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Das jüdische Echo · 1925-05-01 · 18 (1.5.1925) · p. Seite 330

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
18 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 330 (sequence 10)
Language
German
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330 Nr. 18 Das Jüdische Echo täubung, die Marter, die beim Sehächtschnitt und während der ersten Minuten des Ausblutens aus dem Blick der Augen spricht, einem Blick, der alle Berufung auf „religiöse Gefühle“, „Gewissensfreiheit“, aber auch auf „neue physiologische Untersuchungen“ verstummen läßt. Vielleicht weisen Sie hei diesem Anlasse Ihre Leser darauf hin, daß wir alle, die wir Einfluß auf die Gesetzgebung nehmen können, an den Martern der Schächttiere Mitschuld tragen, insbesondere auch jeder von uns, Mann und Frau, der zu bequem, zu „fein“ oder zu feig ist, um sich durch Augenschein ein eigenes Urteil zu bilden, ln besonderem Maße gilt dies von den gebildeten Kreisen, die vor allem imstande und berufen wären, dem sittlichen Empfinden auch des einfachen Mannes Worte zu leihen und den Weg zur Abhilfe zu zeigen; gerade aus gebildeten Kreisen sind, wie mir auch von den Aufsehern bestätigt wird, Zuschauer im Schlachthofe fast nie anzutreffen. Haupttage in der Regel Mittwoch und Freitag, Eintritt 20 Pfg. Ich weiß nicht, ob Ihnen in Erinnerung ist, daß Herr Schlachthofdirektor Dr. Opel im Kriege und mit Rücksicht auf die damaligen Ernährungsschwierigkeilen — das Blut der Schächttiere ist vielfach verunreinigt und deshalb unverwendbar — von der Stadt ein Schächtverbot erbeten und erreicht hatte; leider konnte es infolge des Eingreifens der Regierung nicht vollzogen werden. München hat wenigstens den Vorzug, daß dem Antrag der Schlachthofdirektion entsprechend nicht mehr als 3 vom Hundert der Tiere geschächtet werden dürfen — gestern z. B. 16 Rinder —, während, wie ich höre, in andern Städten der Hundertsatz auf 55 v. H. steigt (!). Was die anderen Tiere anlangt, die nicht geschächtet, sondern betäubt werden, so habe ich heute nicht ein einziges gesehen, das geschossen wurde. Vor dem Kriege wurden hier alle Großtiere geschossen. Im Kriege hat das Schießen aus Munitionsmangel ganz aufgehört. Die Schlachthofverwaltung hat neuerdings ein verbessertes Schußgerät eingeführt, aber es konnten bisher nur 10 Stück gekauft werden und die Metzger sind in der Benützung zurückhaltend, weil sie wünschen, daß die Munition von der Stadt geliefert werde (Kosten jährlich 3500 Mark). Es wäre dringend erwünscht, daß die Mittel dafür .bereitgestellt werden könnten. Die Erfahrungen mit' dem Schlagen sind — wie nicht verschwiegen werden darf,,— gar manchmal wenig befriedigend. Mit freundlichen Grüßen Ihr E i n h a u s e r. * Das Schächten besieht darin, daß das Tier ohne jede Betäubung bei vollem Bewußtsein aufgeschnitten wird. Während durch den Schuß betäubte Tiere wie vom Blitz getroffen niederstürzen und in vielen Fällen nur noch beim Halsstich zucken, ist der Vorgang beim Schächten folgender: Die Hörner werden an einem Aufzug befestigt, die Vorderfüße, dann die Hinterfüße zusammengebunden, das Tier wird aufgezogen, sodaß es in der Luft schwebt, die vier Füße werden zusammengebunden, das Tier wird herabgelassen und auf die Seile gelegt. Dauer dieser Vorbereitungen 6—7 Minuten. Dann wird der Hals mit einer Gabel zurückgebogen, sodaß der Hinterkopf flach auf den Boden zu liegen kommt. Es folgt das Aufschneiden des Halses. Das Blut quillt in breiten Strömen heraus in eine unter den Kopf gelegte Schüssel, die, so oft sie voll ist, ausgewechselt wird. So oft der Blutstroin schwächer zu fließen beginnt, wird die Wunde von einem nichtjüdischen Metzgergehilfen mit Hand und Messer erweitert. Die starken Zuckungen, das Aufbäumen und Kopf heben — manche Tiere drehen sich dabei im Kreise um ihre Achse herum — endigen etwa 6 Minuten nach dem Halssehnilt. * * * Auf diese Darstellung des Schächtvorgangs erwiderte in Nr. 112 vom 24. April der städtische Obertierarzt Herr Dr. Moelter: „In Nr. 110 der M.N.N. vom 22. April fordert Herr Oberregierungsrat Dr. Einhauser das Münchener Publikum, besonders die gebildeten Kreise auf, sich das Schächten der Haustiere selbst anzusehen, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Da in dem Vorbringen; .Diese Marter geschehen Tag für Tag, Jahr für Jahr hinter den Mauern der Schlachthöfe4, wohl auch ein Vorwurf der Duldung seitens der Schlachthofverwaltung gelegen ist, kann ich es mir als Teilnehmer an obiger Tagung und langjähriger Obertierarzt am Münchener Schlachthole nicht versagen, zu diesen Ausführungen Stellung zu nehmen und die Vorgänge beim Schächten näher zu beleuchten. Der Vorgang des Schächtens selbst ist im allgemeinen zutreffend geschildert, jedoch könnte durch den einleitenden Satz: ,Das Schächten besteht darin, daß das Tier ohne jede Betäubung bei vollem Bewußtsein aufgeschnitten wird4, die Meinung entstehen, das Tier werde in lebendem Zustande ausgeweidet. Dies ist nicht der Fall, sondern es erfolgt lediglich die Blutentziehung durch Durchschneidung der großen Blutgefäße des Halses. Der Schächlschnilt geschieht mittels eines haarscharf geschliffenen langen und breiten Messers rasch und sicher am niedergelegten Tiere, sodaß durch den Schächtschnitl selbst dem Tiere sicher kein größerer Schmerz verursacht wird als durch Schlag oder Schuß zum Zwecke der Betäubung. Es ist wohl leicht zu verstehen, daß mit Durchschneidung dieser großen, zum Gehirn führenden Blutgefäße der Blutdruck und die Spannung der Gefäße im Gehirn selbst alsbald aufhört, so daß dessen Ernährung behindert und alsbald Ohnmacht und Bewußtlosigkeit herbeigeführt wird. Die bei der Verblutung

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