichspräsidenten beschäftigt in einem hohen Maße auch die jüdische Öffentlichkeit in Deutschland. Wir geben im folgenden Auszüge aus den Betrachtungen einer Reihe von jüdischen Zeitungen wieder, die zur Wahl Hindenhurgs Stellung nehmen. Die „Jüdische Rundschau“ schreibt in ihrer Nummer vom 28. April u. a.: „Es hat wenig Zweck, den Wert der Entscheidung des deutschen Volkes dadurch herabmindern zu wollen, daß man die Wahl als einen Sieg der nationalen Phrase und des sentimentalen politischen Unverstandes hinstellt; vielmehr ist es Sache des Politikers, mit dieser Tatsache und mit der sich darin zeigenden Gesinnung des deutschen Volkes als mit gegebenen Realitäten zu rechnen. Die Tragweite des Ereignisses ist heule noch nicht zu übersehen. Man kann wohl annehmen, daß die auf die Wiederherstellung der alten kaiserlichen Verhältnisse hinslrebenden Kreise, die hinter Hindenburg stehen, den Versuch machen werden, die deutsche Politik ins Fahrwasser einer scharfen Reaktion zu lenken, die sich u. a. auch in Unduldsamkeit und Entrechtung der nationalen und konfessionellen Minoritäten im Staate ausdrücken soll. Die Person des Reichspräsidenten wird in dem erbitterten Kampf um die Macht wahrscheinlich keine aktive Rolle spielen. Hindenburg ist innerpolitisch stets zurückhaltend gewesen, er hat sich auch, trotz seiner deutschnationalen Gesinnung, stets von antisemitischen Pöbeleien, wie sie sich etwa sein Kollege Ludendorff zuschulden kommen ließ, ferngehalten. Aber nicht um eine Person geht es, sondern um die Sache . .. Es besteht die Befürchtung, daß die Wahl Hindenhurgs der Auftakt sein wird zu einer inneren Politik, die mit der Parole „Gegen Juden und Katholiken“ arbeiten wird, wobei natürlich die Juden in noch weit stärkerem Maße getroffen werden als die Katholiken . . . Angesichts der Symptome der Reaktion ist es Sache der deutschen Juden, mit peinlicher Aufmerksamkeit darauf zu achten, daß sie nicht in noch höherem Maße als bisher zu Bürgern zweiter Klasse degradiert werden. Wir verlangen für uns nicht nur die vollen Rechte des Staatsbürgers, sondern auch das Recht, frei und unangefochten in diesem Staate, in dem wir leben, unsere Ideale zu pflegen. Wir hoffen, daß die Wahl des neuen Reichspräsidenten nicht der erste Schritt zu einer politischen Linie ist, die nicht nur für die Juden und die anderen Minoritäten in diesem Staate unerträglich wäre, sondern letzten Endes auch dem Deutschen Reiche verhängnisvoll werden müßte.“ Das „J ii d i s c h e Woche n b 1 a 11“, Frankfurt am Main, bespricht im Leitartikel vom 1. Mai die Wahl Hindenhurgs zum Reichspräsidenten und die Konsequenzen, die aus dieser Wahl für die deutschen Juden zu ziehen sind. Die Zeitung lehnt „jene übertriebene Ängstlichkeit ab, die sich in Gedanken und Gesprächen wohl schon Luft macht und die meint, es werde eine unmittelbare Änderung der politischen Lage, des wirtschaftlichen Lebens und der Beziehungen der deutschen Behörde zu den Juden eintreten.“ Dann schreibt die Zeitung: „Eine andere Gefahr dagegen, heule weniger sichtbar, aber vielleicht schwerer und grundsätzlicher, muß erwähnt werden. Wir meinen die Tatsache, daß sich das deutsche Volk heute in zwei fast gleich starke Gruppen gespaltet hat, die sich vorläufig noch ziemlich geschlossen gegenüberstehen. Wenn man daran denkt, wie bei amerikanischen Präsiden-

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