Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 17 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- Seite 306 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Das Jüdische Echo Nr. 19 Kolonisalionsbewegung um der notleidenden jüdischen Massen willen fördern und hegen keinerlei Absicht, die Bewegung irgendwie in ein kommunistisches Fahrwasser zu leiten. Einziges Ziel bleibt, einen gesunden jüdischen Bauernstand in Rußland zu schaffen. Die jüdische Kolonisationsgesellschaft bekämpft in keiner Weise die zionistische Bewegung und wird niemals ein Feld sein für politischen und sozialen Kampf. Marx für die Gleichberechtigung aller Konfessionen Berlin (J.T.A.). Der Kandidat der im „Volksbloek“ vereinigten großen republikanischen Parteien Deutschlands für die Reichspräsidentschafl, Dr. Wilhelm Marx, hat in den letzten Tagen in großen Zentren Deutschlands sich den Wählern vorgeslellt und in seinen Ansprachen stets seinen Standpunkt der Gleichberechtigung der Angehörigen aller Konfessionen betont. In seiner Wahlrede in Dresden sagte er u. a.: ,,Es gibt keine Slaatsform, die so sehr geeignet ist, das Gemeinschaftsgefühl der Bürger zu stärken, wie die Demokratie. Wir geben jedem Bürger seinen gerechten Anteil am Staate. Und noch eine dritte Scheidelinie aus der Vorkriegszeit tragen wir allmählich ab: die Politisierung des konfessionellen Gegensatzes. Der Krieg hat erwiesen, daß der konfessionelle Gegensatz kein politischer, kein nationaler Gegensatz ist. Katholiken, Protestanten, Juden und Freigeister sind gemeinsam für die deutsche Heimat gestorben, gemeinsam sind sie in fremder Erde begraben. Ein neuer Tag bricht an in der deutschen Geschichte, ein Tag, dessen Losung heißt: Wir alle sind Glieder einer Nation, Bürger eines Staates. Lasset uns dem Staate und der Nation gemeinsam dienen. Im Dienst an der Nation Einheit! In anderen Fragen Freiheit!“ Die Haltung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten in der Frage der Gleichberechtigung der Konfessionen ist bekannt. Im Dezember 1923, nach Antritt der Reichskanzlerschaft, empfing Herr Dr. Wilhelm Marx den Berliner J.T.A.-Vertreter und beantwortete ihm einige an ihn gerichtete Fragen in der folgenden Weise: „Die Rechte der Juden sind, soweit sie deutsche Staatsangehörige sind, durch die Verfassung gewährleistet. Dementsprechend hält auch die Reichsregierung an dem Grundsatz fest, daß niemand deshalb, weil er ein Jude ist, eine andere Behandlung erfahren dürfe wie ein Nichtjude. Wie der Genuß aller bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte, sowie die Zulassung zu öffentlichen Ämtern unabhängig von dem religiösen Bekenntnis sind, so legt die Reichsregierung auch darauf Gewicht, daß eine Differenzierung der Staatsbürger nach Rasse oder Religion nicht in sozialer und gesellschaftlicher Beziehung erfolge. Analog wird bei der Behandlung der Ausländer dahin gewirkt, daß dieses Prinzip durchgeführt wird, sodaß eine Sonderbehandlung von Juden nicht stattfindet und nicht geduldet werden dürfe. Wenn nun von gewisser Seite versucht wird, die große Not des deutschen Volkes zu antisemitischen Hetzen auszunutzen, so findet diese Bewegung nicht nur keine Unterstützung von Seiten der Reichsregierung und der einzelnen Landesregierungen, sondern sie wird auch als für das allgemeine Interesse überaus schädlich auf das entschiedenste bekämpft. Die jüdische Volkspartei und die Wahlen zum Landesverbandsrat Berlin ((J.T.A.). Wie bereits gemeldet, hat die Berliner Jüdische Gemeinde für den Rat des Preußischen Landesverbandes 10 Mandate zu verteilen. Die Repräsentantenversammlung hatte von diesen 10 Mandaten 5 der Liberalen Vereinigung, 2 der Jüdischen Volkspartei, 2 der Richtung der Religiösen Milteipartei und 1 den Konservativen zuerteilt. Die Jüdische Volksparlei hatte auf Grund der für sie in Berlin abgegebenen mehr als 14 000 Stimmen 3 Mandate verlangt. Es wurde ins Treffen geführt, daß die Mittelpartei und die Konservativen, die zusammen ungefähr die Hälfte der Stimmen der Jüdischen Volksparlei auf sich vereinigten, doch nicht 3 Mandate erhalten können, während die Volksparlei bloß 2 Mandate erhält. Nach der bekannten Abstimmung in der Repräsentantenversammlung verließen, wie schon mitgeteilt, die volksparteilichen Repräsentanten und Vorstandsmitglieder den Sitzungssaal und beteiligten sich nicht weiter an den Verhandlungen. Wie wir erfahren, gedenkt der Vorstand der Jüdischen Gemeinde dem Beschluß der Repräsentantenversammlung nicht beizutreten; er beabsichtigt, der Mittelpartei nur 1 Mandat zuzuerteilen, welches durch den der Mittelpartei nahestehenden Herrn Dr. F r eund ausgeübt werden soll. Für das zweite von der Repräsentantenversammlung dem Mittelparteiler Neumann zugewiesene Manda4 wird erwogen, der Repräsentantenversammlung als Kompromißkandidaten den Vorsitzenden der Wohlfahrtsorganisation der Jüdischen Gemeinde, Herrn Eugen C a s p a r i, vorzuschlagen. Man geht von der Voraussetzung aus, daß diese Kandidatur als eine überparteiliche angesehen wird und auch den Zionisten wegen der Stellung des Herrn Caspari zur Jüdischen Welthilfskonferenz genehm sein dürfte. Der J.T.A.-Vertreter hat sich in dieser Angelegenheit an den Vorsitzenden der Fraktion der Jüdischen Volkspartei, Herrn Rechtsanwalt Dr. A. Klee, um Auskunft gewandt. Herr Dr. Klee sprach sich dahin aus: es bedarf wohl keiner Bemerkung über die Wertschätzung der Person und Arbeit des Herrn Caspari; es läge aber zu einer unparteilichen Kandidatur keine Veranlassung vor. Die Jüdische Volkspartei habe einen glatten Anspruch auf drei Mandate. Sie habe für das dritte Mandat Herrn Dr. Hantke kandidiert und werde von dieser Kandidatur nicht abgehen. Sie betrachtet die bisherige Haltung der Majorität der Repräsenlantenversammlung als eine durch nichts gerechtfertigte Vergewaltigung. Bootschaft aus Doorn Wilhelms Kriegserklärung an den j ii d i s c he n Gott Die ,,W i e n e r M o r g e n z e i t u n g“ vom 22. April schreibt: Exkaiser Wilhelm hat das Bedürfnis, seinem besiegten Volke wohl nicht den Frieden, aber doch eine neue Religion zu geben. Er geht von der These aus, daß die christliche Religion und das heutige religiöse Lehen reformbedürftig seien. Dies zeige wohl auch die Beobachtung der äußeren Umstände. Aber Wilhelm begnügt sich nicht damit, was auch andere sehen, ihm sagt eine innere, göttliche Stimme, daß etwas geschehen müsse, um die christliche Religion christlich zu machen. Und Wilhelm, der jetzt viel freie Zeit hat, schreibt das nieder, was die innere Stimme ihm zuraunt, und sendet die Schrift