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Das jüdische Echo · 1925-04-24 · 17 (24.4.1925) · p. Seite 307

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
17 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
Seite 307 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 307 dem Hofgeisllichen Dr. Vogel, der sieh selbstverständlich beeilt, die prophetische Botschaft seines Herrn zu verkünden. Worin gipfelt nun diese neueste Offenbarung in der Einsiedelei von Doorn? Die erste Forderung der wilhelminischen Reformation ist: Vernichtungskrieg gegen d e n G o t t de r J u d e n!“ „Aus unserer Religion müssen der Gott der Juden, und alles, was uns in unserem Gottesglauben daran erinnert, entfernt, ausgemerzt werden.“ Die zweite Forderung bezieht sich auf die Person Jesus, über die das Christentum eine verworrene, unrichtige Auffassung habe. Jesus werde in der deutschen Kirche zugunsten des Apostels Paulus verdrängt, ln den vielen Hunderten von Predigten, die er gehört habe, sei immer nur von Paulus mit einem Enthusiasmus gesprochen worden, als wenn er ein deutscher Nationalheiliger oder ein deutscher Nationalheld wäre. Die Prediger hätten überdies in die Worte Paulus’ willkürlich einen Sinn hineininlerpretiert, als wenn sie dabei gewesen wären. Besser und nützlicher wäre es, anstatt dessen Jesus in den Vordergrund zu stellen. Über die Person des Jesus sei eine große Diskussion im Gange. Für Wilhelm ist die Frage bereits entschieden: Jesus war niemals semitischer Jude, sondern arischer Abstammu n g. Beweis? Die Juden nennen Jesus niemals den „Bethlehemer“, sondern den Galiläer oder „den aus Nazareth“. Da nun semitische Juden in Galiläa nicht wohnen durften (woher weiß das Wilhelm so genau?), so folgt für Wilhelm daraus der bündige Schluß, daß Jesus kein semitischer Jude war. Hofprediger Dry an der habe erklärt, daß die Religion im Kriege bankrott geworden sei. Wilhelm pflichtet seinem Hofprediger bei und erklärt diesen Bankrott damit, daß das Christentum hinter dem Fortschritt der Religion in katastrophaler Weise zurückgeblieben sei. Die Anhänger der Kirche studieren und forschen, setzen die Erzählungen der Bibel in neues Licht, die Kirche nehme von diesem Ergebnis keine Notiz, sie lebe weiter i m j ii d i - s c h e n D u n slk r eis d e r Bib e1, die Kirche ist — jüdisch geblieben. Das neue Deutschland braucht neue, frische religiöse Nahrung. Hierzu ist die Reform der Bibel notwendig. Das Christentum befasse sich im Religionsunterricht zuviel mit den Ereignissen der jüdischen Geschichte, biete dem Kinde eine eingehende Einführung in die jüdische Denkweise, die jedoch mit der heutigen Religiosität keinerlei Berührungspunkte mehr habe. Der völkisch-christliche Religionsunterricht müßte vom Weihnachtsfest ausgehen. Wenn schon Bibel unterrichtet werden soll, so muß sie stark gekürzt, „kastigiert“, in die Hand des Kindes gegeben werden. „Vor allem jedoch müsse mit dem Glauben gebrochen werden — sagt Wilhelm —, daß der Gott der Juden auch unser Gott sei.“ L u t h e r habe einen großen Fehler begangen, daß er den jüdischen Gottesnamen überall mit „Herr“ übersetzt habe. „Unser Gottesglaube — lautet der Schlachtruf Wilhelms — ist nicht unser vom Judentum stammendes Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel. 20542 Ledererstr. 12 Erbe, sondern die aus den heidnischen Q u e 1- 1 e n stammende Erkenntnis. Der Gedanke der Offenbarung ist ein wahrer Gedanke, aber die wahre, für das Christentum gültige Offenbarung ist jedoch nicht im Alten Testament, nicht am Sinai, bei Moses oder den Propheten, sondern bei — Z a r a t h u s t r a zu suchen. Zarathustra und seine Lehre sind für das Christentum viel wichtiger als Moses.“ Auf Grund dieser Erkenntnis verlangt Wilhelm eine neue Bibel, die, nach Eliminierung des Alten Testamentes, mit dem Leben Jesu beginnt. Daß der Prophet Wilhelm zum Schluß behauptet, daß die U n d u 1 d s a m k e i t ei n v o m J u d e n - t u m ü h e r n o m m e n e s E r b s t ii c k sei, und sich aus der jüdischen Bibel ergebe, ist nach der Tendenz seines Reformplanes selbstverständlich, aber ebenso wahr und folgerichtig, wie seine phantastische Vision, die übrigens vor ihm schon der Leipziger Hammer-Fritsch gehallt hat. Omer- oder Sephiratage Eine Betracht u n g. „Und ihr sollt zählen vom Tage nach diesem Feste (Pessach), vom Tage, da ihr dargebracht das Opfer der Schwingung, auf daß es sieben Wochen seien.“ (3. Buch Moses 23, 15. ) Diese Worte in der Thora bilden die Grundlage der Tage, welche wir die Zeit des Omer oder der Sephira heißen. Es sind wohl nicht allzu viele in der jüdischen Gemeinschaft, welche sich der Bedeutung dieses Satzes heute, noch bewußt sind, und von denen, welche dieser Vorschrift gerecht werden, wiederum wenige, welche gedankenvoll Tag für Tag dieser Zählung nachkommen. Deshalb dürfte es angebracht sein, in aller Kürze hier diese Zeit zu besprechen, ln den Kreisen, welche der Tradition gerecht werden, gelten diese Tage als Trauertage und zwar aus verschiedenen Gründen. Nach Karo sind in dieser Zeit eine große Zahl der Jünger von Rabbi Akiba von einer Pest heimgesucht worden. Nach einer anderen Version sind beim Aufstand des Bar Koehba viele lausende Jünger Akibas den Truppen Hadrians zum Opfer gefallen. Auch noch andere Gründe werden für die nationale Trauer angeführt und es ist daher auch erklärlich, daß an diesen Tagen in strenggläubigen Kreisen zum Zeichen der Trauer jede Feierlichkeit gemieden und auch der Körper (wie durch Unterlassung des Haarschneidens usw.) zu dieser Enthaltsamkeit herangezogen wird. Die Anhänger der Kabbala sehen diese Wochen als eine Zeit der Läuterung und Reinigung an und zwar zur Erinnerung an den Auszug aus dem Lande der „Tumoh“, dem unreinen Ägypten, und die dadurch notwendig gewordene Vorbereitung für die bevorstehenden Ereignisse am Sinai. Daß auch in diese Tage vor Zeiten die schweren Judenverfolgungen in Deutschland fielen, mag nicht wenig zu diesen Trauerkundgebungen beigetragen haben. Wie es auch sei, Grund zur Erinnerung an diese traurigen Tage ist sicher vorhanden und es ist verständlich, wenn manche Kreise diese Trauer in anschaulicher Weise zum Ausdruck bringen, wieder andere die Erinnerung an sie, wenn auch nicht in offensichtlicher Weise, hegen. Ein Gelehrter unserer Zeit weist auf eine Stelle in „Ester Rabba“ hin, die uns hier erwähnenswert erscheint. Als Haman. so heißt es dort, bei Mordechai erschien, um dem Ahnungslosen, dem Befehle des Achaschveroseh gemäß, die königlichen Ehren zu erweisen, traf er ihn, von seinen Jüngern umgeben, bei der Untersuchung des Omer. Hierüber erstaunt, erkundigte sich Ha-

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