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Das jüdische Echo · 1925-04-24 · 17 (24.4.1925) · p. Seite 313

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
17 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
Seite 313 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 313 wenn irgend möglich, zurückzukaufen. Sie hatte nur die Frau des Hausierers angetroffen, aber statt einer halben Proletariern war ihr in einer wohl eingerichteten, ordentlich gehaltenen Wohnung eine Frau in gul bürgerlicher Kleidung und entsprechendem Benehmen entgegengetreten, der man anmerkte, daß sie die Not nicht kannte, und die auch den Antrag meiner Mutter, ihr das Kleidungsstück zurückzuverkaufen, in einer Weise zusagend entgegennahm, die durchblieken ließ, daß der ihr dabei entgehende Gewinn für sie keine Bedeutung habe. Kein Zweifel, dieser jüdische Hausierer, der mit dem Sack über dem Rücken in gebückter Haltung durch die Straßen ging, beschimpft von den Straßenjungen, hielt seine Frau von allen Unannehmlichkeiten seines gar nicht zu einträglichen Gewerbes frei und versagte sich offenbar gar manche Annehmlichkeiten, um nur das Heim, in dem sie Herrscherin war, wohnlich zu gestalten. Meine Mutter hat fortan den Mann mit ganz anderen Augen angesehen. Mir aber kam der Vorfall wieder ins Gedächtnis, als ich später in Heine’s „Shakespeare’s Mädchen und Frauen“ auf die Stelle stieß, wo Heine im Abschnitt Jessika darauf aufmerksam macht, daß da, wo in der großen Gerichtsszene im Kaufmann von Venedig die Freunde des Antonio davon deklamieren, daß sie gern selbst ihre Frauen opfern würden, wenn sie dadurch den Freund retten könnten, der Dichter den Shylok, dem er vorher halte erklären lassen, daß er einen Ring, den ihm seine verstorbene Gattin einst geschenkt, nicht für einen Wald von Affen hingegeben hätte, nun beiseite sagen läßt: „So sind die Christenmänner! Ich hab'ne Tochter; Wär irgendwer vom Stamm der Barnabas Ihr Mann geworden, lieber als ein Christ!“ Heine führt es als Beispiel an für die Innigkeit des jüdischen Familienlebens. E d u a r d B e r n s t e i n. Literarisches Echo Stenographisches Protokoll des XIII. Zionist en-Kongresses (Karlsbad, den 6.—18. August 1923). Herausgegeben vom Zentralbüro der Zionistischen Organisation, London. Das soeben erschienene Protokoll des XIII. Kongresses reiht sich würdig in Inhalt und Form seinen 12 Vorgängern an. Auf den 574 Seiten des vornehm ausgestatteten Buches wird vor den Augen des Lesers in dramatischer Form der Verlauf jener denkwürdigen und für die heutige Gestaltung des Zionismus ausschlaggebenden Tagung des jüdischen Parlamentes aufgerollt. Dieses Buch ist nicht nur ein Dokument zur Geschichte der modernen zionistischen Bewegung. Es bietet einen überaus interessanten Querschnitt durch den heutigen Zionismus, es führt den Leser, den erngeweihten wie den Laien, mit einem Schlag in die ganze Welt der Gedanken und Tatsachen, der Probleme und Strömungen, die das heutige vielgestaltige zionistische Leben ausmachen. Hier wird in feierlichen Ansprachen und gemessenen Erklärungen der verantwortlichen Führer und in den feurigen Anklagen ihrer Kritiker die zionistische Weltpolilik, ihre Erfahrungen und Aussichten allseitig beleuchtet. Alle Phasen des zionistischen Wirkens in Palästina und in den Ländern des Galuth werden von berufenster Seite und zwar von den Leitern der verschiedenen Arbeitsgebiete und von den Repräsentanten der an der Arbeit unmittelbar beteiligten Schichten in einer belehrenden und anregenden Form besprochen. Die aktuellen Probleme der zionistischen Gedankenwelt finden hier in den extremen Anschauungen der Vertreter der verschiedenen Richtungen einen prägnanten Ausdruck. Der wortgetreue Bericht der Verhandlungen vermittelt ein fesselndes, wechselreiches Bild des jüdischen Parlamentarismus, mit seinem Parteiwesen, seiner Technik, seinen inneren und äußeren Schwierigkeiten. Dieses Buch legt wie kein anderes Zeugnis ab von der Größe und Vielfarbigkeit der zionistischen Bewegung, von den Schwierigkeiten ihrer Aufgaben und von ihren wunderbaren Leistungen. Man fühlt hier förmlich den Puls des lebendigen Zionismus schlagen. Der dramatische Aufbau des Kongresses hält den Leser in unausgesetzter Spannung und man kann dieses Buch, das dem Zionisten wie Nichtzionisten Belehrung und Anregung in vollem Maße bietet, nicht ohne seelische Teilnahme aus der Hand geben. T^aiulhallmai'er München fäßatinerür.lö. Glaser

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