Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 17 (24.4.1925)
- Date
- 1925-04-24
- Page
- Seite 301 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153806--06674-9079389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17 Das Jüdische Echo 301 Haler wie in kultureller Hinsicht, als auch in Hinsicht auf ihre Einstellung in eine nationale Wirtschaft zu erziehen, ist zu einer elementaren Notwen d i g k e i l geworden. Chaluzim im Sinne jener Leute, die Sümpfe trocknen und Kwisehim hauen, werden der Entwicklung des Landes entsprechend ein immer geringerer Prozentsatz der Gesamlalijah sein. Umso mehr müssen wir heute dafür Sorge tragen, dal.» die Olim in ihrer überwiegenden Mehrzahl Chaluzim der Idee des nationalen Aufbaus, Pioniere einer nationalen Bevölkerung Erez Israels — unseres Erez Israels — sein werden. Die Kräfte, die wir jetzt dafür einsetzen, Chaluzim in diesem Sinne zu erziehen, reichen bei weitem nicht aus, sie müssen vervielfacht werden, wenn wir nicht ohnmächtig der wachsenden Palästinabewegung gegenüber stehen wollen. Betrachten wir die Sache an dem Beispiel der Situation in Deutschland, so wird es vielleicht am besten klar werden. Obwohl Deutschland ein Land ist, in dem es keine jüdischen Massen gibt, wächst auch hier die Palästina-Bewegung in einer ungeahnten Weise. Viele Hunderte von Menschen kommen zu uns und der „Hechaluz“ kann sie nicht aufnehmen. Seine Kräfte reichen nicht einmal dazu aus, die Arbeit innerhalb der Organisation in ihrer augenblicklichen Größe befriedigend zu bewältigen. Es fehlt an führenden Menschen für die Tarbutharbeit, für die nationale Erziehung der Chaluzim in den Ortsgruppen des „Hechaluz“. Ein weiteres Anwachsen der Menschenzahl würde uns die Gefahr der Verwässerung bringen. Ein anderes täglich dringend werdendes Problem: Unter dem heute zum „Hechaluz“ kommenden Menschen ist ein großer Prozentsatz von Handwerkern: Maurer, Schlosser, Klempner etc., gute Arbeiter von 30—40 Jahren, die ein sehr brauchbares Element dar stellen. Sie passen in die heutige Struktur des „Hechaluz“ im allgemeinen nicht herein und können durch ihn hauptsächlich wegen des Führermangels und des Altersunterschiedes gegenüber den anderen Chaluzim nicht erfaßt werden. Sie brauchen keine fachlichen Vorbereitungen mehr, bedürfen jedoch unter allen Umständen einer Hachscharah tarbulilh — einer nationalen kulturellen Vorbereitung. Wie kann man sie ihnen geben? Wie kann man sie für den Aufbau nutzbar machen? Diese Frage muß uns umso brennender erscheinen, wenn wir bedenken, daß Erez Israel in immer stärkerem Maße Menschen von uns fordern wird. Gerade jetzt stehen wir wieder vor einer Alijah von ca. 1000 Menschen. Es wird das Gelingen des Aufbaus letzten Endes davon abhängen, ob wir diesen Forderungen an Quantität und besonders auch an Qualität nachkommen können. In Erkenntnis dieser Situation muß daher gefordert werden, daß starke Kräfte eingesetzt werden, um den Strom des Volkes, der unaufhaltsam nach Palästina drängt, richtig zu leiten und den Menschen selbst eine gute Hachscharah — dies Wort in seiner umfassendsten Bedeutung genommen — zu geben. Nur dann wird es möglich sein, den Aufbau in konstruktivem Sinne durchzuführen und die nationale Heimstätte nach dem Bilde des Zionismus zu errichten. Berlin, den 0. April 1925. Worner Gold m a n n. Echo der Woche A u cli ei n e Beg r ü ß ung z u r E r ö f f n u n g d er h e b r ä i s c heil Universität München, 22. April 1925. Das Ereignis der Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem hat auch in Deutschland im allgemeinen eine gute Presse gehabt. Die großen führenden Blätter der nicht-reaktionären und zum Teil auch die der rechtstehenden Parteien haben das Ereignis durch telegraphische Meldungen ihrer Spezialkorrespondenten sowie durch ausführliche Stimmungsberichte in seiner politischen und kulturellen Bedeutung gewürdigt. Wir haben erst in unserer letzten Nummer den bedeutsamen Aufsatz von Dr. Ernst Simon zum Abdruck gebracht, der in der „Frankfurter Zeitung“ als Antwort auf die einseitigen Ausführungen eines von Breuer und seiner Richtung orientierten Artikels erschienen war. Auch das „Berliner Tageblatt“, die „Vossische Zeitung“, der „Vorwärts“ und andere führende Zeitungen haben sich bemüht, der Bedeutung dieser Kulturangelegenheit der Menschheit gerecht zu werden. Die b a y e r i s c h e Presse ist zum großen Teil ebenfalls an der Universitätseröffnung nicht achtlos vorübergegangen. Kurze Meldungen und die bekannten Abbildungen vom Bau der Universität waren in den meisten größeren Zeitungen oder ihren illustrierten Beilagen zu finden. Jedenfalls konnte bis jetzt nirgends eine abfällige Beurteilung des Ereignisses festgeslellt werden. Nun haben die „M it n c h e n e r Neuesten N a c h r i c li t e n“ diesen Consensus der Meinungen gestört. Diese Zeitung, die aus ihrer entschieden deutschnationalistischen und judenunfreundlichen Stellung keinerlei Hehl macht, glaubt scheinbar besonders pikant zu wirken, wenn sie sich im Zusammenhang mit der Jerusalemer Universitätseröffnung (in ihrer Nr. 107 vom 19. April) aus R o m melden läßt, daß der V a t i k a n seit den Tagen der Balfourdeklaration die Entwicklung der jüdischen Palästinakolonisation mit großer Besorgnis verfolgt. Im weiteren Verlauf der Meldung wird noch der Leitartikel eines offiziösen vatikanischen Blattes zitiert, aus dem einige scharfe antienglische Stellen besonders hervorgehoben werden. Es wird darin etwas von der „Leichtfertigkeit profaner Vergnügungen“ in der Heiligen Stadt und von „eröffneten Kursälen auf dem Berge Karmel“ geplaudert und diese dem Zionismus zur Last gelegt. Es wird festgestellt, daß „diese Neulinge in Jerusalem nicht den Schmerz und die Trauer der gläubigen Juden am Freitag an der Klagemauer vernehmen“. Es wird dann noch das in Palästina sich rücksichtslos breitmachende amerikanische Methodistentum angegriffen und der alte Einwand wiederholt, daß England den Zionismus zur Verwirklichung seiner asiatischen Kolonialpläne benütze. Die englischen Staatsmänner, die sich heute um ein erträgliches Verhältnis zu den Arabern bemühen, werden politische „Geschäftemacher“ genannt und zum Schluß noch ein Zitat Pius X. nach Theodor Herzls Tagebüchern angehängl, laut welchem dieser Papst geäußert hat: „Wir können den Zionismus nicht begünstigen. Wir können die Juden nicht hindern, nach Jerusalem zu gehen, aber begünstigen können wir sie nicht. Die jüdische Religion war die Basis der unsl’igen; aber sie wurde ersetzt durch die Lehre Jesu Christi, und wir können ihr keinen weiteren Bestand zuerkennen. Die Juden, welche die Ersten hätten sein sollen, Jesum Christum zu erkennen und in der Zeit der Christenverfolgungen 300 Jahre