Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 18 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 337 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 3''^ Der Tod des Ex-Reichspostministers Höfle und die Barmat-Affaire. Berlin (J.T.A.). Das sozialdemokratische Hauptorgan „Vorwärts“ beschäftigt sich in'seiner Nummer vom 25. April mit dem im Gefängnis erfolgten Ableben des früheren Reichspostministers Dr. Höfle und führt u. a. aus: „Und warum ist dieser Justizmord begangen worden? Lediglich deshalb, weil mit der Haftentlassung Höfles der ganze Barmat-Rummel noch vor der Präsidentenwahl zusammengebrodien wäre! Wer wollte heute noch bestreiten, daß das ganze Verfahren gegen Barmat nur von politischen Motiven diktiert war? Was hat die Staatsanwaltschaft getan, als wir bestimmte Angaben über das Auftreten ihres Assessors Kussmann in Amsterdam machten? Kein Wort der Widerlegung und damit ein glattes Geständnis, daß dieser längst als völkischer Fanatiker enthüllte ehrgeizige Assessor hauptsächlich politisches Material sammelte ... Der Skandal der Staatsanwaltschaft schreit zum Himmel und fordert Sühne.“ Ein Antisemit schießt in einem Wahllokal ein jüdisches Ehepaar nieder. Berlin (J.T.A.). Der Konditor Oskar Laube feuerte am Sonntag nachmittags im Wahllokal, Potsdamerstr. 54 sechs Revolverschüsse gegen den Fabrikbesitzer James Wachtel und dessen Gattin Meta ab. Das Ehepaar, welches zur Ausübung der Wahlpflicht erschienen war, wurde schwer verletzt nach dem Elisabeth-Krankenhause geschafft. Der Täter wurde verhaftet. Er gibt an, er habe den doppelten Mordversuch aus Rache verübt, weil das jüdische Ehepaar jetzt seine frühere Wohnung besitzt, während er selbst keine entsprechende Wohnung mehr habe. Er konnte nur schwer von dem Polizeibeamten der Menge, die ihn lynchen wollte, entrissen werden. Es stellte sich heraus, daß Laube einst der Sekretär des berüchtigten Antisemiten, des bekannten „Dreschgrafen“ P ü c k 1 e r-Klein Tschirne, der vor einigen Monaten verstorben ist, gewesen war. Laube betätigte sich auch in der letzten Zeit als antisemitischer Hetzer, man hält ihn für geistig nicht ganz normal. Für eine Geschichte der Berliner Jüdischen Gemeinde. Berlin (J.T.A). Bisher fehlt es an einer bis in die neueste Zeit reichenden Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Es sind aber Pläne und Ansätze zu einer auf die umfangreichen Dokumentensammlungen gestützten Darstellung der Chronik der Gemeinde vorhanden. Um die Anregungen in der angedeuteten Richtung zu verstärken, hat der Gemeindevorstand beschlossen, in geeigneten Fällen denjenigen Herausgebern einer Geschichte der Jüdischen Gemeinde, die für eine wissenschaftliche Behandlung des Stoffes Gewähr leisten, erforderlichenfalls eine Subvention zur Ermöglichung der Arbeiten zu bewilligen. Plan der Gründung eines jüdischen akademischen Instituts. Berlin (J.T.A.). In Berlin bildete sich vor kurzem eine lnitiativ-Gruppe, die sich die Gründung eines jüdischen akademischen Instituts als Forschungsanstalt für Wissenschaft, die in jidischer Sprache schreiben, zum Ziele gesetzt hat. Der jidische Schriftsteller N. Stif (Baal Dimjon) verfaßte darüber ein Memorandum, welches an die wissenschaftlichen und Kultur-Institutionen in allen Ländern, sowie an jüdische Gelehrte versandt worden ist. In einer Versammlung im Kulturklub „S c h a- 1 o m A 1 e c h e m“ zu Berlin hielt Herr Stif vor einer Gruppe jüdischer Intelligenz ein Referat über das jüdische Institut. Der Referent berichtete über die große Reihe wissenschaftlicher Werke, die ji~ disch geschrieben worden sind. Alle jüdischen Disziplinen und die allgemeinen Wissenschaften sind vertreten. Mehrere jidisch geschriebene Journalein verschiedenen Zentren dienen der Wissenschaft. Das geplante Institut soll vier Sektionen enthalten: 1. für jüdische Philologie, 2. für Pädagogik, 3. für sozial-ökonomische Wissenschaften, 4. für jüdische Geschichte. Das Institut soll in den großen Zentren wie Berlin, Wien, New York usw. Abteilungen haben. Die jüdische Bildungszentrale in Wilna und ähnliche Organisationen in anderen Ländern haben das Projekt der Institutsgründung mit großem Interesse aufgenommen. Die am 19. April in Warschau begonnene Konferenz des jidisch e n Schulwesens in Polen hat sich mit dem Plan eingehend beschäftigt. Für September ist eine Konferenz jüdischer Wissenschaftler, die in jidischer Sprache schreiben, in Berlin geplant. Diese Konferenz wird sich ausschließlich mit der Gründung des Instituts beschäftigen. Der lnitiativ-Gruppe gehören außer dem Initiator Herrn Stif die folgenden Herren an: Dr. A. 0 1 s c h w a nger, A. Tscherikower, Jakob Leschzynski, Menes, A. Steinberg, J. Steinberg, Prof. S. Schneursohn, R. Simc h o w i c z u. a. Der bekannte jüdische Historiker Prof. S. Dubnow hat seine Unterstützung zugesagt. Über das jüdische Theater. Berlin (J.T.A.) Am 21. April abends hat der führende Theaterkritiker Rußlands Alexander Kugel (homo novus) im Jüdischen Theaterklub „S c h a 1 o m A 1 e c h e m“ einen Vortrag über das jüdische Theater in Rußland und in den anderen Ländern gehalten. Der Vortragende stellte fest, daß das jüdische Theater überall in seiner Entwicklung nach oben begriffen ist. Die höchste Stufe der Entwicklung erreichte bisher das hebräische Theater „H a b i m a h“ in Moskau. Lr regte an, daß die jüdischen Künstlerkreise in Deutschland sich mehr als bisher der Idee des jüdischen Theaters widmen sollen. Die Ausführungen des Vortragenden fanden das lebhafteste Interesse der anwesenden Schriftsteller und Künstler. Prof. Dr. Karl Marti gestorben. Bern (J.T.A.). Am 22. April starb in Bern, wenige Tage vor der Vollendung seines 70. Lebensjahres Prof. Dr. Karl Marti, Ordinarius für alttestamentliche Theologie an der Berner Universität. Prof. Marti war eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der alttestamentlichen Wissenschaft. Zahlreiche jetzt in Europa und Amerika amtierende Rabbiner, sowie die meisten Lehrer, die jetzt in Palästina wirken, zählten sich zu sei- Iber elegante bamenhut In allen Preislagen Präte Taus% hieben der München i Residenzstrasse 3