Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 17 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- Seite 302 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Das Jüdische Echo Nr. 17 dazu ohne Druck Zeil hallen, haben den Herrn noch heule nicht erkannt.“ Mit diesem seltsamen und verworrenen Elaborat glauben die „Münchener Neuesten Nachrichten“ ihre Leser über die Angelegenheit der EniversitätserölTnung und des Zionismus orientiert zu haben. Der tiefe Gedankengang des Artikels ist also ungefähr folgender: solange die Juden nicht einsehen, daß sie a 1 s T r ä g er der jüdischen R e 1 i - g i o n keine Existenzberechtigung mehr haben, kann auch der Vatikan ihnen und ihrer Palästinakolonisation keine Sympathien entgegenbringen. Es wäre für uns ganz interessant, zu wissen, welches die Gründe der „Neuesten“ für die Aufnahme dieser konfusen Zusammenstellung waren. Ens Zionisten kann diese schlechte Kompilation irgend eines römischen Korrespondenten dieser Zeitung höchst gleichgültig lassen. Der Zionismus wird durch derlei ..Meldungen“ weder vernichtet, noch aufgehalten. Die nichtzionislische j ü d i s e h e Öffentlichkeit aber wird sich, seihst wenn sie dem Zionismus völlig ablehnend gegenüber stehen würde, für diese Spielart des „Antizionismus“ kaum erwärmen können. Wer, wie diese Notiz, als Voraussetzung für freundliche Beziehungen zum Juden von ihm die Taufe verlangt, wird heute selbst beim Assimilationsjudentum sich eine schwere Abfuhr holen. Soll also das n i c li t j ii d i s c h e deutsche Publikum vor den Zionisten gewarnt werden, die hartnäckig und unbelehrbar an der jüdischen Religion festhalten, oder vor England, dessen Palästinapolitik, wie hier zum tausend und einsten Male wiederholt wird, von egoistischen Motiven diktiert ist? Wie dem auch sei: völlig unverständlich bleibt, daß die „Neuesten“, die in diesen Tagen so energisch für die Kandidatur des Protestanten Hindenburg und gegen die des Katholiken Marx als Reichspräsidenten agitieren, in der Palästinafrage die Vatikaninteressen so warm zu wahren bestrebt sind und ihnen in ihrer Beurteilung des neuen jüdischen Palästinawerkes die entscheidende Bedeutung zumessen. Daß übrigens die ablehnende Haltung katholischer Kreise durchaus nicht so allgemein ist, wie diese Meldung glauben machen möchte, sondern daß die Kardinäle in dieser Frage durchaus verschiedener Meinung sind, hat erst vor kurzem auf 23®»* Nestor Gianaclis Cigaretten der Bamberger Tagung des bayerischen Zionistischen Gruppenverbandes der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland festgestelll und betont, daß gerade diejenigen katholischen Kreise, die in der Verwirklichung des Zionismus die Erfüllung gewisser prophetischer Weissagungen erblicken, nicht die schlechtesten Katholiken seien. M. M. Der britische Koionialminister in Palästina Ende der vergangenen Woche sind der Kolonialminister Amery und der Luftfahrtminister Hoare, von Mesopotamien kommend, in Palästina eingetroffen. Der Berichterstatter der „W iener Morgenzeit n n g“ (dem wir die Verantwortung für die Richtigkeit überlassen müssen) meldet hierzu: „Für die nächsten Tage erwartet man in Jerusalem die Ankunft des Kolonialminislers Amery und des Sekretärs für das Luftverkehrswesen Hoare, die in der Vorwoche sich nach Bagdad begeben hallen, ln ihrer Anwesenheit werden zwischen Herbert S am u e 1 und den Führern der j ii d i s c lien und a r a bische n P a r I e i e n Besprechungen stattfinden, denen man mit großem Interesse entgegensieht, da im Verlaufe der Eniversitätsfeierlichkeiten eine u n v erbi n d 1 i c h e F ii h 1 u n g n a h m e erfolgt ist, die gute Aussichten auf eine Verständigung ergab.“ London (J.T.A.). Der britische Kolonialminister Mr. L. S. Amery, der jetzt in Palästina weilt, besuchte am 17. April die jüdische Kolonie R i - s c h o n -1 e - Z i o n und unterzog dort insbesondere die berühmten Weinkellereien einer eingehenden Besichtigung. Der Minister hielt eine Ansprache an die versammelten Kolonisten, in der er ausführte, die britische Regierung erstrebe die Gründung eines jiid. Nationalheims in Palästina auf gesunder wirtschaftl. Grundlage; er freue sich deshalb, mit eigenen Augen beobachten zu können, wie sehr die Judenschaft dieser Kolonie zu landwirtschaftlicher Arbeit befähigt ist. Die an ihn gerichteten hebräischen Begrüßungsansprachen hätten ihn umsomehr gefreut, als er aus ihnen das Wiederaufleben des Hebräischen als einer lebenden Sprache mit Bewunderung feststellen konnte. Von Risehon-le-Zion begab sich der Minister nach T e 1 - A w i w, wo die Stadtverwaltung ihm zu Ehren ein Festessen gab. Der Bürgermeister von Tcl-Awiw, Herr Dizengoff, sprach den Toast auf den König und richtete dann im Namen der Bevölkerung von Jaffa und Tel-Awiw an den Minister die Bitte, einen modernen Hafen in Jaffa mit einem Landungsplatz am Strande von Tel-Awiw bauen zu lassen. Mr. Amery sagte in seiner Antwortrede, er sehe mit Befriedigung, wie hoch sich Tel-Awiw entwickelt hat, er habe jedoch die Empfindung, daß Tel-Awiw nur dann gedeihlich wachsen wird, wenn es sich nicht allein aut Industrie und Handel, sondern auch auf eine gesunde Landwirtschaft stützt. Zu diesem Zweck müsse die Stadtverwaltung für einen hinreichenden Bodenzuwachs zwecks Errichtung eines landwirtschaftlichen Teils sorgen. Ich habe — so schloß der Minister seine Rede — heute einen sehr interessanten Morgen verbracht. Zuerst beobachtete ich die Tätigkeit der alten Pioniere in Risehon-le- Zion, jetzt habe ich ein Bild von der Arbeit der neuen Pioniere in Tel-Awiw. Von Jel-Awiw begab sich der Minister nach Jaffa, wo er die Ruthenberg’sche Elektrizitälsanlage besichtigte. Dann unternahm der Minister einen Spaziergang durch die Stadt und den Strand von Jaffa. Dann begab er sich nach Haifa.