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Das jüdische Echo · 1925-04-24 · 17 (24.4.1925) · p. Seite 303

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
17 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
Seite 303 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 303 Das Jüdische Echo Demonstrationen gegen Lord Balfour in Damaskus Während des Besuches L o r d B a 1 f o u r s in Syrien ist es in Damaskus zu großen Kundgebungen der Araber gekommen, wobei Gendarmerie und Militär einschreiten mußten. Die Menge griff die Polizei mit Knütteln an und versuchte, unter einem Hagel von Steinwürfen das Hotel „Olympia“, in dem Balfour abgestiegen war, zu stürmen. Laut einem Wolff-Telegramm mußten Regierungstruppen mit Kavallerie, Panzerautomobilen und Flugzeugen, die Rauchbomben abwarfen, eingreifen, bis es gelang, die Menge zu zerstreuen. Zwei Personen wurden gelötet und gegen 50, darunter 7 Gendarme, verletzt. Der Oberkommissär General S a r r a i 1 riet Balfour dringend, ungesäumt abzureisen. Lord Balfour fuhr, während die Truppen die Aufmerksamkeit der Menge ablenkten, unerkannt in seinem Automobil ab. Die Blätter Palästinas sind der Ansicht, daß die Vorfälle in Damaskus nur unter französischer Duldung möglich gewesen seien. In Palästina mit seinen nur 2000 Soldaten habe sich keinerlei Zwischenfall ereignet, in Syrien mit seinen 30 000 Franzosen habe es zu Blutvergießen kommen müssen. Der Rat General Sarrails, Lord Balfour möge sofort abreisen, wird als Affront betrachtet und mit der Reise Franklin Bouillons nach der Türkei in Zusammenhang gebracht. In Beantwortung einer Interpellation des Abg. W a t e r h o u s e über die Vorgänge bei dem Besuche Lord Balfours in Palästina und die Forderungen und Beschwerden des Arabisch-Palästinensischen Kongresses erklärte Unterstaatssekretär Ormsby-Gore im Unterhause, daß die Regierung sich von den arabischen Protesten nicht beeinflussen lasse; Palästina werde genau nach den Bestimmungen des Mandates verwaltet und es sei ihm absolut nichts davon bekannt, daß die bürgerlichen oder religiösen Rechte der Araber irgendwie verletzt würden. Übrigens sei die Militärbesetzung Palästinas wegen des Besuches Lord Balfours keineswegs verstärkt worden. * Bei Sichern (Nablus) ist es zu einem Überfall von Arabern auf eine jüdische Gruppe gekommen, die an der Pessachfeier der Samaritaner auf dem Berge Gerizim teilnahm. Die Araber bewarfen die Juden mit Steinen, wobei es einige Leichtverwundete gab. Sechs Araber, die der Aufhetzung verdächtig sind, wurden verhaftet. Dieser unbedeutende Zwischenfall ist von verschiedenen Telegraphenagenturen und Zeitungen in ihren ersten Meldungen weit aufgebauschl worden. An all diesen Übertreibungen ist kein wahres Wort. * Die schwerindustrielle, also rechtsstehende T e - legraphen-Union, Berlin, veröffentlicht folgendes Telegramm aus J e r u s a 1 e m vom 8. April: „Die Meldungen europäischer Blätter über angebliche Unruhen unter den Arabern in Palästina erregen hier allgemeines Erstaunen, da sie den Tatsachen n i c h t entsprechen. Lord Balfour ist hei seinem Besuche der Kolonien überall von den Araber-Scheichs begrüßt worden.“ * Laut telegraphischer Meldung der „Vossisehen Z e i t u n g“ wurde in Palästina eine neue demokratische Arbeite r partei gegründet, die englan d f r e u n d lieh ist. (Ziko) Der Glückwunsch der deutschen Regierung Bei dem Festbankett anläßlich der Eröffnung der Hebräischen Universität, das am Abend des 1. April in Jerusalem stattfand und bei dem alle Konsuln anwesend waren und Ansprachen hielten, sprach der deutsche Konsul in Jerusalem, Herr K a p p , nachstehenden Toast: Euer Exzellenz! Euer Lordschaft! Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zu dem großen Ereignis, welches wir heute feiern, habe ich die Ehre, die G 1 ii c k w ü n sehe der deutschen Reichsregierung zum Ausdruck zu bringen. Das deutsche Volk nimmt warmen Anteil an der Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem. Es wünscht und hofft, daß es durch Freundschaft und Vertrauen mit der neuen Geistesstätte verbunden sein wird. Möge diese neue Geistesstätte eine Stätte wahrer Freiheit werden: Fernes und Nahes, Neues und Altes verbinden, Ziel und Anfang zugleich sein. Eine Stätte der wahren Freiheit, wie sie Lehrer, Philosophen und Dichter erträumen und wie sie Goethe, etwa 80 Jahre alt, in folgenden Versen geformt hat: Kein Wesen kann zu nichts zerfallen! Das Ewige regt sich fort in allen, Am Sein erhalte dich beglückt! Das Sein ist ewig: denn Gesetze Bewahren die lebend’gen Schätze, Aus welchen sich das All geschmückt. Das Wahre war schon längst gefunden, Hat edle Geisterschaft verbunden; Das alte Wahre, faß es an! Verdank es, Erdensohn, dem Weisen, Der ihr, die Sonne zu umkreisen, Und dem Geschwister wies die Bahn. Sofort nun wende dich nach innen: Das Zentrum findest du da drinnen, Woran kein Edler zweifeln mag. Wirst keine Regel da vermissen: Denn das selbständige Gewissen Ist Sonne deinem Sittentag. Möge dieser Geist der Freiheit ausgehen von dieser Stätte, die der ganzen Welt teuer ist! Möge sich die Menschheit des Vermächtnisses ihrer großen Geister bewußt werden! Möge die Hebräische Universität in Jerusalem in diesem Sinne wirken! In diesem Geiste wünschen wir ihr Glück. Palästinensische Bevölkerungs-Statistik Im „Haaretz“ vom 16. März veröffentlicht Dr. R u p p i n einen Artikel „Statistik der jüdischen Bevölkerung Erez Israels“, dem wir folgende Angaben entnehmen. Die hauptsächlichste Grundlage für die Berechnung der jüdischen Bevölkerung Palästinas bildet die von der Regierung vorgenommene Volkszählung vom 23. Oktober 1922, die unter Hinzurechnung der fast ausschließlich aus Beduinen sich zusammensetzenden Bevölkerung des Südkreises (Gaza und Berseba), über die keine genauen Zahlen festzustellen waren und die schätzungsweise mit 72898 angenommen wurde, die Bevölkerungszahl Palästi nas mit 757 182 angibt. Davon waren 83 794 Juden und 673 388 Nichtjuden. Diese von der Regierungsstatistik ermittelten Zahlen wurden vielfach angezweifelt; ganz besonders wurde darauf hingewiesen, daß die Zahl der Juden größer sein dürfte, als die

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