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Das jüdische Echo · 1925-05-01 · 18 (1.5.1925) · p. Seite 328

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
18 (1.5.1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 328 (sequence 8)
Language
German
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328 Das Jüdische Echo Nr. 18 Teilen des Landes beobachtet, daß die allgemeine Wohlfahrt gestiegen und im weiteren Steigen begriffen ist. Nicht allein die Zahl der jüdischen, sondern auch die Zahl der Gesamtbevölkerung ist gestiegen. Gegenwärtig leben in Palästina 800 000 Araber und 108 000 Juden. Das Wachsen des Wohlstands der Araber ist zu einem erheblichen Teil dem Kapital und der Arbeit der ins Land gekommenen Juden zuzuschreiben. Alle britischen Kolonien wünschen, daß mehr Kapital und mehr Arbeitskräfte ins Land kommen. Warum soll es hier anders sein? Die Juden bringen Euch Kapital und Arbeitskräfte ins Land, zwei sehr geschätzte Dinge. Eure Zukunft, schloß Mr. Amery, wird nicht dadurch gesichert, daß Ihr Euch müßigen Befürchtungen hingebt, sondern darauf, daß Ihr die Kräfte Eures Volkes im Sinne von dessen Erziehung und Fortschritt entwickelt. In seiner Erwiderung auf die Darlegungen der Mitglieder der j ii d i s c h e n Abordnung führte Mr. Amery aus, die Juden sollten sich vergegenwärtigen, daß die Araber immer das zahlreichere Element in der Bevölkerung Palästinas sein werden. Das jüdische Nationalheim muß neben einem arabischen Nationalheim bestehen und mit diesem Zusammenleben. Beide müßten sich zu einer gemeinsamen palästinensischen Nationalität und Patriotismus verstehen. Mit Bezug auf die Forderung der Abordnung, die palästinensische jüdische Gemeindeordnung schnell zu ratifizieren, sagte Mr. Amery, er müsse die Forderungen der Agudas Jisroel prüfen. Die Regierung ist ihrerseits nicht in der Lage, eine Übereinstimmung unter allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zu erzwingen, sie will aber alles tun, um eine solche Übereinstimmung zu fördern. Um die Schechita 1 7. V ersa m m lung de s V e r b a n des deutscher Tierschutz vereine in M ii n c h e n Vom 1(>.—18. April fand in München die 17. Versammlung des Verbandes deutscher Tierschutzvereine statt, die laut Meldung des Nachrichtendienstes des J. Z. sich in ihrer Sitzung vom 17. April u. a. auch mit folgendem Antrag des Düsseldorfer Vereins, der durch den Schriftsteller Fritz W e s I - p h a 1 gestellt wurde, beschäftigte: „Der Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches möge bei den gesetzgebenden Körperschaften vorstellig werden, daß in Deutschland der Betäub u n g s - z w a ng für alle Schlachlliere vorgeschrieben wird.“ Gegen diese allgemeine Fassung des Antrages wandte sich Geheimral Volk m a r, da hier die religiösen Gefühle der Israeliten verletzt würden, für die das Schächten eine religiöse Einrichtung sei. Der Redner erklärte es für unhaltbar, auf der einen Seite Tiere zu schützen und auf der anderen Seite Menschen zu verletzen. Er beantragte, das Schächten auf das rituelle Schächten und auf einen Umfang zu beschränken, der für den Fleischverbrauch der Israeliten notwendig sei. Rabbiner Horovitz, Frankfurt a. M., bestritt ganz entschieden, daß das Schächten eine Tierquälerei sei. Die hervorragendsten Physiologen hätten gefunden, daß den geschäehteten Tieren schon nach wenigen Sekunden das Bewußtsein schwinde. Neuere Untersuchungen über den Blutdruck hätten die Wahrnehmungen der Physiologen bestätigt. Die Juden seien seit Jahrtausenden schon nach ihren religiösen Satzungen die besten Freunde des Tierschutzes. Es sollte ein Rabbiner in den Ausschuß für Schlachtviehtötung aufgenommen werden, damit die Vorbereitungen für die Niederlegung der zur Schächtung bestimmten Tiere möglichst verbessert werden. Bezirkssekretär Lange, Schweinfurt, betonte, daß die Sc.hächtfrage keine vordringliche finden Tierschutzverband sei, und vertrat den Wunsch, daß möglichst überall Umlegeapparate wie in Schweinfurt angeschaffl werden. Eisenbahninspektor von Euen, Landeshut, wünschte, daß der Düsseldorfer Antrag zurückgezogen werde. Polizeipräsident a. D. B a s t i a n , München, erklärte die Anträge ebenfalls nicht für notwendig. Mit dem Inkrafttreten des Entwurfes eines neuen Strafgesetzbuches regle sich diese Frage von selbst. Veterinärrat Storch, Schmalkalden, erklärte, daß er mit der Mehrheit seiner Kollegen Gegner des Schächlens sei. Wenn sich die Bevölkerung das Schächten ansehe, würde ein Sturm der Entrüstung dagegen durch das Land gehen. Komm.-Rat Siegmund F r a e n k e 1 , München, vertrat den Standpunkt, daß der Antrag nicht so aktuell sei, daß der Verband sich darüber in zwei Lager spalten solle. Rabbiner D r. Stein, Schweinfurt, wies darauf hin, daß durch eine Anordnung des Betäubungszwanges den Israeliten der Fleischgenuß unmöglich gemacht würde. Geschäftsführer K r ä m e r , Berlin, betonte, daß es, wenn von einem Gewissenszwang für die Israeliten gesprochen werde, für die Anhänger des Tierschutzes einen ebenso großen Gewissenszwang bedeuten würde, zuzugeben, daß die Tiere durch das Schächten unnötig gequält werden. Nachstehender Antrag des Niederrheinischen Tierschutzvereins K r e f e I d, „Verbot des Schäehtens der Bullen, da das Niederlegen und das Durchschneiden der dicken Haut besonders schwierig ist und im Großbetrieb gefährlich wird“, wurde durch Herrn Schlachthofdirektor Di\ M a y begründet. Bei der Abstimmung wurde zunächst die Entscheidung über den Antrag Düsseldorf mit 35 gegen 18 Stimmen vertagt. Ein geschäftsordnungsmäßiger Antrag des Kommerz.-Rats F r a e n k e 1 , daß der zum Anträge Düsseldorf beschlossene Vertagungsantrag dahin zu interpretieren sei, daß er auch die Vertagung des Antrages Krefeld in sich schließe, wurde mit nur einer Stimme Mehrheit abgelehnt (25 gegen 24). Sodann wurde der Antrag Krefeld mit Mehrheit a n g e n o m m e n. Ein Antrag Dr. Horovitz, der hierdurch zu Fall kam, wollte, daß das Schächten der Bullen nur dort gestattet werde, wo geeignete Sicherheilsvorrichtungen vorhanden sind. Schließlich wurde noch ein Antrag des Vereins Kiel angenommen, an das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft das Ersuchen zu richten, an die ihm unterstellten Behörden eine Verfügung zu richten, durch die für das ganze Reichsgebiet Bestimmungen über das Schlachten der Tiere (mit Einschluß der Fische) getroffen werden. Diese Bestimmungen sollen bei der Novelle zum Strafgesetzbuch berücksichtigt werden.. Die nächste Versammlung des Verbandes deutscher Tierschutzvereine findet im Jahre 1927 in I) a r m s ladt statt. * * * Die Münchener Tagung des deutschen Tierschulz- Verbandes und ihre Diskussion über die Schäehtfrage hat dann noch in den „M ü n c heue r Neuesten Nachrichten“ zum Nachspiel eine Anlischächtkampagne dieses judenunfreundlichen Blattes gehabt, die die Münchener jüdische Bevölkerung in nicht geringe Aufregung versetzte. In

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