Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 17 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- Seite 305 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 305 Die jüdische Kolonisation in Rußland Odessa. (I.T.A.) Angesichts des nahenden Frühjahrs hat sich der Strom der jüdischen Bevölkerung zu landwirtschaftlicher Betätigung verstärkt. Wie der russische Bevollmächtigte des Verbandes ,,0 r t“ dem Berliner Zenlralhiiro milteilt, organisieren sich jetzt auch in den großen Städten Rußlands Gruppen jüdischer Familien, die sich der Landwirtschaft zuwenden wollen. Neuerdings haben sich 20 000 jüdische Familien in die Listen der Landsuchenden eintragen lassen. Die Regierung beabsichtigt, in diesem Jahre 2000 jüdische Familien anzusiedeln. Bis jetzt haben sich in 23 Orten der Krim 585 jüdische Kolonistenfamilien und 240 Chaluzim auf dem Lande angesiedelt. Die Beziehungen zwischen den Kolonisten und den Tartaren sind freundschaftlich. Im ganzen bearbeiten die jüdischen Kolonisten auf der Krim 18 000 Desjatin Boden. Nunmehr wurden weitere 8000 Desjatin für neue 320 Kolonistenfamilien bereit gestellt. Joint hat es unternommen, im Jahre 1925 von sich aus 250 Familien auf der Krim anzusiedeln. In Weißrußland haben die neuen jüdischen Kolonisten 10 000 Desjatin Boden zugewiesen erhalten. In der letzten Zeit haben sich kleine jüdische Kolonislengruppen in Turkestan und Kuban angesiedelt. Moskau. (I.T.A.) Das Hauptbüro der Gesellschaft Agro-Joint in Moskau, welches die Kolonisationstätigkeit des Joint Distribution Comittee in Rußland leitet, erhielt von dem bekannten landwirtschaftlichen Sachverständigen Herrn S. L u - b a r s k y , der als Assistent des Herrn Dr. Rosen in Südrußland weilt, einen Bericht über die bisher in Südrußland geleistete Arbeit, in welchem es u. a. heißt: Im Distrikt Cherson wurden zwei größere Landflächen für jüdische Kolonisation übernommen. Die eine Fläche ist 75 000 Morgen groß; auf dieser werden 25 jüdische Kolonien errichtet. Auf der zweiten Fläche, die 36 000 Morgen umfaßt, werden acht Kolonien errichtet. Jede Siedlerfamilie erhält 45 Morgen Land zugeteilt. Am 20. April wurde die Verteilung beendet. Sechs Rotten Arbeiter sind gegenwärtig mit Brunnengrabungen in den neuen Kolonien unter der Leitung von Spezialisten beschäftigt. Die meisten Brunnen sind bereits vollendet. Die Mehrzahl dieser Brunnen stellen ausgedehnte Wasserleilungsanlagen dar. Bis jetzt haben sich 99 Kollektivgruppen der Siedler mit insgesamt 1504 Familien und 8706 Seelen auf dem Land niedergelassen. Die Siedler haben 529 Pferde, ferner Rindvieh und verschiedene landwirtschaftliche Geräte aus Eigenem mitgehracht. Agro- Joint hat bereits mit der Verteilung des Saatguts, sowie der landwirtschaftlichen Großgeräte begonnen. Je sechs Personen erhielten einen modernen Pflug, eine Egge, jedes Dorf drei Sähmaschinen, je drei Familien eine Kuh und einen Ochsen. Agro-Joint stellt das gesamte Haushaumaterial zur Verfügung. Bauholz für 600 Häuser ist bereits an Ort und Stelle geschafft worden. Im Distrikt Krivorog wird die Arbeit der Siedlungsvorbereitung Ende April beendet sein. Moskau. (I.T.A.) Die Gesellschaft für jüdische Kolonisation in Rußland hielt am 17. April in Moskau eine Versammlung ab, der mehr als 2000 Juden beiwohnten. Vorsitzender war Professor Benjamin K a g a n. Der erste Redner, Herr Alexander B r a g i n , von dem der jüdische Kolonisationsplan stammt, richtete an die Anwesenden einen Appell, „die jüdische Landsiedlungsbewegung in Rußland mit allen Kräften zu unterstützen, weil diese, wie er sagte, der einzige Weg sei, der die verelendeten jüdischen Massen in den russischen Städten aus ihrer verzweifelten wirtschaftlichen Lage herausbringen könnte. Er als Nichtkommunist könne versichern, daß auf der Seite der kommunistischen Mitglieder der Gesellschaft für jüdische Kolonisation keinerlei Absicht besteht, die Siedlungsbewegung im Sinne des Kommunismus auszunutzen. Die russische Regierung sehe das Problem der jüdischen Landansiedlung in Rußland nicht nur als ein jüdisches soziales Problem, sondern als ein russisches Staatsproblem an. Er trat in scharfer Form den Behauptungen jener Personen im Auslande entgegen, die die jüdische Kolonisationsbewegung in Rußland durch die Behauptung zu diskreditieren versuchen, sie sei eine Bewegung der jüdischen Kommunisten mit dem Ziele, Geld für kommunistische Zwecke aus dem Ausland nach Rußland hereinzubekommen. Die Bewegung, so schloß er, sei aus den jüdischen Massen Rußlands elementar hervorgegangen und es liege im Lebensinteresse der leidenden russischen Judenheit, daß diese Bewegung zum Ziele führt. Herr Dr. Wermel, eine aus der Vorkriegszeit bekannte soziale jüdische Persönlichkeit und Mitarbeiter der Gesellschaft für jüdische Volksgesundheit „Ose“, schilderte die traurige physische Lage der jüdischen Bevölkerung in den russischen Städten und kam zu dem Schlüsse, daß nur eine erfolgreiche Siedlungstätigkeit die physische Degeneration der jüdischen Massen aufhalten könnte. Eine zweite jüdische Persönlichkeit der Vorrevolutionszeit Prof. David Schor, der von den Versammelten stürmisch akklamiert wurde, führte aus, die jüdische Landansiedlung in Rußland sei die dringendste Angelegenheit des Tages. Sie bedeute keinerlei Konkurrenz gegenüber der zionistischen Bewegung. Der Redner appellierte an die gesamte Judenheit, den Plan der jüdischen Kolonisation in Rußland zu fördern. Zum Schluß sprach der bekannte Führer der jüdischen Kommunisten Herr M e r e s c h i n , der versicherte, die jüdischen Kommunisten wollen die DAS HAUS KRELL-U (KO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN-SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN