Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 18 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Das Jüdische Echo 329 Nr. 110 vom 22. April brachte diese Zeitung eine Darstellung des Sehächtvorgangs aus der Feder des Oberregierungsrats Dr. Einhauser, einem ausgesprochenen Gegner des Schächtens, der die Redaktion des Blattes eine längere Einleitung vorausschickt, in dem sie auch den Begleitbrief dieses Schäehtgegners an sie in vollem Wortlaut mitteilt. Die unerträglichen Übertreibungen dieses „Schächtberichtes“ haben dann einen Befürworter des rituellen Schächtens, Hin. Obertierarzt a. D. Dr. M o e 1l e r, veranlaßt, die von Einhauser vorgebrachten Einwände gegen das Schächten zu entkräften. Ebenso hat das R a b b i n a t der Israelitischen K u 1 t u s g e m e i n d e in die Diskussion eingegriffen und zu der Angelegenheit wichtige Erklärungen abgegeben. In einem kurzen Nachwort bleibt die Redaktion der „Neuesten“ auf ihrem intransigenten Standpunkt verharren. Wenn sie auch am Schluß von einem „Ausgleich“ spricht, der gefunden werden müsse und als Minimalforderung der Humanität die vorherige Betäubung des Schächttieres bezeichnet, so läßt die ganze hier vom Zaun gebrochene Diskussion doch den bitteren Beigeschmack einer einseitigen, den Juden ungünstigen Auffassung, die von der Zeitung propagiert wird und stets auch andere, politische Nebenwirkungen hat, nicht vergessen. Es wirkt ungerecht, daß in einem Lande, in dem die Jagd in allen ihren Formen nicht nur geduldet wird, sondern als eine der edelsten und vornehmsten Vergnügungen der oberen Schichten gilt, die tierfreundliche Seele sich erst dann regt, wenn es sich darum handelt, den Juden durch eine für ihre religiöse Gewissensfreiheit unerträgliche Belastung ihre ohnehin schon schwere Existenz noch mehr zu vergällen. Wir geben im Folgenden die Diskussion in ihrem vollen Wortlaute wieder und schicken noch einige Resolutionen voraus, die die nationalsozialistische Fraktion laut dem „Völkischen Kurier“ vom 24. April demnächst im bayerischen L a n d - 1 a g und im M i't n c bene r S t a d trat als Anträge einbringen will. Diese Resolutionen lauten: „Der Landtag wolle beschließen: Die bayerische Staalsregierung wird ersucht, unverzüglich eine Verordnung zu erlassen, wonach 1. das Schächten nicht mehr zugelassen wird, 2. das Schlachtvieh, wie vor dem Kriege, durch Erschießen getötet wird.“ Ferner stellt Dr. Buckeley namens der N. S. I). A. P. im S ladt r a t folgenden Dringlichkeitsanlrag: „Wir beantragen, der Stadtrat wolle beschließen: Die Tötung der Tiere im Städt. Schlacht- und Viehhof muß ausschließlich unter Anwendung der Schußmaske erfolgen. Begründung: Es ist eine primitive Forderung vom Standpunkt der Kultur und Sitte aus, daß die Tötung der Tiere in einem großstädtischen Schlacht- und Viehhof nur unter Vermeidung aller ausschaltbaren Quälereien, Schmerzen und inhumaner Nebenumständlichkeiten erfolgen darf.“ Daß gerade die völkischen und nationalsozialistischen Kreise Bayerns sich so innig der Anti- Schächtbewegung anschließen, ist der beste Beweis für die antisemitischen Nebenwirkungen, die derartige Kampagnen im heutigen Deutschland hervorrufen. Unter der Maske der Tierfreundlichkeit werden hier ganz andere Ziele verfolgt. * In Nr. 110 vom 22. April schreiben die „Münchener Neuesten Nachrichten“ unter dem Titel „D er Vorg a n g bei m S c h ä c h t e n“ folgendes: Die Aufforderung von Veterinärrat Storch in der Samstagsitzung des Tierschutzverbandes, die Bevölkerung möge sich den Schächtvorgang selbst ansehen, hat in der Öffentlichkeit starken Eindruck gemacht. Ein Münchener Tierfreund, der schon früher den Schächtakt gesehen, hat gestern wieder im Münchener Schlachthof dem Vorgang beigewohnt, und stellt einem unserer Mitarbeiter seine Aufzeichnungen zur Verfügung. Wir möchten unseren Lesern auch seinen Begleitbrief bekanntgeben und haben vom Briefschreiber die Erlaubnis erhalten, dies mit Nennung seines Namens zu tun. Oberregierungsrat Dr. E i n h ause r schreibt uns: „Bei der jüngsten Tagung des Tierschutzverbandes in München hat Veterinärrat Storch aus Schmalkalden gesagt: „Wenn sich die Bevölkerung das Schächten ansähe, würde ein Sturm der Entrüstung dagegen durch das Land gehen“. Ich habe mir heute im Münchener Schlachthaus das Schächten einiger Ochsen angesehen und auf dem beiliegenden Zettel niedergeschrieben, was der Laie dabei siebt. Vielleicht teilen Sie eine solche Beschreibung des Schächtvorganges Ihren Lesern mit. Ich kann Herrn Veterinärrat Storch nur beipflichten. Die einfachen Leute aus der Stadt, die neben mir zugeschaut haben, haben sich darüber entrüstet, „daß heutzutage so etwas noch erlaubt ist“, mein Metzger nennt es „gräuslieh“, der Aufseher im Schlachthof, den ich sprach, „eine Tierquälerei“. Nicht vier Wochen länger würde das Schächten in Deutschland geduldet, wollte auch nur ein verhältnismäßig kleiner Bruchteil derer, die sich darüber bisher aus der Zeitung unterrichten lassen, sich einmal selbst ansehen, was sich Tag für Tag und Jahr für Jahr hinter den Mauern der Schlachthäuser begibt: Die Todesangst des Schächttieres, wenn es merkt, daß die Reihe nun an ihm ist, die qualvolle und lange Vorbereitung, bis es für den Schnitt bereit am Boden liegt, die Versagung der Wohltat der Be- Bayerische Vereinsbank München-Nürnberg Gegründet 1869 Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns Akkreditive / Individuelle Beratung in allen Vermögensangelegenheiten / Günstige Bedingungen für alle Bankgeschäfte, besonders für den Einlagenverkehr mit und ohne Kündigungsfrist / Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren ( Durchführung aller mit der Goldmark-Umstellung verknüpften Arbeiten