Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 18 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 331 beobachteten Zuckungen sind zum großen Teile als Verblutungskrämpfe und nichj/ als Schmerzäußerungen anzusehen. Auf die anatomischen und physiologischen Verhältnisse, die beim Schächten in Betracht kommen, kann hier nicht näher einge gangen werden; so viel steht jedoch fest, daß durch das Schächten eine gründliche Ausblutung und damit eine bessere Haltbarkeit des Fleisches bedingt wird. Die Vorbereitungen zum Schächtakt, das Fesseln und Niederlegen der Rinder sowie das Drehen des Kopfes sind notwendig zur Sicherung für die beschäftigten Personen, für die gefahrlose Ausführung seinem Wohle oder zu seinem Nachteile dienen sollen. Übrigens müssen auch andere Schlachttiere, wie Schafe, Ziegen, Kälber und Schweine zum Zwecke der Betäubung gefesselt, geknebelt und auch niedergelegt werden und auch bei den Schlachlmethoden mit Betäuben der Schlachttiere kommen Versager und mehr oder weniger schmerzhafte Quälereien vor. Die bisher bekannten Betäubungsapparate werden oft schon nach kurzem Gebrauch mangelhaft und geben dann zu Quälereien Anlaß. Gegenwärtig wird aber im hiesigen Schlachthofe ein neuer Bol- Ain Charod (Nuris) Moderne Steinbrecher bei der Arbeit & - * ■ T »jgeSSt v # : des Schächtschnittes. Das Wehren der Tiere gegen die Fesselung ist wohl eine Empfindung von etwas Unangenehmem, Lästigem, nicht aber die Äußerung heftigen Schmerzes oder gar von Todesangst. Wenn von Todesangst gesprochen wird, die das Schächttier überkomml, wenn es merkt, daß die Reihe nun an ihm ist, und von der Marter, die aus dem Blick der Augen spricht, so vergißt man ganz, daß dasselbe Tier sich in der Regel ohne Sträuben in die Schlachlhalle führen läßt, wo die toten Leiber von seinesgleichen ihm vor Augen hängen, daß es auch ganz ruhig dem Schlachten des neben ihm stehenden Tieres zusieht und absolut keinen Gebrauch von der ihm zu Gebote stehenden Kraft macht, um seinem Schicksal zu entrinnen. Man vergißt eben, daß dem Tiere das Urteil fehlt. Wenn manche Tiere, besonders Pferde, eine instinktive Scheu vor Blutgeruch äußern, so beweist das noch lange nicht das Vorhandensein von Todesangst. Ein Tier wird sich immer gegen Fesseln wehren, gleichviel, ob sie zu zen Schußapparat geprüft, der sich bisher als einwandfrei erwiesen hat- und dann voraussichtlich eingeführt wird. \ Vergleicht man die äußeren Eindrücke der verschiedenen Schlachlmethoden auf den Zuschauer, so ist wohl ohne weiteres einzuräumen, daß das Schächten wegen der Yorhereilungen und nach dem Schächtschnitte wegen *des starken Blutergusses und Röchelns der Tiere mit durchschnittener Luftröhre sowie wegen der heftigen Muskel-Kontraktionen auf den Beobachter einen unangenehmeren Eindruck machen wird, als dies durch Betäubung der Tiere durch Schlag oder Schuß der Fall ist. Es ist aber wohl zu beachten, daß auch die Betäubung anfangs häufig unvollkommen ist, so daß die Tiere auf den behufs Blutentziehung .. angebrachten Herzstich oft noch recht lebhaft reagieren und dann andererseits heim Schächten infolge des raschen, massenhaften Blutverlustes alsbald. Blutleere des Gehirns und damit Bewußtlosigkeit eintritt.