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Das jüdische Echo · 1925-04-24 · 17 (24.4.1925) · p. Seite 308

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
17 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
Seite 308 (sequence 12)
Language
German
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308 Das Jüdische Echo Nr. 17 man über den Inhall dieser Stelle, ob Omer Silber oder Gold sei. Als er hörte, daß es sich um ein Maß von den Erstlingen einfacher Gerste handelte, brach er in den Ruf aus: Euer Omer Gerste überwiegt die zehntausend Silber, die ich, um Euch zu vernichten, dem König angeboten hatte. Diese Legende soll uns die Standhaftigkeit und den Mut eines Mannes beweisen, der angesichts des schweren Leids, das auf ihm und seinem Volke lastete, es doch nicht unterließ, das von den Vätern übernommene Erbe zu hegen und zu pflegen. Das „Omer Gerste“ hat die schwersten Zeiten unseres Volkes überlebt, es mahnt uns, mit Ausdauer und Hoffnung der Zukunft entgegenzusehen. Ob mit oder ohne äußere Zeichen wollen wir die Tage zwischen der Befreiung aus Ägypten bis zum Tage, welcher uns an die Gesetzgebung am Sinai mahnt, zählen und dabei der hohen Mission unseres Volkes gedenken, welches der Welt schon vor Jahrtausenden durch seine Offenbarungen am Sinai die Wege zur Zivilisation wies. I v r i. Aus der iüdischenWelt Deutschland Pogromhetze in Deutschlan d. ,,H e r m a n n s Botschaft Ostern 192 ö“. Berlin (J.T.A.). Der rechtsradikale Verband ,,H e r m annssö h n e“ versandte soeben eine Broschüre in alle Welt, — ,,H e r m a n n s Botschaft- Ostern 1 9 2 5“ — die angeblich in 1 Million Exemplare gedruckt ist. ln der Broschüre wird angekündigt, daß noch in diesem Jahre nicht nur Deutschland, sondern auch alle Völker von den Juden befreit werden sollen. Die „wahrhaft gesitteten und staatserhaltenden Parteien in allen Nationen“ werden aufgefordert, an ihre Parlamente und Regierungen den folgenden Antrag zu stellen: „Die Gleichberechtigung der Juden ist aufzuheben. Bis zu ihrer völligen Ausscheidung aus den Kulturvölkern sind sie unter Fremdenrecht zu stellen. Der jüdische Kultus ist zu verbieten, da er unter dem Deckmantel religiöser Gebräuche in Wahrheit unsittliche und staatsfeindliche Bestrebungen pflegt. Die Synagogen sind zu schließen, die rabbinischen Schriften zu beschlagnahmen und zu vernichten.“ In der Broschüre werden die Leser flehentlich zu Geldbeiträgen aufgefordert. In der Broschüre ist ein Sendschreiben an die „Schwarze Hundertschaf t“, offenbar in Rußland, abgedruckt. In diesem Schreiben wird unter Moskau, 1./14. Januar 1925 verkündet: „Die Juden sind von einer großen Panik ergriffen, sie schließen ihre Synagogen und versammeln sich in ihren Wohnungen, denn schon viele Rabbiner sind unseren unsichtbaren Händen zum Opfer gefallen. Das zeigt uns, daß unser Weg der rechte ist.“ Dazu schreibt „Die Welt am Montag“: „Wenn die genügende Anzahl von Meuchelmördern zur Stelle ist, kann man alle Juden abgurgeln und so die Welt von ihnen „befreien“. Aber wer befreit nachher die Welt von dem antisemitischen Mordgesindel?“ TeNtilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.G. München / Frankfurt^. I Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 Hauptgeschäft Dachauerstr. 9. Illustr. Katalog gratis u.franko Die Anlw o rt der preußischen Regier u n g a u f die J u cl e n e n l r e e h t u n g s - An t rüge d er Rechtsradikalen Wie schon mitgeteill, haben die Rechtsradikalen im preußischen Landtag eine Anfrage an die Regierung gerichtet, die in der Hauptsache auf eine bürgerliche Entrechtung der Juden in Preußen hinausging und u. a. auch forderte, daß alle „seit dem 1. August 1914 zugewanderten Angehörigen der semitischen Rasse“ ausgewiesen und deren Vermögen und Wohnungen beschlagnahmt werden. Wie der „Amtliche Preußische Pressedien s t“ nunmehr mitteilt, hat der preußische Minister des Innern, Herr S e v e r i n g, auf diese „Anfrage“ eine Antwort erteilt, in der er im Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien darauf hinweist, daß es allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts widersprechen und unabsehbare außenpolitische Folgen nach sich ziehen würde, wenn alle einer bestimmten Rasse oder Volksgemeinschaft angehörenden Ausländer lediglich wegen dieser Zugehörigkeit ausgewiesen oder ausgesperrt würden, ohne daß in ihrer Person Gründe für die Ausweisung lägen. Aus denselben Gründen könnten auch von Angehörigen der semitischen Rasse ordnungsmäßig in Besitz genommene Wohnungen nicht ohne weiteres beschlagnahmt werden. Ein großer Teil selbst der erst seit dem 1. August 1914 zugewanderten Personen habe die Wohnung zu einer Zeit rechtmäßig gemietet und bezogen, als hierfür noch keinerlei Zwangsbestimmungen galten. Eine Beschlagnahme würde also gegen alle Rechtsgrundsätze verstoßen und zweifellos Repressalien gegenüber deutschen Reichsangehörigen im Auslande zur Folge haben. Hinsichtlich der Forderung einer Kreditversagung durch die Preußische Staatsbank oder sonstige Staatseinrichtungen an Ausländer weist der Minister darauf hin, daß die Staatsbank Ausländern nur in besonderen Ausnahmefällen Kredit gebe. Zum Schlüsse wird gesagt: Weder die Reichsgewerbeordnung noch andere reichsgesetzliche Vorschriften geben die Möglichkeit, Angehörige einer bestimmten Rasse vom Gewerbe oder Handelsbetriebe auszuschließen. Daher sei auch eine Entziehung erteilter Gewerbe- und Handelserlaubnisse aus rassenpolitischen Erwägungen nicht möglich. Ein Archiv der unlergegangenen jüdischen Gemeinden in Posen Posen (J.T.A.). Es wurde schon milgeteilt, daß der größte Teil der einst blühenden jüdischen Gemeinden in den Städten der Provinz Posen unlergegangen sei, indem die gesamte jüdische Bevölkerung dieser Städte nach Deutschland ausgewandert ist. Am 8. Pessach-Tag wurde in der großen Synagoge zu Posen die erste „Haskarah“ (Seelenandacht) für die untergegangenen jüdischen Gemeinden abgehalten. Gegenwärtig ist eine Bewegung im Gange, historische Materialien über die große und reiche Vergangenheit der Juden in der Provinz Posen zu sammeln. Rabbiner Dr. Frey m a n n in Posen und Rabbiner Dr. Sonnenschein in Bromberg haben die Sammlung und Sichtung dieses Materials übernommen. Die dezimierte jüdische Gemeinschaft Posens ist aber nicht in der Lage, die erforderlichen Kosten selbst zu tragen. Sie erwartet von den nach Deutschland abgewanderlen Juden der Provinz Posen, die sich — wie man hier erfährt — zu Vereinigungen für gegenseitige Hilfe organisiert haben, daß sie materiell dazu beitragen, daß das historische Material der

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